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„Erst gurten, dann spurten“

Nach dem schweren Unfall auf der A94: Wie steht es um die Gurtmoral in Mühldorf?

Gurtpflicht Karl Heinz Stocker
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„Erst gurten, dann spurten“ war in den 70ern der Werbespruch für die Anschnallpflicht. Karl Heinz Stocker, Verkehrsexperte der Polizei Mühldorf, hat für Gurtmuffel kein Verständnis.

Bei dem Unfall am Dienstag (5. August) auf der A94 wurde die nicht angeschnallte Mutter von vier Kindern aus dem Auto geschleudert und schwer verletzt. Wie es um die Gurtmoral im Landkreis Mühldorf steht, weiß der Verkehrsexperte der Polizei.

Mühldorf – Bei dem Unfall einer sechsköpfigen Familie auf der A94 am Dienstagabend, 5. August, wurden vier Personen verletzt. Die Mutter (50) wurde beim Überschlag des Audi Q7 durch das Dachfenster aus dem Wagen katapultiert. „Sie saß auf der Rückbank und war nicht angegurtet“, hatte Thomas Oberbauer, stellvertretender Leiter der Autobahnpolizeistation Mühldorf, auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen mitgeteilt. Mit ihr saßen drei Kinder auf den Rückbänken des Sieben-Sitzers, sie alle hatten keinen Sicherheitsgurt angelegt und erlitten bei dem Unfall leichte bis schwere Prellungen. Dagegen blieben Fahrer und Beifahrer unverletzt – nur sie waren laut Autobahnpolizei ordnungsgemäß angegurtet.

Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025

Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025 © fib/Eß
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025 © fib/Eß
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025 © fib/Eß
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025 © fib/Eß
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025 © fib/Eß
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025
Schwerer Unfall auf der A94 bei Töging am 5. August 2025 © fib/Eß

Gurtpflicht auf Vordersitzen seit 1976

Dieser Unfall hat wieder einmal deutlich gezeigt, dass ein Sicherheitsgurt Leib und Leben schützen kann. Dabei gilt die Gurtpflicht noch gar nicht so lange. Wer schon ein bisschen älter ist, kann sich noch gut daran erinnern, dass ab 1. Januar 1976 die Gurtpflicht auf Vordersitzen eingeführt wurde, auf Rücksitzen sogar erst ab 1979 – ab damals hieß es „Erst gurten, dann spurten“.

Den Slogan kennt auch der Mühldorfer Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Stocker noch aus seiner Kindheit. Er ist Leiter des Sachbereichs Verkehr für den Landkreis Mühldorf. „Meine Eltern hatten damals im Auto nur vorne Gurte“, erinnert er sich. „Aber es waren noch feste Gurte, die man selbst einstellen musste, keine automatischen wie heute.“ Aus seinem Streifendienst in den 90er Jahren ist ihm auch noch der Gurtmuffel-Spruch „Ich brauche keinen Gurt, bei einem Unfall stemme ich mich am Lenkrad ein“ bestens bekannt.

Diese Einstellung hat die Jahre zum Glück nicht überdauert. Stocker kann feststellen: „Lobenswerterweise ist die Gurtmoral bei den Verkehrsteilnehmern recht hoch.“ Zwar gebe es noch wenige, die noch immer meinen, keinen Gurt anlegen zu müssen, aber die werden bei Polizeikontrollen ausnahmslos mit dem dafür üblichen Bußgeld von 30 Euro belegt. „Wir nehmen die Anschnallpflicht sehr ernst“, stellt der Polizist fest.

Kontrollen, ob der Gurt angelegt ist, finden schwerpunktmäßig zum Beginn jeden Schuljahres statt. Aber auch im restlichen Jahr, müssen Autofahrer mit entsprechenden Kontrollstellen rechnen. „Man sieht ja, ob jemand am Steuer angegurtet ist oder nicht“, so Stocker. „Diese Verkehrsteilnehmer werden dann von uns angehalten, belehrt und verwarnt.“

Bei Kindern wird kein Auge zugedrückt

Bedauerlich findet er, dass es immer noch Eltern gibt, die Ihre Kinder im Auto nicht richtig mit Kindersitz und Gurt sichern. „Da toben Kinder völlig ungesichert auf der Rückbank rum“, kritisiert er. „Das geht nicht. Da drücke ich kein Auge zu!“

Kann die Polizei nach einem Unfall feststellen, ob der Sicherheitsgurt angelegt war? „Ja, wir kriegen das raus“, so der Verkehrsexperte. „Bei einem Aufprall rastet der Gurt ein, das ist zu sehen. Bei einem sehr harten Aufprall hinterlässt der Gurt Anschmelzspuren, wenn er sich an der Kleidung reibt.“ Die Spurensicherungsexperten der Polizei können das herausfinden.

Zahl der Unfallopfer deutlich zurückgegangen

Auch wenn keine Vergleichszahlen für Mühldorf und den Landkreis vorliegen, weiß Stocker aus jahrelanger Erfahrung: „Mit Einführung der Gurtpflicht sind die Zahlen der Unfallopfer deutlich zurückgegangen.“ Er erinnert dabei an die zahlreichen, tödlichen Unfälle auf der alten B12.

Nur Besitzer von Oldtimern, die vor dem 1. April 1970 erstmals zugelassen wurden, dürfen noch ohne Sicherheitsgurt unterwegs sein. Stocker: „Viele lassen aber freiwillig Gurte einbauen.“

„Der Sicherheitsgurt ist zum Glück zur Selbstverständlichkeit geworden“, kann er feststellen. Sicherheit gehe einfach vor.

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