„Wir denken an die Zukunft“
Diskussion um Windpark: IG „Unser Wald“ sagt Nein zum Projekt – aber Ja zur Energiewende
Der geplante Windpark im Altöttinger Staatsforst sorgt für ordentlich Zündstoff. Die IG „Unser Wald“ stellt sich entschieden dagegen – und spricht sich dennoch für erneuerbare Energien aus.
Landkreis Altötting – Im Staatsforst Altötting soll ein Windpark mit 27 Windrädern entstehen, um die Stromversorgung im Landkreis weiter ausbauen zu können. Während viele Bürger diesen Plan für gutheißen, gibt es auch Gegner, die vor allem den damit verbundenen Umgang mit dem Trinkwasser, dem Wald und der Ökologie stark kritisieren. Kein Wunder also, dass sich bereits einige Initiativen gegründet haben.
IG „Unser Wald“ und ihre Schwerpunkte
„Gegenwind hat damals die Lawine losgetreten, dass die Informationen zum geplanten Windprojekt auch den Bürgern bekannt wurden“, erklärt Brunhilde Husmann, Sprecherin der IG „Unser Wald“ im Gespräch mit innsalzach24.de. „Daraus haben sich im Lauf der Zeit mehrere Gruppierungen gebildet, die ihren Fokus jeweils auf unterschiedliche Schwerpunkte legen. So haben auch wir uns zusammengefunden.“
„Unser Schwerpunkt ist dabei die Wirtschaftlichkeitsberechnung zum Schwachwindgebiet Altötting. Die Kommunalpolitiker der betroffenen Gemeinden hatten kein großes Interesse, die Bürger hier mit einzubeziehen. Vielmehr versuchte man die Angelegenheit zu bagatellisieren und damit die öffentliche Diskussion kleinzuhalten“, so Husmann weiter. Die IG „Unser Wald“ pflege eine eigene Website und diskutiere in einer privaten Facebook-Gruppe mit gut 60 Teilnehmern über aktuelle politische Meldungen zur Thematik „Erneuerbare Energien“ und informiere zeitnah über aktuelle Entscheidungen zum Windkraftprojekt in Altötting.
„Fordern sofortigen Planungsstop“
Dabei soll bald eine Dachorganisation gegründet werden: „Wir haben uns mit der BürgerInteressen-Gemeinschaft Haiming, den Neuöttinger&Alzgerner Waldfreunden und der IG Mehring zusammengetan, um Stellungnahmen an höhere politische Ebenen zu adressieren oder Informationen an große überregionale Medienträger zu publizieren“, verrät Husmann, die unter anderem mit dem Bundeswirtschaftsministerium im Austausch steht, und fügt an. „Trotzdem hat jede Initiative noch ihre eigenen Ansichten und Themen, die sie für sich präferieren.“
Doch welche Standpunkte vertritt die IG „Unser Wald“? „Wir fordern einen sofortigen Planungsstopp des Projektes und eine fundierte Neubewertung hinsichtlich der PFOA-Gefahren für unser Trink- und Grundwasser. Zudem sind aus unserer Sicht politische Konsequenzen für das nachlässige Bewerten der aktuellen Sachlage unabdingbar. Stichwort Prüfung von Alternativflächen – die sind hier für den Bannwald gar nicht bewertet worden. Die Folgen für Umwelt und Natur werden gänzlich außer Acht gelassen.“
Große Problematik beim Trinkwasser?
Diese seien nämlich dramatisch: „Erst vor kurzem konnten wir bei einem Besuch beim Wasserwirtschaftsamt in Traunstein die geplanten Trinkwasserschutzzonen besprechen. Unsere Sorgen hinsichtlich des Trinkwassers wurden hier bestätigt. Wir sind eines der letzten und größten Trinkwasser-Schutzgebiete und keine Quelle hält ewig. Aber wo soll beispielsweise ein neuer Brunnen gebohrt werden, wenn Windräder die Freiflächen im Schutzgebiet verstellen?“
Und was sagt das Wasserwirtschaftsamt selbst? „Wir können bestätigen, dass wir die genannte Person, Frau Brunhilde Husmann, in einem Termin bei uns vor Ort zum Thema Zoneneinteilung im Wasserschutzgebiet Öttinger Forst informiert haben. Im Zuge des Termins wurde auch über Belange des Boden- und Grundwasserschutzes diskutiert. Allerdings können wir nicht pauschal bestätigen, dass das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sämtliche Sorgen der Gruppe nachvollziehen kann“, erklärt Ilsabe Weinfurtner, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage von innsalzach24.de.
„Uns fehlt der Masterplan“
„Als Fachbehörde hat das Wasserwirtschaftsamt Traunstein bereits im Zuge der Regionalplanung zur Ausplanung von Vorranggebieten Windenergie in der Region 18 (Südostoberbayern) die wasserwirtschaftlichen Belange wie Grund-, Boden- und Trinkwasserschutz eingebracht“, so Weinfurtner weiter und fügt an. „Auch im anstehenden Genehmigungsverfahren für den Windpark nach Bundes-Immissionsschutzgesetz werden wir uns für das Wasser einsetzen und die wasserwirtschaftlichen Belange einbringen.“
Für die IG „Unser Wald“ sei zudem eine „Dauerbelastung des Waldes“ bei möglichen Aufbauarbeiten gefährlich für alle: „Uns fehlt einfach der Masterplan für die Energiewende. Das Ganze wirkt völlig plan- und sinnlos, wobei wir nun erleichtert sind, dass Bundeswirtschaftsministerin Reiche einen Realitätscheck angeordnet hat. Wir sind zuversichtlich, dass dies für Altötting die entscheidende Wende sein wird“, zeigt sich Husmann, die sich und ihre Initiative auf einem guten Weg sieht, positiv gestimmt. „Die Firma Wacker lehnt beispielsweise eine direkte Anbindung ab, wodurch keine Versorgungssicherheit gegeben sei und der Strompreis nicht wettbewerbsfähig wäre.“ Der Industrie ginge es nur um den Erwerb von CO2-Zertifikaten.
Unternehmen Wacker: „Brauchen Ausbau erneuerbarer Energien“
Doch wie steht das Unternehmen Wacker dazu? „Für uns gilt unverändert: Eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft des Bayerischen Chemiedreiecks ist untrennbar mit der Transformation der hiesigen Industriestandorte hin zur Klimaneutralität verknüpft. Das ist ein gemeinsamer Kraftakt und setzt vor allem eine deutlich stärkere Elektrifizierung voraus. Mehr Elektrifizierung bedeutet mehr Strom – grüner Strom“, erklärt Christoph Kleiner, Leiter Standortkommunikation, auf Anfrage von innsalzach24.de.
„Wir brauchen also einen Ausbau an erneuerbaren Energien und in Bayern insbesondere der Windenergie. Eine standortnahe Stromproduktion bringt dabei den großen Vorteil mit sich, dass die entsprechenden Strommengen nicht erst über weite Strecken transportiert werden müssen – unabhängig davon, ob es eine direkte oder nur indirekte Anbindung an die Windkraftanlagen gibt.“
Nein zur Windkraft - Ja zur Energiewende
Die Argumente der Befürworter kann die IG „Unser Wald“ nicht nachvollziehen: „Die Menschen, die weiterhin für den Windpark stimmen, sind meist persönlich stark abhängig von der Chemie und fürchten um ihre Existenz. Das ist für uns allerdings zu kurzsichtig gedacht. Wir denken an die Zukunft unserer Generationen und kämpfen darum, dass der Wald als Trinkwasserschutzgebiet und auch als Erholungsgebiet erhalten bleibt. Schließlich ist der Staatsforst der drittgrößte zusammenhängende Wald in Bayern.“
Zum Abschluss sei aber noch eine Sache wichtig: „Nur weil wir gegen das geplante Windprojekt im Forst- und Bannwald sind, heißt das nicht, dass wir gegen erneuerbare Energien sind. Im Gegenteil. Wir unterstützen eine umfänglich geplante Energieversorgung unter Bewahrung und Schutz der Natur und Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. Die von der neuen Bundesregierung angestrebte Lösung, fossile Stromerzeugung in der Kombination mit regenerativen Energiequellen befürworten wir sehr.“ (gz)