Erhalt von Brauchtum und Tradition
Von 0 auf 50 in Rekordzeit – Erhartinger Dirndl gründen ihren eigenen Verein
Erharting hat eine neue Vereinsattraktion: Seit Mai gibt es eine Dirndlschaft – und die wächst rasant. Fast 50 junge Frauen sind bereits dabei, Brauchtum, Gemeinschaft und Gaudi zu feiern. Vorsitzende Karin Manghofer lüftet im OVB-Gespräch das Geheimnis des Erfolgs.
Erharting – „Zu einer Burschenschaft gehört eine Dirndlschaft“, so einfach klingt die Erklärung, wenn Vorsitzende Karin Manghofer gefragt wird, wie die Idee zur Gründung einer Dirndlschaft entstanden ist. Erharting hat neben einer Burschenschaft eine solche Dirndlschaft seit Mai 2025.
Und die wächst und gedeiht. „Über 45 Mitglieder in zwei Monaten. Das geht grad alles ziemlich schnell“, kann es Manghofer selbst kaum glauben, wie hoch die Wellen schlagen, seit die Vereinsgründung über die Bühne gegangen ist. 20 Interessierte waren es bereits bei der Gründungsversammlung. Seitdem brechen die Anfragen und Beitritte nicht ab.
Zumal die Dirndlschaft nicht auf den Ort Erharting begrenzt ist. „Mühldorf, Reischach, Töging. Wir sind da ziemlich offen“, erklärt Schriftführerin Maja Sklaschus.
Dabei ist es nicht nur Mundpropaganda. Die Damen aus Erharting und Umgebung tun zurzeit alles, um bekannt zu werden, lassen kaum ein Fest aus, wo sie sich präsentieren können. Der erste gemeinsame Auftritt fand in Mettenheim statt. Maibaumaufstellen war da angesagt.
Sich kennenlernen, sich treffen, zusammenkommen
Eine typische Brauchtumsveranstaltung also. Und genau darauf legen die Damen jenseits und diesseits der Isen Wert. „Wir wollen bayerisches Brauchtum aufrechterhalten, und das in Verbindung mit der Tracht“, nennt Manghofer den Hauptgrund für die Gründung der Dirndlschaft. Sich kennenlernen, sich treffen, zusammenkommen – das alles war problematisch, nachdem sich die Landjugend aufgelöst hatte und die jungen Dirndln in der Isengemeinde plötzlich nicht wussten wohin.
Die Jungs, die hatten ja ihre Burschenschaft, eine Vereinigung, deren Wurzeln sich bis 1909 zurückverfolgen lassen. Vor knapp zehn Jahren wurde diese wiederbelebt, als Burschenverein lebt sie fort.
So etwas hat es bei den Dirndln nicht gegeben. Also haben sich die Damen gesagt. „Pack ma’s! Stellen wir doch was Eigenes auf die Beine!“ Dass eine Dirndlschaft funktionieren kann, dafür gibt es gute Beispiele aus der Umgebung: die Holzlander aus dem Pleiskirchener Raum und dann eine Gruppierung aus Winhöring. Gesagt, getan. Bereits während des Informationsabends im Frühjahr hatte sich bereits eine Vorstandschaft formiert.
Sieben Frauen haben die Vereinsgründung besiegelt
Sieben Frauen haben die Satzung des Vereins unterschrieben – und schon konnte es losgehen. Denn Manghofer und ihre Mitstreiterinnen hatten bereits ein klares Bild vor Augen, wie zum Beispiel die Vereinskleidung aussehen könnte. Einheitlich soll sie sein, die Tracht. Ein Dirndl, das sich an das Grau der Weste bei den Jungs anlehnt und sich auch an deren Blautönen orientiert. „Brauerei-Blau“, verbessert Manghofer gleich und zeigt damit die Verbundenheit der jungen Leute zu ihrer Brauerei im Ort.
Der Erhartinger Ritter, Logo der Brauerei, ziert sogar die linke Seite des Vereinshemds bei den Jungs. Mit der eigenen Tracht rechnen die Vorstandsmitglieder der Dirndl bis spätestens Frühjahr 2026. „Mit viel Glück aber vielleicht schon zum Mühldorfer Volksfest“, ergänzt Manghofer. Das Taferl als Erkennungszeichen ist ebenso schon in Arbeit. T-Shirts haben sie bereits verteilt.
Die Erhartinger Drindl sind schon fleißig unterwegs: hier die Zeltdisco bei den Stierberger Burschen, dort der Festzug zum Jubiläum der Marianischen Männerkongregation in Erharting. Mittendrin statt nur dabei. Und zwischendrin geht es mit dem Bus zum Pfingstrosensammeln. Manghofer und Sklaschus geben zu: Der Sommer hat es in sich. Für die jungen Damen, die im Alter zwischen 16 und 20 Jahren aufgenommen werden, gibt es kaum ein freies Wochenende. Die Feste wollen schließlich gefeiert werden, wie sie fallen.
Die Damen können auch fest anpacken
Dass die jungen Damen nicht nur feiern, sondern auch anpacken können, haben sie bei der Baumpflanz-Challenge bewiesen. Das neue Baugebiet ist jetzt um einen jungen Baum reicher. Auch eine Teilnahme beim Ferienprogramm der Gemeinde steht für die Damen außer Frage. Am 9. August steht Kochen, Backen und Basteln auf der Agenda.
Solche Aktionen begeistern auch den Erhartinger Bürgermeister Matthias Huber: „Mich freut’s natürlich, wenn sich was rührt in der Gemeinde!“ Und das tut es. Zum Beispiel am 2. August, wenn die Dirndln zum „Arschbackenrennats“ am Dornberg einladen. „Das hat die Landjugend schon mal gemacht. Die jungen Leute rutschen da auf einer Plastikfolie mit Wasser den Berg hinunter“, verrät Huber lachend.
Wiederbelebung des „Arschbackenrennats“
Gaudi steht hoch im Kurs. Und so gehen die Mitglieder der Dirndlschaft auch beim Sautrogrennen am 15. August am Erhartinger Bräuweiher an den Start. Nicht mit einem, nicht mit zwei, sondern gleich mit drei Teams. Na ja, bei inzwischen knapp 50 Mitgliedern ist das kein Problem. Aufnahmestopp? „Den gibt es nicht. Wir bleiben offen!“, sagt Manghofer. Wer in den Verein eintreten möchte, kann sich bei ihr melden (dirndlschaft-erharting@web.de).
