Neubau zwischen Rott- und Trostberger Straße
Wohnblocks in Mühldorf zwischen Einfamilienhäusern: Heftige Kritik an neuen Plänen
Ein Investor will in Mühldorf-Süd neue Mehrfamilienhäuser errichten: Die Anwohner sind alarmiert – und Autofahrer fürchten noch längere Staus an der Einfahrt zur Innbrücke.
Mühldorf – Es ist nur eine Bauvoranfrage, doch sie zeigt, wie weit Investor und Stadt auseinander liegen. Es geht um neue Mehrfamilienhäuser an der Trostberger Straße in Mühldorf Süd. Bislang steht auf dem Grundstück ein Einfamilienhaus, dort sollen jetzt zwei Mehrfamilienhäuser und Carports entstehen.
Zu groß für das umliegende Wohngebiet
Die Diskussion über die Pläne des Grundstücksbesitzers läuft schon seit vier Jahren. Seitdem geht es um die Frage, wie groß darf die Bebauung auf dem Grundstück werden. Die bisherigen Vorstellungen lehnte die Stadt stets ab, auch die neuen Pläne fanden keine Zustimmung: Sie groß für das umliegende Wohngebiet.
Das sieht der Investor das ganz anders, er spricht davon, dass sich die jetzt vorgelegten Pläne „harmonisch in das bestehende Quartier“ einfügen. Die geplanten Häuser orientieren sich nach seiner Ansicht an Häusern in der Nachbarschaft. Er nimmt damit Bezug auf Mehrfamilienhäuser, die im weiteren Umfeld stehen. Die Pläne nähmen auch Rücksicht auf die niedrigere Bebauung südlich des Grundstücks, dort stehen vor allem Einfamilienhäuser.
Wie viele Wohnungen in den beiden Wohnblocks entstehen sollen, lässt der Investor offen, er spricht von einer „flexiblen Anzahl“. Bei früheren Diskussionen war von mehr als 40 die Rede. Die beiden Häuser sollen drei Vollgeschosse erhalten, in einem seien zusätzlich Souterrain-Wohnungen denkbar. Grundsätzlich, betont der Investor, sei es in Mühldorf dringend notwendig, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, vor allem für Familien und junge Berufstätige.
Damit triff er auch das Anliegen der Stadt, wie Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner jetzt vor dem Bauausschuss deutlich machte. „Grundsätzlich sehen wir Nachverdichtungen als sinnvoll an, es muss aber in einer städtebaulich verträglichen Weise geschehen.“
Diese Voraussetzung erfüllen die Pläne zwischen Trostbergerstraße und Rottstraße nach ihrer Ansicht nicht. „Weil die umliegende Bebauung niedriger ist, würde es sich nicht einfügen“, sagte sie über die beiden Häuser, deren Grundfläche laut Weichselgartner 515 Quadratmeter bei der kleineren Lösung und 797 bei der größeren hätten. Sie schlug vor, die Bauvoranfrage abzulehnen.
Oskar Stoiber (CSU) kritisierte den Investor: „Der Stadtrat hat seine Meinung schon mehrfach kundgetan, daran hat sich nichts geändert.“ Der Investor sei aber bislang nicht darauf eingegangen. Gottfried Kirmeier (SPD) betonte: „Wohnraum schaffen ja, aber nicht auf Brechen und Biegen.“
Sorge vor mehr Verkehr
Kritik gab es in der Vergangenheit auch von den Nachbarn. Sie fürchten neben der starken Verdichtung auch die Auswirkungen auf die ohnehin stark belastete Kreuzung der Trostberger Straße mit der alten B12. Dort, vor der Innbrücke, staut sich schon heute immer wieder der Verkehr, weil die Trostberger Straße genau wie die alte B12 eine der Einfallstraßen in die Stadt ist.
Keine Zustimmung fand ein Vorschlag von Dr. Georg Gafus (Grüne). Er kritisierte erneut Baumfällungen auf dem Grundstück. Er schlug vor, die Ablehnung der Bauvoranfrage in Zusammenhang mit den Abholzungen zu setzen: „Wäre es nicht möglich, ein Signal zu setzen, weil im Vorfeld schon einiges passiert ist?“, frage er. Bürgermeister Michael Hetzl (UM) lehnte ein solches Vorgehen als ungesetzlich ab: „Das war vielleicht moralisch falsch, aber rechtlich nicht zu beanstanden.“ Auch Stadtbaumeisterin Weichselgartner betonte: „Damit kämen wir rechtlich nicht durch.“