Ikone der Mühldorfer Hospizbewegung
Leben für die letzte Würde: Mühldorfer Dr. Hans Dworzak erhält Ehrung für stilles, großes Wirken
Wo andere schweigen, findet er Worte. Wo das Ende naht, schenkt er Orientierung und Trost. Dr. Hans Dworzak aus Mühldorf begleitet seit Jahrzehnten Menschen in den schwersten Stunden – mit Herz, Verstand und leiser Beharrlichkeit. Jetzt wurde sein Engagement mit der Justizmedaille geehrt.
München/Mühldorf — „Sie setzen Ihre Freizeit ein, um anderen Menschen zu helfen und großartige Projekte voranzubringen. Dafür möchte ich Ihnen im Namen der Justiz herzlich danken“, sagte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich zu Dr. Hans Dworzak und 15 weiteren Geehrten, die mit der Justizmedaille ausgezeichnet wurde.
„Sie alle haben sich – auf ganz unterschiedlichen Gebieten – weit über das gewöhnliche Maß hinaus für die Justiz, unseren Rechtsstaat und unsere Gesellschaft engagiert“, sagte Minister Eisenreich bei der Feierstunde in München.
„Ich hätte nie im Leben mit dieser Auszeichnung rechnen wollen. Natürlich habe ich mich sehr über diese für mich atypische Ehre gefreut. Als Mediziner oder besser Arzt kann man sich ja „in juribus“ nicht zu Hause fühlen. Allerdings, meine gut 20 Jahre regelmäßige Mitwirkung in der Vorsorgekommission des Justizministeriums waren für mich eine wahre Freude und reich an Erkenntnissen“, sagt Dr. Dworzak auf Nachfrage der Heimatzeitungen.
Dr. Hans Dworzak ist in Mühldorf eine Ikone der Hospizbewegung und der Versorgung sterbenskranker Menschen. 2022 bekam er das Bundesverdienstkreuz für seinen unermüdlichen Einsatz.
Bei der Verleihung stellte ihn der Minister als Vorsorgeexperten vor, der mit seinem Wissen im Justizministerium einen wichtigen Part einnahm. Bis zum Jahr 2022 gehörte er nämlich ehrenamtlich dem „Arbeitskreis Vorsorge“ des Bayerischen Justizministeriums an, der die Vorsorgebroschüre für Unfall, Alter und Krankheit verfasst. Die Informationen gibt es in kurzen und langen Versionen und auch in leichter Sprache.
Bis heute klärt Dr. Dworzak Bürgerinnen und Bürger über die Vorteile einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung auf. Dworzak ist Anästhesist und Palliativmediziner und gründete vor 30 Jahren den Anna Hospizverein in Mühldorf.
Ein Thema, das gerne beiseite geschoben wird
Das Thema Vorsorge ist eines, das in der Familie oft nicht gern angepackt wird. „Ja, die Vorbehalte gegenüber den Vollmachtsfragen aller Art bestehen noch. Allerdings wird die Kompetenz der Menschen größer und damit ist die Diskussion meistens fruchtbar“, so Dworzak auf Nachfrage. „In unseren Vorsorgebesprechungen kommen zusätzlich immer mehr erwachsene Kinder mit ihren Eltern und das ist eine ideale Konstellation. Nach den Beratungen verabschieden sich die TeilnehmerInnen heiter und zufrieden.“
Abneigung vor juristischen Begriffen und Klauseln
Mittlerweile stelle der Mediziner fest, das Thema werde weniger aus Verdrängung des Tabuthemas Tod beiseite geschoben. Vielmehr sei es eine Abneigung vor juristischen Begriffen und Klauseln.
„Zusätzlich sind die Menschen auch schon sehr gut über die tröstenden Möglichkeiten der Palliativmedizin informiert. Immer mehr berichten auch von guten und anhaltenden palliativen Erfahrungen im Familienkreis“, so Dworzak.
Warum das Thema „Vorsorge“ für Justizmininister Eisenreich so wichtig ist, erklärte er kürzlich im Ministerrat. „Ob nach einem Unfall, einer schweren Krankheit oder im Fall einer Demenz. Jeder von uns kann in die Situation geraten, wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen zu können. Häufig wird das Thema lange Zeit verdrängt. Aber es ist wichtig, sich rechtzeitig Gedanken zu machen und Vorsorge für den Fall der Fälle zu treffen. Es ist mir als Justizminister ein besonderes Anliegen, die Menschen in Bayern über diese wichtigen Themen zu informieren.“
Selbst ein Ehegatte dürfe seine Partnerin laut Gesetz nur für maximal sechs Monate in bestimmten Angelegenheiten der Gesundheitssorge vertreten, wenn diese selbst nicht mehr handlungsfähig sei.
Videos rund ums Thema Vorsorge
Eisenreich betonte: „Wunsch und Wille der Betroffenen müssen immer im Mittelpunkt stehen. Deshalb sollte jeder rechtzeitig vorsorgen, um sich, seine Angehörigen und Partner und auch Ärzte in Ausnahmesituationen zu entlasten.“ Neben Broschüren gibt es auf der Website des Ministeriums auch digitale Informationen und Videobeiträge mit der Journalistin Helene Reiner, bekannt durch die „News WG“ auf Instagram. In kurzen und klar verständlichen Beiträgen werden Fragen rund um rechtliche Vorsorge bei Unfall, Krankheit und Alter behandelt. Die Clips sind zu sehen auf der Ministeriums-Homepage.