Uns interessiert ihre Meinung
„Bundeswehr braucht die Wehrpflicht“: Deutsche Verteidigungspolitik am Scheideweg?
Im Bundestag wird hitzig diskutiert: Während die einen am Freiwilligendienst festhalten wollen, fordern andere die schnelle Rückkehr zur Wehrpflicht. Doch was steckt wirklich dahinter?
Altötting - „Das neue Wehrdienstgesetz ist ein Anfang“, erklärt Prof. Dr. Patrick Sensburg, Präsident des deutschen Reservistenverbandes, auf Anfrage von innsalzach24.de. Im August dieses Jahres wurde nämlich von der Bundesregierung ein neues Gesetz beschlossen, auf dessen Grundlage jährlich 80.000 neue Streitkräfte für die Bundeswehr gewonnen werden sollen.
Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland?
Dabei beruhe das Ganze allerdings auf Freiwilligkeit: „Es geht aus Sicht des Reservistenverbandes jedoch nicht weit genug: Die Bundeswehr braucht die Wehrpflicht, um eine glaubwürdige Abschreckung aufbauen zu können“, fährt der 54-Jährige fort und fügt an. „Bisher fehlt es an Kapazitäten, um Wehrdienstleistende in großer Zahl entsprechend auszubilden, auszustatten und unterzubringen.“
Durch eine verpflichtende Einführung sei dieses Problem allerdings schnell gelöst: „Bei einer Entscheidung für die Wehrpflicht würden auch diese Kapazitäten schnellstmöglich hochgefahren gefahren werden. Das kostet zwar Zeit und Geld - kann aber kein Grund sein, es nicht zu tun. Wenn wir jetzt wieder aufzählen, was alles nicht geht, dann kommen wir nicht weiter mit der Verteidigungsfähigkeit unserer Streitkräfte.“
„Fällt uns nun auf die Füße“
Die Fehler seien in der Vergangenheit passiert: „Wir haben unsere Verteidigungspolitik und damit auch die Bundeswehr in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Das fällt uns nun auf die Füße. Wir nicht nur die Kasernen, sondern ebenfalls die Struktur der Kreiswehrersatzämter, die damals nach der Aussetzung der Wehrpflicht wegrationalisiert wurden, neu aufbauen. Zudem gehört eine Menge Material beschafft.“
Für Sensburg, der auch als Jurist und Professor an der Hochschule für Polizei tätig ist, bewirke ein Freiwilligendienst zu wenig: „Die Bundeswehr braucht nach Einschätzung des Reservistenverbandes knapp 300.000 bis 350.000 aktive Soldatinnen und Soldaten, um wirklich verteidigungsfähig zu werden.“ Doch nicht nur das: „Für die Durchhaltefähigkeit benötigen wir zudem rund drei Mal so viele Reservistinnen und Reservisten, also fast eine Million.“
Welche Meinung vertreten Sie?
Es führe also kein Weg daran vorbei: „Dass wir diese sicherheitspolitische Mammut-Aufgabe nicht ohne Wehrpflicht leisten können, sollte langsam jedem bewusst sein“, so der Präsident zum Abschluss. Auch in Altötting existiert seit 1964 eine Reservistenkameradschaft, die aktuell 97 Mitglieder zählt und unter anderem aus aktiven Soldaten und ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr besteht.
Der erste Vorstand Tobias Wagner wollte sich auf Anfrage von innsalzach24.de aus „zeitlichen Gründen“ nicht äußern, doch auch in der Region spielt die Thematik eine große Rolle. Uns interessiert allerdings nun Ihre Meinung: Sehen Sie den Freiwilligendienst als eine gute Lösung oder führt auf Dauer kein Weg an der Wehrpflicht vorbei? Teilen Sie uns gerne Ihre Gedanken mit und schreiben Sie uns einen Leserbrief an gabriel.zaunseder@ovbmedia.de.
gz