Motorsport in der Region
Action und Adrenalin: So gelingt der Einstieg in den Kartsport in Ampfing
Mit mehr als 130 Kilometern pro Stunde über die Rennstrecke düsen: Das ist auf der Ampfinger Kartbahn möglich. Was es dafür braucht und wie man in den Sport einsteigen kann.
Ampfing – Mit bis zu 133 Kilometern pro Stunde flitzen Sportler in ihren Karts durch enge Kurven und beschleunigen auf der Geraden. Oben, vom zweiten Stock eines weißen Turms, hat man sie im Blick, kann ihnen auf der gut ein Kilometer langen Rennstrecke mit den Augen folgen. „Die Karts würden noch schneller gehen, aber unsere Strecke ist dafür nicht ausgelegt”, erklärt Alex Maier, Vorsitzender des Kartclubs Ampfing. Hobby- und Rennfahrer trainieren hier gleichermaßen.
Vier- bis fünfmal im Jahr finden in Ampfing Rennen statt, die Bahn liegt in der ehemaligen Zimmermann-Kiesgrube. Dann sitzen hier oben Kommentatoren und Vereinsmitglieder und haben die Teilnehmer im Blick. Während die Motorengeräusche schon auf dem Weg zur Rennstrecke nicht zu überhören sind, sind sie im Turm gedämpft. Auch der Geruch nach Reifen und Benzin dringt hier nicht durch.
„Ein Stammtisch auf Rädern“
„In der heutigen Zeit ist der Sport etwas verpönt”, sagt Maier und meint damit den hohen Materialbedarf, der dem Umweltschutz nicht unbedingt zuträglich ist. E-Karts bezeichnet Maier dennoch als „Lachnummer”: „Das war vor zwei Jahren mal ein großes Thema, aber für die E-Karts lief abseits der Rennstrecke ein 24-Stunden-Dieselaggregat – ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich umweltschonender ist.” Außerdem sei die Entwicklung schlichtweg noch nicht weit und das Interesse im Motorsport nicht groß genug.
Wer regelmäßig in Ampfing seine Runden fährt, hat in der Regel ein eigenes Kart. Von Jung bis Alt ist unter den 60 Vereinsmitgliedern jede Altersgruppe vertreten. Max Wimmer fährt schon seit zehn Jahren hobbymäßig Kart. „Ein bisschen Adrenalin braucht man, wenn man älter wird, damit das Herz jung bleibt”, sagt er. Doch es geht ihm nicht nur um den Sport, hier trifft er auch Menschen, schraubt gemeinsam an den Fahrzeugen. „Es ist ein Stammtisch auf Rädern.”
Mit einem Leihkart in den Sport hineinschnuppern
Das sehen auch seine Kumpels Helmut Beck und Erich Huber so, die über ein Fahrzeug gebeugt die nächsten Handgriffe besprechen. Huber reist beinahe jeden Mittwoch 70 Kilometer nach Ampfing, um dem Kartsport nachzugehen. „Wenn es nur ums Fahren ginge, wäre die Hälfte gar nicht da”, sagt Maier.
Wer das Kartfahren einmal ausprobieren möchte, kann ein Leihkart mieten und damit die ersten Schritte wagen. „Die sind nicht so leistungsstark, da kommt man auf etwa 60 Kilometer pro Stunde”, erklärt Maier. Eine Mitgliedschaft im Verein ist ab acht Jahren möglich, die sogenannten Bambinis bringen auch schon bis zu 90 auf die Strecke.
Verletzungsgefahr halte sich in Grenzen
Um schnell und sicher unterwegs zu sein, braucht es vor allem eines: viel Fahrpraxis, am besten auf verschiedenen Strecken. „Das Schlimme sind die Fliehkräfte und der Druck auf die Rippen, bei meiner ersten Fahrt habe ich kaum Luft bekommen”, erinnert sich Maier. Auch die Reflexe müsse man trainieren, das ginge nicht im Fitnessstudio.
In einer Sache kann Maier Entwarnung geben: „Gegenüber Fußball ist die Verletzungsgefahr relativ gering”, sagt er. Am häufigsten kämen geprellte Rippen oder ein Rippenbruch vor. An einen größeren Unfall mit Hubschraubereinsatz kann er sich in den letzten zehn Jahren nicht erinnern. „Der Sport ist relativ sicher, die Karts stehen unheimlich schnell.”
Beträchtliches Budget notwendig
Auch eine gute Ausstattung trägt zur Sicherheit und zum Erfolg bei, kostet aber auch entsprechend. „Die meisten unterschätzen, dass Kartfahren schon mit Geld verbunden ist – viele glauben, sie zahlen 50 Euro im Jahr wie im Fußballverein, aber das funktioniert nicht”, betont Maier.
Wer sparsam unterwegs sei, könne mit 1000 Euro im Jahr zurechtkommen. Für einen Hobbyfahrer sind 5000 bis 7000 Euro jedoch durchaus realistisch. Wer auch Rennen fahren möchte, muss deutlich mehr hinlegen und startet in der kleinsten Liga mit Ausgaben von etwa 20.000 Euro jährlich. „Die richtig Guten fahren maximal eine Saison mit einem Kart oder eine halbe, manch einer sogar nur ein einziges Rennen”, erklärt er den hohen Materialbedarf.
Mehr als 10.000 Gäste jährlich
Unter allen Motorsportarten sei Kartfahren dennoch der günstigste. Die Möglichkeiten, eine Förderung oder Sponsoring zu bekommen, auch um in höhere Ligen aufzusteigen, seien jedoch sehr begrenzt. „Im Prinzip muss man schon etwas geleistet haben, um eine Chance auf Unterstützung zu bekommen”, kritisiert Maier. Die Fahrer trainieren in der Regel für sich. Wo es sich die Eltern leisten können, gehen die Kinder zumeist gleich in ein Rennteam an einem anderen Standort.
Doch auch die Ampfinger Rennstrecke ist beliebt, deutlich über 10.000 Gäste im Jahr drehen hier ihre Runden, wie Pächter Torsten Kostbade erzählt. „Trotzdem ist es eine Randsportart und leider kein Publikumsmanget”, sagt Maier.




