Sport-Legende geht viel zu früh
Frei am Berg – und dort gestorben: Der tragische Tod der Biathlon-Ikone Laura Dahlmeier
Sie war eine der größten Sportlerinnen Deutschlands – und eine leidenschaftliche Bergsteigerin. Nun ist Laura Dahlmeier mit nur 31 Jahren im Karakorum tödlich verunglückt. Die Berge waren ihr Leben. Am Ende wurden sie ihr Schicksal.
Laura Dahlmeier liebte den Sport – und sie lebte ihn in all seinen Facetten. Im Biathlon gewann sie alles, was es zu gewinnen gab: zwei olympische Goldmedaillen, sieben WM-Titel, den Gesamtweltcup. Dann, mit nur 25 Jahren, trat sie zur Überraschung vieler zurück. Nicht, weil sie musste, sondern weil sie frei sein wollte. Sie wollte nicht mehr im Hamsterrad des Spitzensports leben, sondern sich entfalten – in der Natur, hoch oben am Berg.
Denn ihr Herz schlug für die Berge – für die Weite, die Stille, die Herausforderung. Nun ist sie dort gestorben, wo sie sich am lebendigsten fühlte: Am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge. Ein Steinschlag traf die 31-Jährige am Montagmittag auf rund 5.700 Metern Höhe. Ihre Seilpartnerin konnte keinen Lebenszeichen mehr feststellen, eine Rettung - an welcher sich auch Extrembergsteiger Thomas Huber aus dem Berchtesgadener Land beteiligte - war wegen anhaltender Steinschlaggefahr nicht möglich. Ihr letzter Wille war klar: Niemand sollte sein Leben riskieren, um ihren Körper zu bergen. Ihre Familie und das Rettungsteam respektierten diesen Wunsch – und stellten die Bergung ein.
Laura Dahlmeier bleibt am Berg zurück
„Auf Grundlage der Erkenntnisse aus dem Hubschrauber-Überflug und der Schilderungen der Seilpartnerin zur Schwere der Verletzungen, ist vom sofortigen Tod Laura Dahlmeiers auszugehen“, heißt es in einem Statement ihres Managements. Und weiter: „Es war Laura Dahlmeiers ausdrücklicher Wille, dass in einem Fall wie diesem, niemand sein Leben riskieren darf, um sie zu bergen. Ihr Wunsch war es, ihren Leichnam in diesem Fall am Berg zurückzulassen.“ Dies sei auch im Sinne der Angehörigen.
Für Laura war der Berg mehr als ein Ort: ihr zweites Zuhause - ein Ort innerer Ruhe und Authentizität. Sie war staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin und engagierte sich aktiv in der Bergwacht. Dass das Leben in den Bergen nicht ohne Risiko ist, wusste Laura Dahlmeier. 2014 stürzte sie beim Klettern im Zugspitzmassiv ab, wurde nur durch das Sicherungsseil vor Schlimmerem bewahrt. Der Unfall veränderte ihren Blick, aber nicht ihre Leidenschaft. „Wenn du beim Klettern einen Fehler machst, kannst du ums Leben kommen“, schrieb sie später.
Frei und glücklich sein
Doch die Faszination blieb – sie war staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin, aktives Mitglied der Bergwacht und wurde als erste Frau zur Schnellsten am Ama Dablam in Nepal. Auch die Eiger-Nordwand bezwang sie. Kurz vor ihrem Tod führte sie erstmals eine eigene Gruppe auf Bergtour. Auf Instagram schwärmte sie: „Reisen. Berge besteigen. Die Welt entdecken. Frei sein. Gipfel erreichen. Glücklich sein.“
Dahlmeiers Leben war außergewöhnlich. Sie war nicht nur eine der erfolgreichsten Wintersportlerinnen Deutschlands, sondern auch eine Frau mit Haltung, Mut und Tiefgang. Nach ihrer Karriere engagierte sie sich für den Umweltschutz, startete bei Ultrawettkämpfen und radelte 500 Kilometer allein durch Europa.
Als TV-Expertin blieb sie dem Biathlon verbunden, als Mensch der Natur treu. Sie liebte Garmisch-Partenkirchen, ihre Familie, das Leben – und sie lebte es intensiv. „Laura hat mit ihrer herzlichen und geradlinigen Art unser Leben und das Leben vieler bereichert“, schreibt ihre Familie in einem bewegenden Abschied. „Sie hat uns vorgelebt, dass es sich lohnt, für die eigenen Träume und Ziele einzustehen – und sich dabei immer treu zu bleiben.“
Königin des Wintersports
Nun herrscht tiefe Betroffenheit über den Verlust eines großartigen Menschen und einer außergewöhnlichen Sportlerin, die mit ihrer bodenständigen und herzlichen Art viele Leben bereicherte. Die Anteilnahme reicht weit über die Sportwelt hinaus. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erklärte: „Bayern trauert um eine Königin des Wintersports. Die Nachricht vom Tod von Laura Dahlmeier macht tief betroffen. Ein schrecklicher Unfall hat die junge Frau mitten aus dem Leben gerissen. Laura Dahlmeier verkörperte ihre Heimat Bayern im besten Sinne: Sie war ehrgeizig und erfolgreich und blieb dabei immer heimatverbunden und bescheiden. „
„Wir sind von Herzen dankbar, liebe Laura, dass wir an deinem Leben teilhaben durften. Unsere gemeinsamen Erinnerungen geben uns Kraft und Mut unseren Weg weiterzugehen“, endet das Statement ihres Managements, welchem wir uns nur anschließen können. (mz)