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Zu groß und zu viel

Nach Bürger-Protesten: So geht es mit dem Baugebiet Wintererhof in Mühldorf weiter

Auf Plänen und im Exposé ist schon gut vorstellbar, wie sich die Baugrube des ehemaligen Wintererhofs in ein Wohnquartier verwandelt: Die Investoren Max Salfer, Alexander Lantenhammer, Dominik Wastl und Simon Schäfer (von links).
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Auf Plänen und im Exposé ist schon gut vorstellbar, wie sich die Baugrube des ehemaligen Wintererhofs in ein Wohnquartier verwandelt: Die Investoren Max Salfer, Alexander Lantenhammer, Dominik Wastl und Roland Schäfer (von links).

Nach den Diskussionen und dem Streit mit Nachbarn sowie im Mühldorfer Stadtrat war es lange ruhig geworden um das große neue Baugebiet auf dem ehemaligen Wintererhof in Altmühldorf. Das soll sich jetzt ändern.

Mühldorf – Seit fast sechs Jahren beschäftigt Nachbarn und Stadtverwaltung die geplante Bebauung des ehemaligen Wintererhofs in Altmühldorf. Nach kritischen Stimmen im Stadtrat gab es Streit mit Nachbarn, die eine zu dichte Bebauung beklagten. Sie sorgten sich, dass das neue Baugebiet den ländlich geprägten Stadtteil Altmühldorf zu stark verändern und ihm den Ortscharakter nehmen würde; das Verkehr und Lärm zunehmen würden.

Ursprünglich 162 Wohnungen geplant

Im Herbst 2020 war von 162 neuen Wohnungen und voraussichtlich 350 Bewohnern die Rede, wo vorher auf dem Wintererhof maximal zehn Menschen lebten. Mit all den Folgen für den Verkehr auf der Münchner Straße, der Nähe der neuen, höheren Häuser zu den deutlich niedrigeren, die in der Nachbarschaft stehen.

Dann erwiesen sich die Wohnungen als schwer verkäuflich, es wurde um- und wieder umgeplant, bevor der Stadtrat endlich einer abgespeckten Version die Zustimmung erteilte. Danach kehrte Jahre lang Ruhe ein, auf dem Gelände passierte nichts. Gesellschafter verließen die Vermarktungsfirma, ein Bauzaun verwehrte den Blick aufs Gelände, Gerüchte schossen ins Kraut.

Damit soll es jetzt vorbei sein. Das sagt Roland Schäfer. Er ist einer der Gesellschafter der neuen Firma Milena, der jetzt das Grundstück gehört. Am 20. Juli sollen die Bauarbeiten beginnen, ein Bagger ist bereits aufgefahren, Lastwagen kurven auf der Baustelle herum.

Sechs jungen Unternehmern gehört die neue Vermarktungsgesellschaft, unter ihnen der ursprüngliche Initiator des Bauvorhabens Alexander Lantenhammer, Roland Schäfer und sein Bruder Simon, dazu zwei Söhne des Mühldorfer Unternehmers Hans Salfer, Florian und Max und schließlich Dominik Wastl. Sie sind Bauingenieure oder Bautechniker, Vermarktungsspezialisten. Sie sind zwischen 29 und 36 Jahre alt.

Sie haben das Grundstück vom Vorbesitzer Lago Bau abgekauft, die Pläne überarbeitet und wollen jetzt mit einem ersten Bau beginnen: zweimal acht Wohnungen mit drei Zimmern, zwei Stockwerke plus Dachgeschoss an der Westseite des Grundstücks. „Wir wollen natürlich verdichten“, spricht Schäfer von der Notwendigkeit, Wohnraum zu schaffen. „Aber unter Berücksichtigung von Nachbarinteressen.“ Es solle ein „grünes Quartier“ werden, von zu viel Nachverdichtung wolle Milena absehen.

Die Hofstelle des Wintererhofs ist längst abgerissen.

Zwei oder drei Zimmer

Die meisten Wohnungen in den nachfolgenden Bauabschnitten sollen sich in der Größe an den ersten orientieren, es würden aber auch kleinere mit einem oder zwei Zimmern gebaut, ein Trend zur Singlewohnung, wie Schäfer sagt, auch in Mühldorf. Die Aufträge würden an Firmen in der Region vergeben, die Mehrfamilienhäuser sollen sich im Stil dem ländlichen Stadtteil anpassen.

Das gilt auch für die Größe. Waren im ersten Entwurf sechs Gebäude mit mehr als 160 Wohnungen geplant, soll es jetzt wesentlich kleinteiliger werden. Zehn kleinere Gebäude sind vorgesehen, sie sollen 105 Wohnungen aufnehmen, ein Drittel weniger als ursprünlich auf dem Gelände hätten entstehen sollen.

Keine Freude bei den Nachbarn

Als Höhe der neuen Häuser gibt Schäfer eine Firsthöhe zwischen 10,33 im westlichen Bereich des Grundstücks und 13,29 Meter an der Münchner Straße an. Für die weiteren Häuser gibt es laut Schäfer noch keine Planung. Die ursprünglich vorgesehene große Tiefgarage soll jetzt mehreren kleineren weichen. Die Milena-Verantwortlichen wollen damit dem Charakter kleinerer Einheiten auf dem Gelände auch unter der Erde gerecht werden.

Trotz der Reduzierung des Bauvorhabens kommt bei den Nachbarn keine Freude auf. „Wir können das nicht mehr ändern“, sagt Alfons Zettl, der direkt neben der Baustelle wohnt. Er gehörte zu denen, die vor fünf Jahren gegen die Pläne protestierten. „Durch unsere Initiative wurde es auf 105 Wohnungen verkleinert“ sagt er heute, ein kleiner Erfolg.

Zettl kritisiert vor allem die Stadt, die dort kein Ortszentrum mit kleinerer Bebauung und zentralen Einrichtungen schaffen wollte. „Schade, dass die Stadt das Areal nicht gekauft und gestaltet hat.“ Die jetzt geplante Bebauung, „erscheint mit als ein Entgegenkommen“ der neuen Investoren, sagt Zettl und erwähnt, dass die Salfer-Söhne aus Altmühldorf stammen.

Ene 2026 sollen die ersten Wohnungen fertig sein

Das Ehepaar Zettl wird die Veränderungen am deutlichsten spüren, denn die ersten beiden Häuser entstehen an ihrer Grundstücksgrenze im Westen des Wintererhofs. Zweimal acht Wohnungen sollen laut Roland Schäfer dort entstehen, von denen zehn verkauft seien. Die Häuser haben zwei Stockwerke plus ausgebautem Dachgeschoss. Wenn sie fertig sind, können die Arbeiten an der Münchner Straße beginnen, die dort vorgesehenen beiden Häuser werden ein Stockwerk höher und beherbergen neun und zehn Wohnungen. Ende 2026 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.

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