Neue Pläne zur 380-kV-Leitung stoßen auf Widerstand
„Unzumutbare Belastung“: Marktl wehrt sich gegen neue Pläne für Monster-Trasse
Bürgermeister Benedikt Dittmann sieht die Kommune Marktl durch Pläne für eine 380-kV-Leitung durch das Gemeindegebiet überlastet. Er kündigte nun Widerstand gegen die Trassenplanung des Netzbetreibers TenneT an.
Marktl – Aktuelle Pläne des Netzbetreibers TenneT für den Verlauf der Energiewende-Leitung ChemDelta sorgen in Marktl für Unverständnis. Bürgermeister Benedikt Dittmann (CSU) wendete sich nun entschieden gegen Überlegungen, eine 380-kV-Leitung durch das Gemeindegebiet zu führen, und kündigte konsequenten Widerstand an. „Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen und politischen Mittel nutzen, um unsere Heimat vor dieser unzumutbaren Belastung zu schützen“, schrieb Dittmann in einem Brief an TenneT. Marktl sei durch bestehende und geplante Infrastrukturprojekte bereits jetzt überproportional belastet – eine weitere Hochspannungsleitung sei jetzt schlicht und ergreifend nicht mehr hinnehmbar.
„Unzumutbare Belastung“ für Landschaft und Bürger
Auch in der Nachbargemeinde Haiming sorgten die Pläne für den Bau der Energiewende-Leitung bereits für Widerstand. Auf dem Gebiet dieser Kommune soll neben den Masten und den neuen Leitungen auch ein Umspannwerk auf 27 Hektar Grund gebaut werden. Außerdem werden eine Monodeponie für PFOA-verunreinigten Bodenaushub, ein neues Gaskraftwerk sowie sieben Windräder entstehen. Dass für all diese Vorhaben große Flächen Bannwald gerodet werden müssen, stößt inzwischen nicht mehr nur Windkraftgegnern übel auf. Auch der Marktler Bürgermeister führt an, dass durch die Masten und das Umspannwerk 30 bis 40 Hektar Wald gerodet werden müssten und kritisiert, dass dies erneut ohne einen intensiven Beteiligungsprozess mit betroffenen Kommunen und Bürgern geplant werde.
„Bereits heute ist unser Gemeindegebiet durch zahlreiche 220-kV-Leitungen, die Bundesautobahn A94, die Bundesstraße B12, die Bundesstraße B20 und die nicht elektrifizierte Bahntrasse Mühldorf-Simbach erheblich vorbelastet“, so Dittmann. Zusätzlich werde ein Windpark mit bis zu etwa 200 Meter Nabenhöhe und die bereits im Verfahren befindliche Leitung Pirach-Pleinting – ebenfalls eine 380kV Trasse – geplant. „Eine weitere, weithin sichtbare Hochspannungsleitung würde eine inakzeptable zusätzliche Belastung für unsere Landschaft, unsere Umwelt und die Lebensqualität der Marktler darstellen“, schreibt der Bürgermeister. „Die damit einhergehenden neuerlichen tiefgreifenden Eingriffe in Natur und Landschaft, die mögliche Wertminderung von Grundstücken sowie die optische Dominanz einer solchen Trasse sind für uns nicht hinnehmbar.“
Es müsse also zwingend eine alternative Trassenführung gefunden werden, von der Marktl nicht betroffen sei, so Dittmann. Am besten eine mit weniger flächenintensiven Umspannwerken und zum Wohle des Wohnumfeldschutzes und des Bannwalds. Der Bürgermeister betonte, weiterhin für einen konstruktiven Dialog bereitzustehen. Aus Sicht der Marktvertretung lägen jedoch „eine Erdverkabelung in sensiblen Bereichen auf anderen Trassenkorridoren und eine Bündelung mit bestehender Infrastruktur“ auf der Hand und „sollten entsprechend umgesetzt werden.“
TenneT untersucht mehrere Trassenvarianten
Maximilian Brauer, der TenneT-Referent für Bürgerbeteiligung und Projektkommunikation, erläuterte auf Anfrage von innsalzach24.de, dass die neue 380-kV-Leitung zwei neue Umspannwerke „mit noch festzulegenden Standorten im Raum Simbach und im Raum Burghausen“ miteinander verbinden werde. „Da die Standorte der beiden neu zu errichtenden Umspannwerke derzeit noch nicht feststehen, ist es in der derzeitigen Planungsphase erforderlich, alle technisch und raumstrukturell sinnvollen Verbindungen zwischen allen möglichen Umspannwerkstandorten in den Blick zu nehmen“, so Brauer. Daraus ergäben sich insgesamt neun Varianten an Trassenkorridoren, die gegenwärtig im Vorfeld der Raumverträglichkeitsprüfung (RVP) fachlich bewertet und untersucht würden.
Bei einer Antragskonferenz im Mai 2025 seien diese Trassenvarianten erstmals vorgestellt worden – und auch Marktl sei hier beteiligt gewesen. Das Ziel der Konferenz war es, „frühzeitig die Anforderungen und Inhalte an die zu erstellenden Verfahrensunterlagen mit den zuständigen Behörden und am späteren Verfahren beteiligten Fachbereichen abzustimmen“, so Brauer. So könnten bereits im Vorfeld kommunale Interessen eingebunden werden. „Die gezeigten Trassenkorridore stellen daher eine Arbeitsgrundlage für den fachlichen Austausch über die zu erstellenden Verfahrensunterlagen dar, die nicht belastbar bzw. final sind“, schreibt der TenneT-Referent.
Infoveranstaltung Mitte Oktober geplant
Diese Arbeitsgrundlage basiere auf „einer Vielzahl technischer, umweltfachlicher und raumplanerischer Kriterien und wurde in einem großräumigen Suchraum entwickelt.“ Brauer unterstrich, dass der Verlauf der Trassen sich „in Vorbereitung der Raumverträglichkeitsunterlagen groß- oder kleinräumig verändern, entfallen oder neue Varianten hinzukommen können“. Ebenso bestehe aber die Möglichkeit, dass sich keine weiteren Änderungen ergäben. „Nachdem dies absehbar wird, kommunizieren wir unsererseits unmittelbar und binden die Öffentlichkeit ein. Wir planen gegenwärtig mit Infoveranstaltungen Mitte Oktober 2025“, so Brauer.
Als nächster Schritte stehe Ende 2025 die Einreichung der Unterlagen zur Raumverträglichkeitsprüfung (RVP) bei der Regierung von Oberbayern an. Die RVP dient der Prüfung, ob das geplante Vorhaben, bzw. die eingebrachten Trassenkorridore mit den Erfordernissen der Raumordnung vereinbar ist. Auf Grundlage der Ergebnisse des RVP, die 2026 erwartet werden, und in Verbindung zur Festlegung der Standorte für die Umspannwerke, soll dann die Auswahl eines Korridors für die 380-kV Leitung erfolgen. „Innerhalb dieses Korridors wird anschließend der konkrete Leitungsverlauf detailliert geplant und in einem Planfeststellungsverfahren geprüft,“ so der TenneT-Referent.
Umspannwerk im Bannwald priorisiert
„Eine Standortentscheidung für die beiden neu zu errichtenden Umspannwerke im Raum Simbach und im Raum Burghausen werden wir voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 treffen können.“ Ein Standort im Daxenthaler Forst bei Haiming werde – wie auf den Infomärkten 2024 vorgestellt – weiterhin priorisiert. Die Realisierung des Umspannwerks im Bannwald sei aber mit hohen rechtlichen Hürden verbunden. „Daher stehen wir im engen und regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Behörden sowie den umliegenden Gemeinden, insbesondere der Gemeinde Haiming“, so der TenneT-Sprecher.
„Bis zur endgültigen Klärung der Frage, ob und wie der Standort im Bannwald umgesetzt werden kann, müssen wir die zweite Standortvariante näher an der Wohnbesiedlung Haimings weiter mitdenken. Nach derzeitigem Stand ist geplant, beide Standorte in der anstehende RVP auf raumordnerische Eignung hin untersuchen zu lassen.“ Für beide Umspannwerke sind separate Genehmigungsverfahren nach aktuellem Stand nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) – vorgesehen.