„Öffentliche sexuelle Handlungen“
Heiße Szenen in der Sporthalle? - Glühende Debatte beim TV 1868 Burghausen um zwei Mitglieder
Beim TV 1868 Burghausen geht es aktuell heiß her, denn eine ehemalige Abteilungsleiterin und ihr Ehemann erheben gegen den Verein schwere Vorwürfe. Der Club weist diese jedoch entschieden zurück und erhebt selbst pikante Anschuldigungen.
Burghausen - Der Turnverein 1868 Burghausen wirkt auf den ersten Blick wie ein unscheinbarer Club, zählt mit über 2.500 Mitgliedern jedoch zu den größten der Region. Derzeit geht es allerdings vor allem hinter den Kulissen hoch her: Iris Bernstetter und ihr Ehemann Michael Moser erheben schwere Vorwürfe gegen den „Familien-Verein“ (Anm. d. Red.: über 800 Kinder sind Mitglieder). Der Grund? „Systematische Ausgrenzung und fehlende Kommunikation“, erklären beide im Gespräch mit Innsalzach24.
Bernstetter: „Immer mehr Ungereimtheiten“
Dabei fühlte sich Bernstetter bis Mai des vergangenen Jahres noch sehr wohl: „Ich war super integriert, habe nicht nur die Yoga-Sparte gegründet und aufgebaut, sondern auch im BJJ Trainingsstunden gehalten und mit Kindern gearbeitet. Trotz meiner Schwerbehinderung und meiner daraus resultierenden geringen Belastbarkeit habe ich gerne meine Energie ins Vereinsleben gesteckt.“ Dies habe sich dann jedoch schlagartig geändert. Wie der Verein später klarstellen wird, war wohl ein vereinsschädigendes Verhalten der Grund.
„Mein Verhältnis zu einer sehr wichtigen Führungskraft im Verein, mit der ich mich zuvor sehr gut verstanden hatte, wurde zunehmend oberflächlicher und es schlichen sich immer mehr Ungereimtheiten ein. Beispielsweise wurden WhatsApp-Nachrichten einfach gelöscht, ich wurde aus dem Kinder-Training rausgenommen und es wirkte so, als wäre ich nicht mehr gern gesehen“, erklärt die Burghauserin. Zudem sei sie auch ohne Absprache als Ju-Jutsu-Trainerin und Yoga-Abteilungsleiterin von der Website entfernt worden.
Neue Herausforderung beim SV Wacker Burghausen
Da sie aber ein „harmoniebedürftiger Mensch“ sei, habe Sie es lange Zeit mitgemacht: „Ich hielt zwar regulär meine Yogastunden, war aber nur noch selten im BJJ und habe mich mehr und mehr aus dem Vereinsleben zurückgezogen, vor allem bei derAbteilung Ju-Jutsu und BJJ. Bis ich irgendwann das Gefühl hatte, nicht mehr erwünscht zu sein - weshalb ich mich nach anderen Optionen umgesehen habe. Ihre Wahl fiel auf den SV Wacker Burghausen. Mit den Verantwortlichen führte sie ein durchweg positives Gespräch. Danach war klar: Ihre Zeit beim Turnverein neigt sich dem Ende zu.
Dies habe Sie dann auch so in der WhatsApp-Gruppe der Abteilung Yoga kommuniziert: „Ich wollte die Mitglieder bereits vorab darüber informieren“, sagt Bernstetter, die in ihrer Nachricht auch offen mitteilte, warum sie den Verein verlassen wolle und was ihr in den vergangenen Monaten widerfahren sei. „Trotzdem habe ich bewusst keine Namen genannt, da ich bis zum Jahresende eigentlich noch bleiben und die Abteilung dann sauber übergeben wollte.“ Zudem habe sie ergänzt, dass sie sich in Zukunft über „vertraute Gesichter“ beim SV Wacker freuen würde.
So reagiert der TV 1868 auf die Personalie Bernstetter
Ein Umstand, den Nicolas Jost, 1. Vorstand des Turnvereins, im Gespräch mit innsalzach24 kritisch sieht: „Für uns ist das Ganze natürlich weniger optimal, da wir es nicht einfach so akzeptieren können, wenn aktive Mitglieder versuchen, andere abzuwerben“. Doch es geht noch tiefer: Grundsätzlich sei Jost über die entstandene Dynamik sehr überrascht gewesen: „In erster Linie hätte ich mir gewünscht, dass die entsprechenden Parteien, die ein Problem haben, einfach miteinander sprechen, weil wir uns so einiges hätten ersparen können.“ Das „öffentliche Breittreten“ sei nicht im Sinne des Burghauser Vereines: „Wir wollen den Beiden auf gar keinen Fall etwas Schlechtes und gehen nur auf die Anschuldigungen ein. Wir sind in dieser Hinsicht aber sehr transparent und haben nichts zu verbergen.“
Bernstetter und Moser seien – nach ihrer Nachricht den Verein verlassen zu wollen – aus einer anderen Chatgruppe entfernt worden: „Das kam natürlich sehr überraschend, vor allem weil ich als einfaches Mitglied mit der ganzen Sache – außer dass ich Iris` Ehemann bin – nichts zu tun habe“, verrät Michael Moser. In der Folge wurde online so heftig diskutiert, dass beide Parteien – Jost und ein Mitarbeiter auf der einen sowie Bernstetter und Moser auf der anderen Seite – einen Gesprächstermin vereinbarten, um etwaige Differenzen aus dem Weg zu räumen.
„Öffentliche Ausübung sexueller Handlungen“
Doch dazu kam es nicht – im Gegenteil: „Wir hatten für das Gespräch eine Mappe mit verschiedenen Dokumenten vorbereitet, um sachlich in einen Dialog treten zu können. Leider konnten wir diese nicht mal vorzeigen, weil wir überrumpelt wurden und keine faire Chance bekommen haben, uns zu äußern.“ Stattdessen sei Bernstetter vorgeworfen worden, dass ihr Instagram-Profil Inhalte zeige, die man so „nicht mehr akzeptieren könne“ – und sie deswegen den Verein verlassen müsse.
Ein Schlag ins Gesicht: „Den Account gibt es seit über einem Jahr und zeigt ästhetische Teilaktfotos. Das war aber nie ein Problem“, so Moser, dessen Ehefrau ergänzt, dass es ein „Hobby“ und dementsprechend „Privatsache“ sei. Jost hingegen sehe „vereinsschädigendes Verhalten“ und die Grenzen des Privaten durch die „öffentliche Ausübung sexueller Handlungen, auf die der Verein von Schullehrern“ angesprochen wurde, bei weitem überschritten: „Was die Beiden privat machen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Wenn jedoch auf ihrem Instagram-Profil ein Link zu damals öffentlich zugänglichen pornographischen Seiten führt und darunter unser Logo zu sehen ist, ist der Bogen aus meiner Sicht überspannt. Es wurden auch Reels aufgenommen, auf welchen unser Kraftraum deutlich zu erkennen ist“, so der Vorstand. „Außerdem stehen wir für eine geschlechtergetrennte Nutzung von Umkleide-und Duscheinrichtungen, welche ebenfalls nicht eingehalten wurde.“
Letzte Wort noch nicht gesprochen
Des weiteren habe der Verein gegenüber seinen Mitarbeitern und Mitgliedern, allen voran den Kindern, eine „Fürsorgepflicht“, die auch streng eingehalten werden müsse. Es soll sogar so weitreichend gewesen sein, dass eine Schule die Zusammenarbeit mit Bernstetter verweigert haben soll: „Wir haben den Beiden nun ein Schreiben zukommen lassen, in dem wir sie über den Ausschluss und die Hintergründe informiert haben. Dies war ein einstimmiger Beschluss des Vorstands. Selbstverständlich können sie eine schriftliche Anhörung stellen. Trotzdem möchte ich ausdrücklich betonen, dass die Behauptungen, mein Mitarbeiter und ich hätten die beiden gezielt los werden wollen, unbegründet sind.“
Bernstetter und Moser weisen den Vorwurf der „öffentlichen sexuellen Handlungen“ entschieden zurück und betonen erneut, dass es sich um eine „rein private und eigenbestimmte Freizeitbeschäftigung“ handle. Zudem sei aus ihrer Sicht nie eine Verknüpfung zum Turnverein hergestellt worden. Das Ganze wollen sie aber so nicht auf sich sitzen lassen: „Wir werden natürlich darauf antworten und die Anschuldigungen nicht unkommentiert lassen. Diese entbehren jeglicher rechtlicher Grundlage. Zudem wurden uns zu den schwerwiegenden Vorwürfen der Gefährdung von Kindern und Jugendlichen noch immer keine Beweise vorgelegt. Deswegen werde ich rechtliche Schritte einleiten“, bestätigt Moser. Das letzte Wort sei noch lange nicht gesprochen. (gz)