Stars im Kino Mühldorf
Kinseher, Zimmerschied und Co: Großes Staraufgebot in Mühldorf
Menschlich, leise, tiefgründig: Das bayerische Roadmovie „Karli & Marie“ überzeugte bei der Vorführung im Hollywood am Inn. Kinostart ist am Donnerstag, 17. Juli.
Mühldorf – Es war eine Filmvorstellung mit besonderem Flair: Im Mühldorfer Hollywood am Inn wurde das neue bayerische Roadmovie „Karli & Marie“ vorgestellt – noch vor dem offiziellen Kinostart. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, den Film zusammen mit den Hauptdarstellern Luise Kinseher und Sigi Zimmerschied zu sehen.
Neben den Stars auch Regisseur Christian Lerch im Kinosaal
Auch Regisseur Christian Lerch und die Produzenten Ulrich Limmer und Ralf Zimmermann standen nach der Vorstellung für Gespräche bereit. Das Publikum zeigte sich begeistert – es gab Dankbarkeit, Zustimmung und schon einmal erste Stimmen, die eine Fortsetzung forderten.
Es ist eine anstrengende Tour, für die das Team von „Karli und Marie“ in ganz Bayern und Österreich unterwegs ist. Doch Mühldorf ist eine besondere Station, wurden doch Teile des Films in der Region gedreht, das Lokalkolorit ist nicht zu übersehen. Geschuldet ist es aber einer einfachen Tatsache: Regisseur Christian Lerch stammt aus Steinhöring, also wurde dort, in Ebersberg und Wasserburg gedreht, und natürlich auch in Innsbruck.
Der Film selbst ist ein leiser, aber eindringlicher Beitrag zum deutschen Gegenwartskino. Im Mittelpunkt stehen zwei Figuren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch auf unerwartete Weise zueinanderfinden. Marie, einst Schönheitskönigin und nun Besitzerin eines bröckelnden Betonwerks, fährt versehentlich einen Mann an – Karli, einen Möchtegern-Gangster mit großer Klappe und kleiner Perspektive.
Statt die Polizei ruft Marie ihr schlechtes Gewissen – und nimmt Karli kurzerhand mit in ihre leicht verfallene Villa. Bald darauf machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg nach Innsbruck, um dort mit einem fragwürdigen Plan das Betonwerk zu retten.
Was sich wie eine klassische Komödie anhört, entpuppt sich schnell als vielschichtige Charakterstudie. Hinter den schrägen Einfällen und skurrilen Dialogen verbergen sich Figuren mit Brüchen, Verletzungen und Schutzbehauptungen. Karli gibt sich als explosiver Ex-Soldat aus – in Wahrheit ist er vor allem orientierungslos und lebensmüde.
Marie wiederum bemüht sich krampfhaft um Haltung und Eleganz – auch dann noch, wenn um sie herum längst alles zerfällt. Der Film fragt: Was bleibt übrig, wenn das äußere Bild zerbricht?
Nebenfiguren wie ein schlitzohriger Schrauber, ein schleimiger Beamter oder ein windiger Vermittler sorgen für Abwechslung – doch im Zentrum stehen immer Karli und Marie. Ihre Wortwechsel sind messerscharf, doch nie laut. Ihre Beziehung wächst langsam, fast zögerlich – aber glaubhaft. Der Film hetzt nicht, sondern nimmt sich Zeit für jede Geste, jedes Schweigen. In einer Zeit, in der viele Produktionen durch Tempo und Lautstärke auffallen wollen, wirkt „Karli & Marie“ wie eine wohltuende Pause vom Kinostress.
Gespür für Zwischentöne
Dass dieser Ton funktioniert, liegt vor allem an Kinseher und Zimmerschied. Die beiden agieren mit einem Gespür für Zwischentöne, das heute selten geworden ist auf der Leinwand. Jeder Blick, jede kleine Bewegung sitzt. Ihre Dialoge wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen – kein Wort zu viel, kein Effekt zu künstlich. Die ruhige Kameraarbeit unterstreicht die entschleunigte Erzählweise, ohne je langweilig zu werden.
„Karli & Marie“ ist ein Film über Masken und Identitäten, über Verletzlichkeit und den Wert echter Freundschaft – erzählt mit Witz, Feingefühl und einer wohltuenden Prise Melancholie. Und ja, er regt zum Lächeln an – aber ebenso zum Nachdenken über die Frage: Wer bleibt an meiner Seite, wenn ich selbst nichtweiß, wie es weitergehen soll?
Einfach drauflos gespielt
„Wie haben Sie sich auf diese sehr ungewöhnlichen Rollen vorbereitet?“ Das wollte die Heimatzeitung von den Hauptdarstellern wissen. „Ich habe mich gar nicht so sehr mit der Figur als Konzept beschäftigt, sondern mit dem, was sie antreibt: der Wunsch, gebraucht zu werden, ernst genommen zu werden. Das kennt jeder Mensch. Und dann haben Sigi und ich einfach drauflos gespielt – da war sofort Vertrauen da“, sagt Kinshofer Sigi Zimmerschied sieht es ähnlich – er erinnert aber auch daran, dass man schon gemeinsam gedreht habe, „wir kennen uns lange, das war ganz wichtig bei diesem Film“.
Für Sigi Zimmerschied war es wichtig, im Film nicht zu „überdrehen“, wie er im Gespräch betont: „Karli ist ja eigentlich ein trauriger Clown. Wir wollten ihn nicht zur Karikatur machen, sondern zeigen, dass auch einer wie er etwas zu sagen hat – wenn man genau hinhört.“
Kinostart am Donnerstag
Und einen Wunsch haben die beiden Hauptdarsteller jetzt, wo der Film in die Kinos kommt; Kinseher: „Dieser Film soll sein Publikum finden, die Menschen sollen rausgehen und sagen: Es war schön, es war menschlich, es hat gutgetan. Das wäre schon sehr viel“, sind sich Luise Kinseher und Sigi Zimmerschied einig.
Kinostart für „Karli & Marie“´ist am Donnerstag, 17. Juli.