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Infektion mit hochansteckendem Erreger

So geht es dem Infizierten: Was zum Hasenpest-Fall im Landkreis Mühldorf bekannt ist

Feldhase Zecke
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Der Name trügt, die Hasenpest befällt nicht nur Feldhasen. Wie jetzt im Landkreis Mühldorf kann sie durch Zeckenstiche auch auf den Menschen übertragen werden.

Die hochansteckende Tularämie, auch Hasenpest genannt, wurde bei einer Person im Landkreis Mühldorf nachgewiesen. Wie gefährlich der Erreger ist und was das Landratsamt über den speziellen Fall im Landkreis verraten kann.

Mühldorf – Zecken sind nicht nur lästig und für viele eklig, sie sind auch noch gefährlich. An das Risiko von FSME und Borreliose haben sich ihre menschlichen Opfer schon gewöhnt. Da sie aber auch Hasenpest übertragen können, sollte man sich nach Stichen oder Bissen der kleinen Krabbler noch genauer beobachten.

Landratsamt meldet Fall von Hasenpest

Am Mittwochnachmittag (9. Juli) meldete das Landratsamt Mühldorf den bestätigten Fall einer mit Tularämie (Hasenpest) infizierten Person im Landkreis Mühldorf. Es ist noch keine zehn Tage her, dass die OVB Heimatzeitungen über diese Krankheit berichtet haben. Da hieß es – mit Stand 26. Juni 2025 – noch aus dem Landratsamt, dass es in den zurückliegenden zehn Jahren im Landkreis den ersten und einzigen Fall einer solchen Infektion bei einem Erwachsenen im Jahr 2024 gegeben habe.

Wie bei den beiden Menschen, die im Landkreis München an Hasenpest erkrankten, wird auch bei dem Fall im Landkreis Mühldorf eine Zecke als wahrscheinlichste Übertragungsquelle der bakteriellen Infektionskrankheit vermutet. Mit ihrem Stich hat sie die Erreger der Hasenpest in den menschlichen Körper übertragen. „Die Person befindet sich in ärztlicher Behandlung und wird mit Antibiotika therapiert“, teilt Pressesprecher Wolfgang Haserer mit.

Es ist eine minderjährige Person aus dem östlichen Landkreis

Auf Nachfrage des OVB gibt er zum Alter nur so viel an: „Es handelt sich um eine minderjährige Person aus dem östlichen Landkreis. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus Datenschutzgründen keine weiteren Angaben zur Person machen.“ Grundsätzlich könne jede Altersgruppe von Tularämie bei Menschen betroffen sein.

Wo sich der oder die infizierte Minderjährige die Zecke eingefangen hat – ob im heimischen Garten, im Wald oder auf einer Wiese, das ist dem Landratsamt nicht bekannt. Die Person hat aber nichts mit Landwirtschaft oder Jagd zu tun und hatte keinen direkten Kontakt zu einem Wildtier.

Zehn Erreger reichen für die Erkrankung

Die Tularämie ist eine Zoonose, eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann, dazu gehören auch FSME, Borreliose und Borna. Der Erreger der Hasenpest (Francisella (F.) tularensis) ist laut Robert-Koch-Institut hochansteckend: „Die infektiöse Dosis liegt bei nur circa zehn Erregern.“ Die Inkubationszeit nach der Ansteckung beträgt einen bis 14 Tage, in der Regel drei bis fünf Tage, selten auch mehrere Wochen. Eine Tularämie-Infektion wird in der Regel mit Antibiotika über einen Zeitraum von 7 bis 10 Tagen behandelt.

Erkrankungen sind in Deutschland selten, werden aber zunehmend gemeldet. „Im Jahr 2024 wurden bayernweit 71 Fälle bei Menschen registriert“, so Haserer. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat heuer bayernweit bis 23. Juni insgesamt 14 Fälle gezählt.

Übertragung durch Stiche, Bisse und Staub

Wie das Gesundheitsamt Mühldorf mitteilt, ist eine Ansteckung des Menschen möglich über: Stich oder Biss von Blutsaugern, wie Bremsen, Mücken, Zecken; Kontakt der Haut oder Schleimhäute mit infektiösem Tiermaterial oder mit kontaminiertem Wasser; Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminiertem Fleisch (Feldhasen) oder anderen kontaminierten Lebensmitteln (durch Mäusekot kontaminiertes Getreide; Inhalation von kontaminiertem Staub oder Aerosolen, etwa beim Waschen und Zerkleinern von kontaminiertem Gemüse, Rasenmähen oder Heuarbeiten.

Ein Erwachsener wurde im Landkreis Mühldorf im Jahr 2024 mit Hasenpest infiziert. Jetzt ist eine minderjährige Person vermutlich nach einem Zeckenstick an Tularämie erkrankt.

Schutzkleidung, Handschuhe, Händewaschen

Um eine Ansteckung zu vermeiden, sollte man bei direktem Kontakt mit Wildtieren Schutzkleidung und Handschuhe tragen. Die Hände nach Garten- und Waldarbeiten gründlich waschen. Zum Schutz vor Zecken und Insekten Zeckenschutzmittel benutzen und lange Kleidung tragen. Wildfleisch stets vollständig durchgaren und tote Feldhasen keinesfalls berühren oder gar einsammeln.

„Treten nach Kontakt mit Wildtieren oder einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht oder das Gesundheitsamt kontaktiert werden“, mahnt Birgit Franz, kommissarische Leiterin des Gesundheitsamts. Da es mehrere verschiedene Formen der Hasenpest gibt, kann es auch zu Symptomen wie einer Bindehautentzündung oder einer Lungenentzündung kommen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt.

Nachweis im Labor möglich

Mit einer Untersuchung im Labor können Erreger der Hasenpest über eine „tiefe“ Speichelprobe (sogenanntes Sputum, durch Abhusten aus der Lunge), eine Biopsie (Gewebeprobe) oder später über einen Antikörpernachweis im Blut nachgewiesen werden. Der Erregernachweis aus akuten menschlichen Erkrankungsfällen ist gemäß § 7 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes meldepflichtig.

„Gut mit Antibiotika behandelbar“

„Die Erkrankung ist bei frühzeitiger Diagnose gut mit Antibiotika behandelbar, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung“, trotzdem rät das Mühldorfer Gesundheitsamt zu Wachsamkeit im Umgang mit Wildtieren und zu nötiger Vorsicht beim Umgang mit potenziellen Infektionsquellen.

Eines kann das Landratsamt noch verraten: „Die Person ist auf dem Weg der Besserung“.

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