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Umstrittener Windpark im Landkreis Altötting

Greenpeace ist gegen zwei Windvorranggebiete: Umweltorganisation warnt vor Gefahren

Das Dorf Schützing (Mitte oben) wird von Windvorranggebieten (rot) im Staatsforst umringt – trotz Trinkwasserschutzgebieten (blau).
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Das Dorf Schützing (Mitte oben) wird von Windvorranggebieten (rot) im Staatsforst umringt – trotz Trinkwasserschutzgebieten (blau).

Eigentlich sind sie für die Windkraft – doch jetzt ist auch Greenpeace gegen zwei Windvorranggebiete im Landkreis Altötting. Im Ort Schützing kommt die Kritik gut an.

Marktl / Schützing – Ausgerechnet Greenpeace schlägt nun Alarm gegen zwei Windvorranggebiete im Landkreis Altötting. Die Umweltorganisation, die sich seit Jahrzehnten vehement für den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzt, stellt sich in einer aktuellen Stellungnahme überraschend klar gegen die Vorranggebiete W28 und W29 – von denen auch das Dorf Schützing im Gemeindegebiet von Marktl betroffen ist.

Der Ort mitten im Staatsforst steht seit Monaten im Zentrum der Debatte steht, weil ein mühsam ausgearbeiteter Kompromiss um einen Windradstandort plötzlich gekippt worden war. Trotz intensiver Gespräche mit dem Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), plante der Windpark-Projektierer Qair den Standort eines Windrades näher an der Wohnbebauung. Begründet wurde dies mit dem sogenannten „Höhenkirchner Urteil“ – der Trinkwasserschutz spielte eine entscheidende Rolle.

Greenpeace lehnt Gebiet W28 vollständig ab

Auch Greenpeace begründet die Kritik an W28 und W29 nun damit, dass sie überwiegend in Trinkwasserschutzgebieten lägen. Sprecherin Vera Baumert schrieb: „Greenpeace lehnt das Gebiet W28 daher vollständig ab. Im Gebiet W29 wären nach unseren Kriterien lediglich rund 24 von den von vorgeschlagenen 465 ha beplanbar.“ Bei W28 handelt es sich um ein Gebiet, das Emmerting und Neuötting zughört, W29 den Kommunen Altötting, Burgkirchen, Emmerting und Kastl.

Die Umweltorganisation schreibt: „Greenpeace befürwortet einen zügigen Ausbau der Windkraft in Bayern. Windkraftanlagen im Wald sind jedoch nur in Ausnahmefällen vertretbar, da Wälder wichtige Funktionen für Artenvielfalt, Klimaschutz und Trinkwasserschutz erfüllen, die durch den Bau der Anlagen empfindlich gestört werden können. Vorrangig sollten daher naturferne, bereits vorbelastete Flächen als Windvorranggebiete ausgewiesen werden – etwa entlang von Autobahnen, Bahntrassen oder im Umfeld von Industriegebieten.“

Greenpeace lehnt das Windvorranggebiet W28 komplett ab.

Schützinger fühlen sich in Kritik bestätigt

Die Reaktion aus Schützing ließ nicht lange auf sich warten. Dort fühlt man sich nicht nur in der Kritik bestätigt, sondern sieht die Argumente von offizieller Seite gestützt. „Die Einschätzung von Greenpeace ist zu 100 Prozent deckungsgleich mit den Befürchtungen eines Großteils der Schützinger“, heißt es in einer Stellungnahme von zwei Sprechern aus Schützing, Andrea Hecht und Walter Mayerhofer. Besonders betont wird die Tatsache, dass ausgerechnet Greenpeace – eigentlich ein Antreiber der Energiewende – in diesem Fall von einem Ausbau der Windkraft abrät. Das müsse den Entscheidungsträgern zu denken geben.

Ein zentraler Kritikpunkt der Anwohner: Alle vorgesehenen Windradstandorte liegen ausschließlich in sensiblen Waldflächen. Diese grenzen direkt an Schutzgebiete wie das FFH-Gebiet und das Natura-2000-Gebiet an – ein Zustand, den die Schützinger nicht hinnehmen wollen. „Es gab kein einziges Windrad außerhalb dieser sensiblen Waldflächen als Alternative“, so die Sprecher. Dabei sei gerade der betroffene Bannwald mit seinem besonderen Schutzstatus für den ökologischen Ausgleich in der Region von hoher Bedeutung. Auch das PFOA-Problem, das sich durch das geplante Vorranggebiet im Wasserschutzbereich 3 verschärfen könnte, bereitet Sorgen.

Im Vorranggebeit W29 hält Greenpeace nur einen Teil der Fläche für beplanbar.

Sorge um Gesundheit und Lebensqualität

„Letztlich kommt noch die überdimensionale Belastung der Schützinger mit mindestens 27 Windrädern und Entfernung von minimal 1000 m zum Tragen“, so die Sprecher der Ortschaft. Es gebe keine Gutachten über die gesundheitlichen Auswirkungen sogenannter Augenaufmerksamkeitsfallen – also „sich drehende naturfremde Objekte“. „Von Lärmzuwachs und eventuell ausgelösten Blinklichtern in der Nacht ist noch gar nicht die Rede.“

„Es ist auch die Herangehensweise bedenklich, dass in einem Schwachwindgebiet nicht erst mit ein paar Windrädern begonnen wird, um die Rentabilität zu prüfen“, so die Sprecher. „Denn eines sollte uns allen im Landkreis klar sein, die Subventionen für Windkraftanlagen zahlt letztlich der Steuerzahler.“ Investitionen, die sich nur durch Subventionen oder Abschaltung von PV-Anlagen zugunsten Windkraftanlagen auszahlen würden, sollten den Schützingern zufolge mit großer Vorsicht entschieden werden. Immerhin werde dem Staatswald Schaden zugefügt: durch Verdichtung der Flächen, Betonfundamente und das Risiko von Sturmschäden durch die Öffnung des Waldes.

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