Adipositas-Hilfe in Mühldorf und Altötting
Die Kalorienmagneten: Wie fettleibige Menschen dank OP zurück ins Leben finden
Fettleibigkeit besiegen: Valentina Herauf und Adalbert Eder haben sich von hunderten Kilos befreit. So wollen sie jetzt anderen Betroffenen in der Region Altötting-Mühldorf helfen.
Mühldorf/Altötting – Adalbert Eder ist ein zaundürrer Lackel. Bis er mit 16 Jahren aus der Schule kommt und Metzger wird. „Da war ich im Paradies“, sagt er und meint das ständig verfügbare, oft fettige und schwere Essen. Es folgt der Jobwechsel, Eder wird Fernfahrer. „Das war nicht förderlich“, sagt er. Den ganzen Tag im Fahrersitz, keine Bewegung und abends zusammen mit den anderen: sitzen, essen, trinken, dann schlafen. „Mein Gewicht stieg und stieg.“ Irgendwann zeigt die Waage 167 Kilo, die Knie sind kaputt, er hat drei Bandscheibenvorfälle, Eder ist Diabetiker.
104 Kilo abgenommen
Das erzählt er – und lacht. Heute, gut zehn Jahre danach. Es fällt auf, wie offen und entspannt Eder von seiner Zeit als fettleibiger Mensch spricht, von den Beschwerden und Nachteilen, die das hohe Gewicht mit sich gebracht hat. Adipositas heißt die Krankheit, unter der der heute 70-Jährige Jahre lang gelitten hat. Dann nimmt er 104 Kilo ab, zaundürr ist er heute nicht, aber schlank. Probleme beim Gehen hat er trotzdem noch. Das künstliche Knie ist eben nicht so, wie das ursprüngliche.
Adipositas beginnt schleichend. Wer 1,65 Meter groß ist und mehr als 82 Kilo wiegt, gilt als fettleibig. Der dazugehörige Bodymass-Index zeigt dann 30 oder mehr. Der Körper stellt seinen Energiestoffwechsel um, „Betroffene nehmen selbst bei normalen Portionen zu, weil der Körper effizienter Kalorien aufnimmt und gleichzeitig weniger Energie verbraucht“. Das erklärt Professor Stefan Schopf, der Chefarzt leitet das Adipositaszentrums des „InnKlinkums“ in Mühldorf und Haag.
Normal essen und trotzdem zunehmen
Wenn dann die hormonellen Steuerungen für Hunger und Sättigung aus dem Gleichgewicht geraten, sitzen die Betroffenen in einer biologischen Falle, aus der sie alleine kaum wieder herauskommen. „Der Mensch wird zum Kalorienmagneten. Kaum jemand, der nicht selbst an Adipositas erkrankt ist, kann sich das vorstellen: Betroffene berichten über normale Portionen, bei denen sie schon zunehmen. Die Wissenschaft gibt Ihnen jetzt Recht“, betont Schopf die Wissenschaftlichkeit dieser Einschätzung.
Für Adalbert Eder ist es ein langer Weg, bis er erkennt, dass er etwas Besonderes tun muss; dass Diäten oder Bewegung alleine nicht ausreichen. „Und Diäten sind so lange gut, wie man dabei bleibt.“ Wie schwer das ist, wissen viele.
Kurzfristige Diät hilft oft nicht
Ernährungsexpertin Jutta Peters – auch sie arbeitet im Adipositaszentrum des „InnKlinikums“ – sagt: „Eine kurzfristige Diät lässt oft schnell die Pfunde schwinden, führt aber rasch wieder zur Gewichtszunahme.“ Auch das wissen viele.
Diät und Sport, das reicht nur bei normal gewichtigen Menschen, um ihr Gewicht zu halten oder abzunehmen. Das hat auch Valentina Herauf erlebt. „Ich habe bei Diäten alles probiert“, erzählt sie. Dass das allein nicht reicht, macht ein Blick auf die Ursachen klar: hormonelle Störungen, seelische Belastungen, Medikamente, schwere Krankheiten, Schlafmangel, Stress oder körperliche Einschränkungen lassen sich kaum weg hungern.
150 Kilo ist Valentina Herauf schwer, als sie sich für einen neuen Weg entscheidet, um die Fettleibigkeit loszuwerden. „Wenn nichts mehr hilft, bevor man in ein Loch fällt, sollte man sich helfen lassen.“
Die 57-Jährige kennt die Schattenseiten des Lebens als Dicke. Die Angst vor dem Weg in den dritten Stock, die Unmöglichkeit, sich die Schuhe zu binden, dass man „blöd angemacht wird“. Sie sagt: „Viele ziehen sich zurück, manche werden depressiv.“
Was also tun, wenn Disziplin und Bewegung, Ernährungsumstellung und Sport nicht zu einem verträglichen Gewicht führen?
Das letzte Mittel: eine Verkleinerung des Magens
Die Spezialisten im „InnKlinkum“ sprechen von Abnehmspritze und Magenbypass, Eder und Herauf entscheiden sich zu einer Operation: die Verkleinerung des Magens. Herauf lässt den Eingriff 2014 durchführen, Eder wählt den Weg schon ein Jahr früher. Eder rechnet vor: Wenn er früher 1700 Kalorien pro Mahlzeit zu sich genommen hat, so sind es heute noch 700. Herauf, die heute nur noch gut die Hälfte ihres früheren Gewichts auf die Waage bringt, erzählt: „Natürlich gibt es noch Leberkassemmeln. Aber dann ist man halt nur noch eine halbe, die andere Hälfte hebt man sich auf.“ Der Hunger ist kleiner geworden. „Ich habe mich gesund operieren lassen“, sagt sie.
Nach Jahre langem hin und her bezahlen heute Krankenkassen diesen Eingriff. Erst seit 2020 ist Adipositas auch in Deutschland eine anerkannte Krankheit, die WHO hat sie schon seit 2000 auf diese Liste genommen, die EU immerhin seit 2006. Entsprechend große Hindernisse haben Krankenkassen den Patienten bis zuletzt in den Weg gestellt, sagen Eder und Herauf.
Ihre Erfahrungen geben Eder und Herauf seit Jahren an andere Kranke weiter. Gemeinsam leiten sie die Adipositas-Selbsthilfegruppen „Kurvenreich“. In ihr kommen bis zu 40 Menschen einmal im Monat zusammen, um sich auszutauschen, zu stützen und Tipps für den Umgang mit der Krankheit zu geben. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Region, die Treffen finden in der Regel bei der AWO in Altötting statt. Denn auch nach einer Magen-OP gilt, was Adipositas-Arzt Schopf sagt: „Die Behandlung der Adipositas muss lebenslang stattfinden.“
Hilfe in der Selbsthilfegruppe und im Krankenhaus
Deshalb sind auch immer wieder die Fachleute des „InnKlinikums“ zu Gast, die übergewichtige Menschen beraten. Aber auch ein Schönheitschirurg, denn der Magenverkleinerung muss häufig die Straffung der großen Menge überschüssiger Haut folgen.
Informationen zur Selbsthilfegruppe gibt es bei Adalbert Eder unter 0151/55833917 oder per E-Mail unter bert1601@gmx.de, oder bei Valentina Herauf unter 0157/54711114 oder per E-Mail unter valentinaherauf@yahoo.de.
Das „InnKlinikum“ ist erreichbar über Elfie Kocher unter Elfie.Kocher-Siebert@innklinikum.de oder telefonisch unter 08631 /6134141




