Seit 40 Jahren Kursleiterin an der Vhs Haag
So hat sich Sport verändert: Trainerin Beate Thurow-Bröcker über Fitness, Körper und Pizza
In 7.200 Stunden hat sie mit 4.800 Teilnehmern Sport gemacht: Denn seit 40 Jahren ist Beate Thurow-Bröcker Kursleiterin an der Vhs Haag und trainiert auch in Waldkraiburg. Für welche Methoden sie früher ausgelacht wurde, warum ihre Teilnehmerinnen fitter sind als Soldaten und wie man sich gesund hält.
Haag/Waldkraiburg/Kraiburg – „Für mich ist Sport wie Essen und Schlafen. Er gehört einfach zu meinem Leben dazu und ich muss mich dafür gar nicht wirklich aufraffen“, sagt Beate Thurow-Bröcker. Kein Wunder also, dass sie nicht nur sich selbst fit hält, sondern auch andere mit ihrer Begeisterung ansteckt. Seit 40 Jahren gibt sie Sportkurse an der Haager Volkshochschule (Vhs). In all den Jahren habe die heute 63-jährige Kraiburgerin etwa 4.800 Teilnehmer in 7.200 Stunden unterrichtet, heißt es in einer Pressemitteilung der Vhs. Als Kursleiterin weiß Thurow-Bröcker, wie man sich wirklich fit hält und was sich im Training in den vergangenen 40 Jahren geändert hat.
Bergsteigen, Skifahren, Schwimmen
Zum Sport ist die 63-Jährige schon früh gekommen. Sie habe viele Aktivitäten wie Bergsteigen, Skifahren oder Schwimmen mit den Eltern unternommen und habe mit sieben Jahren angefangen, Ballett zu tanzen, sagt die Kraiburgerin. Mit 23 Jahren habe sie dann den Jazz-Gymnastik-Kurs an der Vhs Haag übernommen. Zwischenzeitlich habe der Kurs „Soft-Aerobic“ geheißen. Nun steht er unter „Body-Fit-Balance“ im Kursheft.
Mit der Zeit habe sich dabei die Art des Unterrichts verändert, erklärt Thurow-Bröcker. „Die Qualität ist nun eine andere“, sagt sie. Früher hätten Trainer auf eine steigende Kondition hingearbeitet und hätten versucht, die Teilnehmer ins Schwitzen zu bringen. „Wir sind gehüpft und gehüpft und gehüpft. Auf andere Dinge haben wir damals gar nicht geachtet“, erinnert sich die Kraiburgerin. Heute bekäme sie die Leute auch durch intensive Übungen oder durch ein gesteigertes Tempo außer Atem. „Beim Vierfüßler-Stand zum Beispiel, kann man ein Bein nach vorne heranziehen und dann nach hinten oben hinausstoßen. Dabei dehne ich mich und benötige auch meine Bauchmuskeln. Wenn ich die Übung jedoch in Zeitlupe mache, brauche ich ganz andere Muskeln, muss auch mal halten. So wird die Bewegung intensiver“, erklärt die 63-Jährige.
Am Ende gibt es eine Fantasiereise
Zudem werde in einem Fitnessprogramm nicht mehr nur auf den Körper eingegangen, sondern auch auf den Geist. „Ich schließe meine Stunden zwar schon immer mit einer Fantasiereise ab. Früher bin ich dafür noch ausgelacht worden, heute bilden Meditation und Geschichten einen festen Teil in den Sportkursen und sind gar nicht mehr wegzudenken“, erklärt sie.
Insgesamt habe sich das der Bezug und das Verständnis zum Körper und was es wirklich bedeutet, fit zu sein, geändert. In ihren Kursen versuche Thurow-Bröcker deswegen auf ihre Teilnehmerinnen einzugehen. „Wenn jemandem das Knie an dem Tag weh tut oder der Rücken etwas zwickt, ist es wichtig, auch eine alternative Übung zu zeigen“, erklärt sie.
Auch wenn sich über die Zeit einiges verändert habe, habe sich eine Sache bewährt. Seit 40 Jahren baut Thurow-Bröcker laut eigenen Angaben ihre Stunden im gleichen Schema auf. Nach einer halben Stunde im Stehen würden die gleichen Muskeln am Boden trainiert. Anschließend gehe es in die Dehnung, bis eine Schlussentspannung die Sporteinheit beende, erklärt sie. „Der Geist soll schließlich auch herunterfahren können“, betont die Kraiburgerin.
Über ihre Zeit als Trainerin kann Thurow-Bröcker auch lustige Anekdoten erzählen. Vor etwa 15 Jahren sei der Saal, in dem sie den Sportkurs abhalten habe, belegt gewesen. Soldaten hätten dort ihre Feldbetten aufgestellt. „Als ich fragte, ob sie ihre Betten etwas zur Seite stellen könnten, damit wir unser Programm abhalten können, wollten sie mitmachen“, erinnert sich die Kraiburgerin. „Klar hatten die Männer eine gute Kondition. Doch bei den Dehnübungen haben meine Mädels gezeigt, wie fit sie eigentlich sind“, sagt Thurow-Bröcker schmunzelnd.
Das Wissen über den Körper und die Sportkurse habe sich die Kraiburgerin bei Wochenendseminaren angeeignet. Auch beim Ballett-Tanzen habe sie viel über den Körper erfahren. Seit 2011 unterrichtet Thurow-Bröcker zudem „Energydance“ beim VfL Waldkraiburg. Diese Sportart entstehe aus dem Moment. Sowohl die Trainerin als auch die Teilnehmer ließen sich von der Musik leiten. Jede Übung gehe fließend in die nächste ein, erklärt sie.
Lernen, auf eigenen Körper zu hören
Um im Leben fit zu bleiben, gebe es keine Universalformel, die für alle Menschen gelte. Eines der wichtigsten Dinge überhaupt sei es jedenfalls, zu lernen, auf den eigenen Körper zu hören, betont die Kursleiterin. „Er sagt mir nämlich, wann ich schlafen oder was ich essen soll. Und er weiß, was mir guttut“, erklärt die 63-Jährige. Und das könne von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. „Für den einen ist es eine Tasse Kaffee, für den andern eine große Pizza und wiederum der nächste muss einen Kilometer laufen“, erklärt sie. „Ich habe viel Spaß an meinen Sportkursen. Doch ich freue mich auch, wenn ich Pausen zwischendurch habe“, sagt die Kraiburgerin.
Sich selbst kann Thurow-Bröcker bei Yoga oder einem Spaziergang entspannen. Zudem hat sie eine Kräuterausbildung und verarbeitet die Heilpflanzen gerne in Salben oder Tinkturen. Zudem malt sie gerne – auch als Bodypainterin. „Das Körpermalen ist mit Corona leider eingeschlafen, aber ich hoffe, ich kann das bald wieder machen“, sagt sie. Früher habe sie sogar an Meisterschaften dazu teilgenommen. Heute freut sie sich vor allem auf die Halloween- und Faschingszeit. „Da darf ich immer viele Menschen schminken“, sagt die 63-Jährige.
Nicht nur in ihrer Freizeit als Sporttrainerin beschäftigt sich Thurow-Bröcker mit dem Körper, sondern auch hauptberuflich. Seit nun 23 Jahren ist sie selbständig und bietet Massagen, Fußpflege, Kosmetik-Behandlungen oder Energiearbeit an. Also „alles, was man so braucht, wenn man im Alltag seinen Mann oder seine Frau stehen musste und mal einen Moment zum Verschnaufen braucht“, fasst sie ihren Beruf zusammen.

