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„Können nichts investieren“

Nach Verwaltungs-Chaos: Darum muss Reichertsheim jetzt Rekord-Schulden aufnehmen

Das Verwaltungschaos in Reichertsheim führt zu gravierenden Folgen.
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Das Verwaltungschaos in Reichertsheim führt zu gravierenden Folgen.

2023 war ein Chaosjahr für die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Reichertsheim und Kirchdorf. Die Auswirkungen sind nach wie vor gravierend: Reichertsheim muss nun einen Kredit in Rekordhöhe aufnehmen. Wie hoch die Schulden sind, was der Gemeinderat dazu sagt – und wie es weitergeht.

Reichertsheim – Immer noch hängt der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Reichertsheim und Kirchdorf das Chaosjahr von 2023 nach und das wird mindestens in Reichertsheim wohl noch einige Jahre so bleiben. Denn die Gemeinde muss sich in Rekordhöhe verschulden. Etwa 1,7 Millionen Euro umfasst der Kredit – und das in Zeiten, in denen die finanzielle Belastung von Kommunen ohnehin sehr hoch ist.

Doris Hauck von der Finanzverwaltung war sich dessen durchaus bewusst, als sie dies dem Reichertsheimer Gemeinderat in der jüngsten Sitzung eröffnete. „Leider ist es mir aber nicht anders möglich, einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen“, meinte Hauck.

Das Problem: 2023 war in der Verwaltungsgemeinschaft Reichertsheim Chaos ausgebrochen. Von 1.000 unbezahlten Rechnungen war die Rede, ein Nothaushalt musste beschlossen werden, ohne wirklich über die finanzielle Lage Bescheid zu wissen. Nun am Ende des Jahres 2024 seien die Finanzen größtenteils aufgearbeitet, doch aufgrund falscher Annahmen, verschleppter oder nicht bekannter Ausgaben in den vergangenen Jahren, gestiegener Personalkosten und den Kosten für die Beratungsfirma „hjs consulting“, fehlt sowohl der VG, als auch den Mitgliedsgemeinden Geld.

Einnahmen gehen zurück, Rücklage nicht vorhanden

„Es treffen zwei Sachen zusammen“, erklärte Zweiter Bürgermeister Johann Knollhuber (Interessengruppe Reichertsheim), der in Vertretung für Bürgermeister Franz Stein, die Sitzung leitete. „Zum einen gehen die Einnahmen zurück, zum anderen sind wir von Rücklagen ausgegangen, die nicht da war.“ Hauck bestätigte dies. Der Gemeinde bleibe somit nur die Aufnahme des Kredits. „Mit der Rechtsaufsicht des Landratsamts ist dieses Vorgehen abgeklärt“, erläuterte Hauck. Die Behörde habe grünes Licht gegeben, „unter der Voraussetzung, dass wir in den nächsten Jahren höchste Haushaltsdisziplin walten lassen.“ Heißt: Projekte, die die Gemeinde ursprünglich geplant hatte, müssen vorerst verschoben werden.

Bei den Gemeinderäten sorgte diese Nachricht für lange Gesichter. „Ich finde es einerseits gut, dass wir endlich wieder in geregelte Verhältnisse kommen, andererseits ist es auch eine enorme Menge, die in den vergangenen Jahren verschludert wurde“, meinte Konrad Wölfl (Interessengruppe Reichertsheim). Er monierte, dass die nun anstehende Kreditaufnahme Konsequenz nur eine Investition in die Verwaltung sei. „Für die Bürger selbst ist nichts passiert.“ Knollhuber stimmte zu und zeigte sich zudem verwundert darüber, warum im Rahmen der Beratungsleistung „das große Loch“ in den gemeindlichen Finanzen nicht früher gesehen wurde.

Veronika Fluhrer (Einigkeit Ramsau) plädierte dafür, noch einmal alle Projekte in der Gemeinde genau anzusehen. Beispielsweise würden der Kindergarten und die Miete für die Container, in denen eine Gruppe untergebracht sei, massive Kosten verursachen.

Sorge um die Zukunft

Michael Schmuck (Einigkeit Ramsau) machte sich auch Sorgen um die Zukunft. „Wie soll das denn weiter gehen?“, fragte er und bezog sich auf die Kreisumlage, die auch 2025 wieder steigen soll und die kommunalen Haushalte massiv belasten werde. Ähnlich sah es Lucas Vaas (Interessengruppe Reichertsheim): „So wie das aussieht, können wir auch in den nächsten Jahren nichts investieren“, meinte er, „denn Einnahmen haben wir auch keine.“

Holger Noll, Geschäftsleiter der VG, erklärte, dass die Verwaltung bereits an einer Lösung des Problems arbeite. „Wir brauchen mehr Neubaugebiete, um mehr Einkommenssteuer generieren zu können“, so Noll. Zwei Areale seien derzeit im Gespräch, außerdem sei man auf der Suche nach einer geeigneten Fläche für ein Gewerbegebiet. „Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Aber wir müssen nach vorne schauen.“

Mit zwei Gegenstimmen von Konrad Wölfl und Veronika Fluhrer stimmte der Gemeinderat schließlich der Kreditaufnahme von rund 1, 7 Millionen Euro zu.

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