Stadtarchivarin Eva Gilch beleuchtet bewegte Geschichte
Burghausen – Vom Herzogssitz zur Industriestadt: 1000 Jahre Geschichte mit Höhen und Tiefen
Burghausens Historie reicht über 1000 Jahre zurück. Die Stadtarchivarin und ehemalige Leiterin des Stadtmuseums, Eva Gilch, ließ im Bürgerhaus die Epochen lebendig werden.
Burghausen – Laut Kunsthistorikerin Dr. Barbara Weis hat die Stadtarchivarin Eva Gilch, die bis Ende Juni 21 Jahre lang auch das Stadtmuseum Burghausen leitete und am 7. Juli die guten und schlechten Zeiten Burghausens beleuchtete, ein Fundament von Burghausen geschaffen. „Eine Gilch schafft es einfach, mehr Leute anzuziehen als ein Herr Hans Steindl“, sagte Weis und bezog sich damit auf eine Veranstaltung der Volkshochschule Burghausen am 7. Juli, bei der Eva Gilch die Burghausens Stadtgeschichte von 1025 bis heute im Bürgerhaus präsentierte.
Die Anfänge Burchusuns
Zwar gab es schon vor 1025 Hinweise auf eine Siedlung, wirklich auf einem geschichtlich gesicherten Terrain hinsichtlich der Existenz Burghausens bewege man sich nach Eva Gilch erst ab dem Jahr 1025. Zu diesem Zeitpunkt wurde Burghausen als „Burchusun“ nämlich erstmals schriftlich im Testament der Kaiserinwitwe Kunigunde genannt, die darin die Siedlung Burghausen dem Erzbischof von Salzburg vererben wollte. „Die Geburtsurkunde ist ein Chirograph“, sagte Eva Gilch. Das bedeutet, dass in mehrfacher Ausfertigung der Inhalt auf ein Pergament geschrieben wurde und das Zusammenfügen beider Teile als Beweis für die Echtheit dieser anerkannt wurde.
„Die Ausfertigung der Kunigunde ist im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen“, stellte Eva Gilch fest. „Rechtlich gesehen stellte der Vertrag keinen fairen dar“, sagte sie weiter. Während nach dem Tauschvertrag Erzbischof von Salzburg Gebiete wie Burghausen auf Lebenszeit erhalten hätte, wären die vertraglich der Kunigunde zustehenden Bauernhöfe nach ihrem Tod wieder an den Erzbischof von Salzburg zurückgefallen. Schlussendlich lehnte der Kaiser Konrad II. den Vertrag aber ab, sodass Burghausen also bayerisch blieb.
Burghausen wird eine Herzogstadt
Burghausen wurde schließlich zur Nebenresidenz der niederbayerischen Wittelsbacher. Im 14. Jahrhundert erreichte die Burganlage ihre komplette Länge – das Grenzbollwerk zu Salzburg-Tittmoning. Mit dem Jahr 1346 begannen die besonders guten Zeiten für Burghausen. Denn nach dem zu diesem Zeitpunkt erlassenen Salzprivileg durfte das aus Hallein stammende Salz ausschließlich auf dem Wasserweg über die Salzach nach Bayern transportiert werden. Eine Umladung des Salzes konnte frühestens in Burghausen erfolgen. Die Zolleinnahmen verhalfen der Stadt zu großem Reichtum.
Da der mit Hedwig verheiratete Georg von Bayern-Landshut Ruprecht von der Pfalz anstatt die oberbayerischen Erbberechtigten zum Erben einsetzte, entbrannte der Erbfolgekrieg. Dieser endete mit der Wiedervereinigung unter den oberbayerischen Herzögen. München wurde so Residenzort. Sodann wurde Burghausen zur Hauptstadt. Verwaltungsaufgaben wurden im Rentamt in Burghausen erledigt, weshalb ein nicht unbedeutender Teil der Bevölkerung die Beamten mitsamt ihrer Familie ausmachten.
Doch dann rutschte Burghausen in die Krise: das Rentamt wurde aufgelöst und der Titel „Hauptstadt“ wurde der Stadt aberkannt. Zudem wurde Burghausen gebeutelt durch Überschwemmungen und einem großen Stadtbrand. Auch wirtschaftlich ging es bergab. Grund dafür war die Verstaatlichung des Salzhandelts seitens des Herzogs Wilhelm V.. Damit wurde Burghausen zu einer verarmten Kleinstadt.
Burghausen als erfolgreiche Industriestadt
1914 gründete Alexander Wacker die Wackergesellschaft für elektrochemische Industrie AG. „Wacker wurde im Staatsforst erbaut“, sagte Eva Gilch. Damit gehörte die Wacker Chemie ursprünglich nicht zu Burghausen. 1918 wurde aber das Wacker Chemie-Gelände eingemeindet. Die hauptsächlich aus Augsburg und Nürnberg stammenden Fabrikarbeiter brauchten aber Wohnungen vor Ort. Daher sei nach Eva Gilch ein Architekturwettbewerb ausgerufen worden, dessen Gewinner den Generalbaulinienplan 1921 aufstellten. „Die Bebauung in den Folgejahren hielt sich aber nicht an diesen Plan“, betonte Eva Gilch.
Während des Zweiten Weltkriegs mussten aufgrund der ideologischen Entwicklung in Deutschland die Familie Galitzenstein flüchten, an dessen Schicksal die Stolpersteine im Botanischen Garten erinnern. Daneben stehen Tafeln in Gedenken an mutige Wackermitarbeiter, die im Rahmen der Freiheitsaktion Bayern kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs SS-Anhänger im Werk entwaffneten und damit ihr Leben bezahlen mussten. 1945 hätte es aber auch durch die Errichtung einer „Toten Zone“ in 500 Meter bzw. 5000 Meter von der deutsch-österreichischen Grenze mit Burghausen fast vorbei sein können.
Ziel sei dabei die bessere Überwachung der Grenze gewesen. Dazu hätte man die Evakuierung unter anderem der Burghauser Einwohner in Kauf genommen, was allerdings verhindert werden konnte. Schließlich wurde 1967 die transalpine Ölleitung mit einer Abzweigung nach Burghausen ausgebaut, um die Industrie mit Rohöl zu versorgen. Zudem ließ sich die Deutsche Marathon Petroleum GmbH – heute die OMV – in Burghausen nieder, was einen „Marathon-Eingemeindungskrieg“ nach sich zog. Um die Eingemeindung des Marathongeländes hatten sich nämlich neben der sich schlussendlich durchsetzenden Stadt Burghausen unter anderem auch Piesing und Mehring beworben. Damit hat die Stadt Burghausen Höhen, aber auch einige Tiefen im Verlauf der Geschichte erlebt.
von Iris Rogger