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Das Problem mit der Freileitung

Wenn der Zug das Internet zum Einsturz bringt: Frixinger verärgert über Bahn und Telekom

Martin Kreuzpointner zeigt auf die Leitung, die in den vergangenen Jahren schon einige Male geflickt werden musste. Jetzt hat er einen Vorschlag, damit das nicht mehr passiert.
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Martin Kreuzpointner zeigt auf die Leitung, die in den vergangenen Jahren schon einige Male geflickt werden musste. Jetzt hat er einen Vorschlag, damit das nicht mehr passiert.

In Frixing bei Erharting sorgt die Bahnstrecke für Frust: Schon mehrmals riss ein Zug das Glasfaserkabel mit. Die Folgen sind wochenlange Internetausfälle, Telefonstillstand und Ärger mit der Telekom – für Anwohner eine echte Geduldsprobe.

Erharting – Im Durchschnitt rauscht die Regionalbahn täglich über 70 Mal über den Bahnübergang in Frixing, wenn es von Mühldorf nach Neumarkt-St. Veit und wieder zurück geht. 70 Mal also die Gefahr, dass wieder mal das Kabel ab ist. Der Zug hatte nämlich in der Vergangenheit schon mehrmals eine Glasfaser-Freileitung touchiert, abgerissen oder – noch schlimmer – sogar die Telefonmasten mitgerissen.

Beim ersten Mal acht Wochen kein Internet

„Es kann jederzeit wieder passieren“, ist Martin Kreuzpointner überzeugt. Der 54-Jährige wohnt unmittelbar neben der Bahnstrecke und betreibt eine Landwirtschaft. Er ist leidgeprüft. Denn immer, wenn das Glasfaserkabel vom Zug mitgerissen wird, heißt das für alle Frixinger: Kein Telefon. Kein Internet. Kein Streaming-Dienst im TV. Und das für eine lange Zeit. „Beim ersten Mal ganze acht Wochen“, regt sich Kreuzpointner auf.

Wenn er vom ersten Vorfall erzählt, muss er zurück ins Jahr 2023 gehen. Frühjahr oder Sommer, so genau weiß er das nicht mehr. Sehr wohl erinnert er sich aber daran, dass die Telefonleitung tot war. „Ich habe es zunächst gar nicht mitbekommen. Erst als ich ins Internet wollte!“ Die erste Vermutung: Der Router ist hinüber. Doch der war es nicht. Der Nachbar bestätigte, dass auch bei ihm kein Internet mehr geht. Ein weiterer Nachbar hat ihn dann darauf aufmerksam gemacht: Der Zug hat das Glasfaserkabel beschädigt.

Kein Dienst – trotzdem Rechnung gezahlt

Ganze acht Wochen hat Kreuzpointner weiterhin Telekom-Rechnungen bezahlt, „und das, obwohl ich dafür kein Netz bekommen habe. Dabei wäre das bei mir wichtig. Meine Mutter ist 83 Jahre alt. Ein Pflegefall. Es wäre schon gut, wenn bei einem Notfall alles funktionieren würde.“ Auch seine Nachbarn sind auf das Internet angewiesen. Da befindet sich eine Spedition in Frixing, es gibt ein Miets- und ein Privathaus und weitere landwirtschaftliche Betriebe. „Da kommt ein Melkroboter zum Einsatz.“ Dieser werde digital gesteuert. Doch ohne Internetverbindung ist das schwierig!“, weiß Kreuzpoitner.

Diesmal kippte auch der Masten um

Ende 2023 der nächste Fall. Diesmal hatte der Zug nicht nur das Kabel erwischt, sondern mit seiner Wucht gleich noch den Freileitungs-Masten in Frixing mit auf die Straße gerissen. Immerhin sei schnell aufgeräumt gewesen. „Da wurde ein Trupp geschickt, der Masten entsorgt und Kabel weggezwickt. Das war's dann auch.“ Wieder habe er lange nichts von der Telekom gehört. „Immerhin: Dieses Mal waren es nur vier Wochen!“

Und dann gab es noch die internetlose Zeit ab Mitte Mai dieses Jahres. „Wieder dasselbe Spiel!“ Nur diesmal habe es den Masten auf der anderen Bahnseite erwischt. Jetzt wollte es Kreuzpointner wissen. Er hat sich mit der Spedition zusammengetan, gemeinsam haben sie immer bei der Telekom nachgefragt, waren minutenlang in Warteschleifen gefangen. „Die haben sich schlichtweg tot gestellt!“

70 Mal quert die Bahn täglich den Übergang bei Frixing. Dreimal nahm die Bahn das Glasfaserkabel bereits mit. Sehr zum Ärger der Anwohner, die dann wochenlang auf Internet und Telefon verzichten mussten.

Wenn er mal durchgekommen ist, so berichtet Kreuzpointner, dann habe der Gesprächspartner maximal schlecht Deutsch gesprochen oder nicht verstanden, was der Frixinger überhaupt will. Dessen Freude war natürlich groß, als plötzlich doch ein Techniker vor seiner Tür stand. „Der wollte aber lediglich mein Kasterl im Haus austauschen, um die Internetverbindung im Haus wieder zum Laufen zu bringen.“ Dass offenkundig ein größeres technisches Problem vorliegen könnte, habe der Techniker erst im Laufe des Gesprächs registriert. Unverrichteter Dinge sei er wieder abgezogen.

Servicemann weiß vom eigentlichen Schaden gar nichts

Jetzt hat Kreuzpointner mitbekommen, dass eine Sanierung des Bahnübergangs ansteht. Vom 22. September bis 7. November wäre der Bahnübergang gesperrt. Kreuzpointner wittert die Chance, dass im Zuge dieser Arbeiten gleich Erdkabel verlegt werden könnten.

Im Rathaus tritt man da aber auf die Euphoriebremse. Georg Wagenbauer, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach, sieht keine Chance, im Zuge dieser Arbeiten unterirdische Kabel zu verlegen. „Zu kurzfristig“, meint er. Es sei nämlich gar nicht so einfach, an dieser Stelle ein Rohr zu verlegen beziehungsweise unter dem Gleis durchzuschieben.

„Wenn es wirtschaftlich darstellbar gewesen wäre, hätte die Telekom das bereits bei der Breitbanderschließung unterirdisch verlegt“, beruft sich Wagenbauer auf eigene Erfahrungswerte beim Thema Breitband.

Immerhin: Die Telekom lässt den Alternativvorschlag prüfen

Dennoch lasse man diesen Vorschlag überprüfen. Man habe bereits Kontakt mit der Telekom aufgenommen. Wie Dr. Markus Jodl, zuständig für die Unternehmenskommunikation, berichtet, habe man bereits auf die Schadensfälle in der Vergangenheit reagiert: „Wir haben in diesem Jahr im Zuge der Instandsetzung 8-Meter-Masten setzen lassen, damit die Leitung höher über die Bahntrasse geführt werden kann.“

Nach der Mitteilung durch die VG Rohrbach zur Sanierung des Bahnübergangs sei die Telekom ebenfalls tätig geworden. „Wir prüfen derzeit, ob ein Umbau der Trasse im Zuge dieser Sanierung durchführbar ist.“ Das Betriebsteam versuche gerade, über die Gemeinde eine kurzfristige Zustimmung der Deutschen Bahn zu erhalten. „Leider ist das Zeitfenster sehr kurz. Ein reguläres Zustimmungsverfahren bei der Deutschen Bahn dauert mindestens sechs Monate.“

Oberirdische Trassenlegung ist Standard und billiger

Allzu große Hoffnungen weckt er also nicht. Zudem würde es sich nicht um eine Modernisierung handeln. „Die oberirdische Trassenlegung ist Standard; eine unterirdische Verlegung ist deutlich teurer.“ In diesem Fall sei eine Bahnquerung notwendig. Dafür müsste eine Druckleitung verlegt werden. „Eine solche Baumaßnahme kostet mehrere Zehntausend Euro.“

Die Bahn ist grundsätzlich offen

Die Bahn verschließt sich nicht gegen eine solche Maßnahme, wie eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen erklärt. „Grundsätzlich ist eine Kreuzung von Leitungen, ob Glasfaser oder andere Medien, möglich und gängige Praxis.“ Als Voraussetzung dafür nennt sie allerdings eine Kreuzungsvereinbarung. „Diese beinhalten die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die im Vorfeld, während der Planung und bei der Durchführung der Baumaßnahme einzuhalten sind.“

Die Einschränkungen auf den Zugverkehr seien abhängig vom angewandten Bauverfahren. Erfahrungsgemäß erfordert die Kreuzung von Glasfaserleitungen keine Einschränkungen des Zugbetriebs. Die Annahme, dass die DB einen Antrag auf Kreuzung abgelehnt habe, könne sie nicht bestätigen.

Bleibt also alles beim Alten?

Bleibt also alles beim Alten? Kreuzpointner macht sich jedenfalls weiterhin Sorgen, dass das Kabel wieder durchhängen könnte und vom Zug mitgerissen wird. „Und dafür zahle ich dann 55 Euro im Monat. Ob der Service nun zur Verfügung steht oder nicht. Und dann darf ich noch Datenvolumen am Handy nachkaufen, weil der Hotspot die Daten absaugt.“ Vielleicht stimmt ihn ja die Ankündigung des Telekom-Sprechers zuversichtlich: Wir bieten in diesem Bereich auch eine gute Mobilfunkversorgung an, die in den nächsten Monaten sogar noch erweitert wird.“

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