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Aus dem OVB-Zeitungsarchiv

Darum kam der Leibkoch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie 1953 nach Neuötting

Links: Der Bericht im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) vom 10. Oktober 1953. Rechts: Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien, aufgenommen am 12.09.1973.
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Links: Der Bericht im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) vom 10. Oktober 1953. Rechts: Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien, aufgenommen am 12.09.1973.

Warum kam 1953 der Leibkoch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie nach Neuötting? Wir blicken auf die Episode an Hand eines Berichts aus dem OVB-Zeitungsarchiv.

Addis Abeba/Neuötting/Zürich - „Nur einige Tage hatte des abessinischen Kaisers Küchenchef, Kurt Linsi, Zeit, während seines Europa-Urlaubes nach fünfjähriger Tätigkeit in den Diensten des Negus seine Angehörigen in Neuötting am Inn zu besuchen“, erfahren wir aus einem Bericht im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) vom 10. Oktober 1953, „Ende vergangener Woche flog er von Zürich aus wieder mit seiner Frau und seinem Töchterchen über Kairo in seine Wahlheimat zurück, da ihn der Negus nicht mehr länger missen will.“ 1948 habe er die Chance seines Lebens bekommen: „Er war damals Chefkoch in Zürich, als ihm eines Tages ein Gast ein besonderes Kompliment machte und ihn fragte, ob er nicht künftig den Hof Haile Selassies in Addis Abeba kulinarisch betreuen wolle. Linsi wollte sofort, denn der Gast war niemand anderer als Haile Selassies Leibarzt.“

Linsi habe optimal die Anforderungen erfüllt. Seine Fähigkeiten in der Küche hatte er bereits unter Beweis gestellt. [...] Außerdem war er unverheiratet und von kleiner Statur. Da der Negus nur 150 cm misst und der Koch nicht größer sein sollte als sein Herr, kam Linsi auch sein Wuchs zugute.“ Wir erfahren weiterhin, dass Linsi auch europäische Gäste des Herrschers bekochte. Der Kaiser selbst habe eine Vorliebe für stark gewürzte und scharfe Speisen und salze seinen Kaffee. „‘Abessinien ist schön‘, sagt Linsi. Als Herr über eine Schar von eingeborenen Köchen hat er ein eigenes Häuschen im Kaiserpalastgarten. Er hat seinen eigenen Diener, genießt großes Ansehen und verdient monatlich 600 Dollar“, schließt der Bericht.

Leibkoch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie kam 1953 nach Neuötting

Haile Selassie I. war 1916 bis 1930 Regent und von 1930 bis 1974, der letzte „Negus Negesti“ (Kaiser) von Äthiopien, welches im Artikel von 1953 noch „Abessinien“ genannt wird. Er gilt als wichtige Persönlichkeit der Geschichte des Landes und die wichtigste Figur der jamaikanischen Rastafari-Bewegung, die in ihm den Messias sieht. In seiner Herrschaftszeit reformierte er das Land, welches 1931 seine erste Verfassung erhielt und außerdem die Sklaverei abgeschafft wurde. Er organisierte den Widerstand gegen Italien im Abessinienkrieg und war auch bei der Befreiung seines Landes mit beteiligt. 1945 wurde durch sein internationales Ansehen Äthiopien Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und 1963 der späteren Afrikanischen Union. Er wurde 1974 durch eine sozialistische Junta gestürzt und 1975 ermordet.

Alle Blicke ins Zeitungsarchiv auf der Themenseite:

Alle bisher erschienen Artikel aus der jeden Samstag um 15 Uhr erscheinenden Reihe „Aus dem OVB-Zeitungsarchiv“ findet Ihr ab sofort auf dieser Themenseite. Aber auch diverse zusätzliche Artikel über spektakuläre Kriminalfälle, bekannte Persönlichkeiten der jüngeren Zeitgeschichte sowie andere bedeutende Ereignisse, nacherzählt an Hand von alten Zeitungsartikeln.

54 Jahre lang lebte wiederum Kurt Linsi in Äthiopien, als ihn dort die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) 2003 besuchte. Aufgewachsen sei er sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz. Er habe bereits zuvor durch einen Kollegen erfahren, dass Selassie einen Schweizer Koch suche, berichtete er damals. Er habe außerdem weiterhin noch Kontakt zur letzten noch lebenden Tochter Selassies. „Ein Anflug von Wehmut scheint den Mann zu überkommen, als er vom Sturz und späteren Tod Haile Selassies und des Großteils seiner Familie vor rund dreißig Jahren berichtet“, so der NZZ-Artikel, der ihn als „kleinen, verschmitzt blickenden Mann“ schildert, „der nicht nach Hause zurückkehrt, weil er schon längst zu Hause ist.“

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