Polizeistatistik für die Region veröffentlicht
Mehr Gewalt und Betrug im Landkreis Altötting: Der Sicherheitsbericht für das Jahr 2024
Der Sicherheitsbericht für den Landkreis Altötting fällt ausgesprochen gut aus – doch in bestimmten Berichen nehmen die Straftaten dennoch. Die Polizeistatistik im Überblick.
Landkreis Altötting – Im Landkreis Altötting ist die Sicherheitslage auch im Jahr 2024 als sehr gut zu bewerten. Das wurde beim Sicherheitsgespräch zwischen Landrat Erwin Schneider (CSU), Polizeipräsident Frank Hellwig und weiteren Beteiligten betont. Insgesamt mussten die Polizeidienststellen im Landkreis über 12.000 Einsätze bewältigen. „Das bedeutet im Schnitt 33,7 Einsätze pro Tag“, erklärte Hellwig. Eine beeindruckende Zahl, die auch von erhöhten Sicherheitsvorkehrungen bei Veranstaltungen im Landkreis beeinflusst wurde.
Bei den 660 Veranstaltungen im Jahr 2024 blieb der Landkreis zwar glücklicherweise von Extremfällen wie Amokfahrten verschont – es mussten aber dennoch kreative Lösungen gesucht werden. So wurden etwa Fahrzeuge von Spediteuren zur Absicherung von Straßen und Plätzen mit eingesetzt, denn nicht bei jedem Event war polizeiliche Präsenz möglich.
Rückgang bei Straftaten – hoher Anteil ausländischer Tatverdächtiger
Die Zahl der Straftaten ist im Landkreis Altötting deutlich gesunken. Mit einem Rückgang von 7,5 Prozent schneidet der Landkreis besser ab als der Präsidialbereich (-5,6 %) und Bayern insgesamt (-3,3 %). „Das bedeutet in Summe 360 Straftaten weniger als im Jahr 2023“, so der Polizeipräsident. 2024 wurden demnach 4.656 Straftaten registriert – rechnet man aber ausländerrechtliche Delikte wie illegale Einreise oder Aufenthalt weg, bleiben 4.233 Delikte übrig. Der Rückgang der Straftaten läge dann bei lediglich 0,4 Prozent.
Besonders auffällig ist jedoch der hohe Anteil ausländischer Tatverdächtiger. Von den insgesamt 2.496 ermittelten Tatverdächtigen waren knapp 1.200 nichtdeutscher Herkunft – also fast die Hälfte. „Das ist natürlich schon eine Zahl, die durchaus besorgniserregend ist, denn der Ausländeranteil im Landkreis beträgt 14,8 Prozent“, betonte Hellwig. Auch bayern- und bundesweit sei dies festzustellen.
Das gleiche Bild zeigt sich übrigens auch bei jungen Tatverdächtigen: 563 der ermittelten Personen waren Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende. Ihr Anteil lag bei 22,6 Prozent, was jedoch einen deutlichen Rückgang gegenüber 2023 (726 Tatverdächtige) bedeutet.
Hohe Aufklärungsquote unterstreicht Sicherheitslage
Die Aufklärungsquote liegt im Landkreis Altötting bei 70 Prozent und damit über dem bayerischen Durchschnitt von 67,9 Prozent. „Wenn man Straftäter ist, sollte man sich tunlichst andere Landkreise außerhalb unseres Präsidiums oder besser noch außerhalb Bayerns suchen“, so der Polizeipräsident. Besonders erwähnenswert: Bei Straftaten ohne ausländerrechtlichen Hintergrund stieg die Quote sogar leicht an.
In sieben von zehn Fällen gelang der Polizei also die Aufklärung einer Straftat, was ein hohes Maß an Sicherheit in der Region belegt. Die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, liegt bei 4.068 – deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 4.635.
Die Sicherheitswacht in Altötting, Burghausen und Burgkirchen trage laut Hellwig ganz entscheidend zur Sicherheit im Landkreis bei. Ihre Aufgabe sei es, als „wandelnde Notrufsäulen“ Ansprechpartner zu sein und bei Ordnungsstörungen direkt zu handeln – etwa bei Lärmbelästigung oder vermüllten öffentlichen Plätzen.
Einbrüche auf niedrigstem Stand seit zehn Jahren
Im Bereich Wohnungseinbruchdiebstahl zeigt sich eine langfristig positive Entwicklung. „Im vergangenen Jahr hatten wir die geringste Zahl an Wohnungseinbrüchen seit mehr als zehn Jahren“, so Hellwig. Insgesamt wurden lediglich 15 Einbrüche registriert – sieben davon wurden nicht vollendet. Damit liegt Altötting mit einer Einbruchrate von 13 pro 100.000 Einwohner weit unter dem Bundesdurchschnitt, der knapp das zehnfache beträgt. Die Polizei appelliert dennoch zur Wachsamkeit: Türen sollten stets versperrt und Fenster geschlossen sein. Die Kriminalpolizei bietet kostenlose und produktneutrale Beratung zur Einbruchssicherung an.
Sexualdelikte: Schwerpunkt Kinderpornografie
Anders verhält es sich bei Sexualdelikten. Hier wurde ein Anstieg von 9,5 Prozent verzeichnet. Insgesamt gab es 173 solcher Straftaten, davon 9 Vergewaltigungen und 88 im Zusammenhang mit der Verbreitung pornografischer Inhalte – insbesondere Kinderpornografie. „Nahezu jeden Tag haben wir eine Durchsuchung wegen Kinderpornografie“, betonte Hellwig beim Sicherheitsgespräch.
Die Aufklärungsquote liege in diesem Deliktsbereich bei 88,9 Prozent. Besorgniserregend sei vor allem das Phänomen der sogenannten Schulhofpornografie, bei dem Kinder und Jugendliche strafbare Inhalte weiterleiten oder speichern. Die Polizei warnt zudem vor Pädophilen, die sich in sozialen Netzwerken als Gleichaltrige ausgeben, um an Nacktbilder zu gelangen.
Callcenter-Betrug trifft vor allem Ältere
Große finanzielle Schäden verursachte erneut der Callcenter-Betrug. Im Bereich Oberbayern Süd belief sich der Gesamtschaden auf 2,5 Millionen Euro – ein Anstieg um mehr als 100 Prozent. „Im Landkreis Altötting hatten wir 2024 sechs vollendete Betrugsfälle mit einem Schaden von 92.000 Euro – im Vorjahr waren es 21.000 Euro“, so die Polizei.
Die Täter – oft professionelle Banden aus Süd- und Osteuropa – nutzen mittlerweile auch künstliche Intelligenz, um mit gefälschten Identitäten Vertrauen zu erschleichen. Opfer sind überwiegend ältere Menschen. Die Polizei setzt auf Aufklärung, Bankenwarnsysteme und getarnte Geldumschläge als Gegenmaßnahmen. „Sobald ein Staatsanwalt oder Polizist am Telefon Geld oder eine Kaution verlangt – dann ist es sicher: Es ist Betrug“, warnte der Polizeipräsident.
Gewaltkriminalität steigt – Rauschgiftkriminalität sinkt
Ein differenziertes Bild zeigt sich bei der Gewaltkriminalität. Insgesamt wurden 175 Fälle registriert und damit ein Anstieg von 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Delikte reichen von Körperverletzung bis hin zu Raub und Mord. Mit 155 Fällen pro 100.000 Einwohner liege Altötting aber weiterhin unter dem bayerischen Schnitt (169). Die Aufklärungsquote ist mit 82,3 Prozent recht hoch.
Die Rauschgiftkriminalität ging im Landkreis Altötting dagegen stark zurück – um 26,1 Prozent. „Das heißt aber in dem Falle nichts Gutes, weil das allein der Cannabis-Legalisierung geschuldet ist“, so der Polizeipräsident. Tatsächlich floriere der Schwarzmarkt und auch der Kokainhandel nehme zu: „2023 wurden im Landkreis Altötting sechs Kilogramm Kokain sichergestellt und im vergangenen Jahr waren es schon 40 Kilo.“
Verkehr bleibt unterschätzte Gefahr im Alltag
Beim Thema Verkehrsunfälle gibt es wenig Anlass zur Entwarnung: 605 Verletzte und neun Verkehrstote wurden im Landkreis Altötting 2024 gezählt – zwar ein Rückgang von 2,3 Prozent, doch: „Das sind Zahlen, die eigentlich aufschrecken müssen“, so Hellwig. Besonders gefährdet seien junge Erwachsene, Senioren und Radfahrer. Auch die Zahl der Schulwegunfälle stieg um 66,6 Prozent und Motorradunfälle haben mit 36,3 Prozent signifikant zugenommen. In vielen Fällen seien riskantes Fahrverhalten und nicht einsehbare Kurven die Ursache – etwa auf der B20 oder der B299. Die Polizei setze hier verstärkt auf Geschwindigkeitskontrollen, besonders an bekannten Unfallschwerpunkten.