Therapiehund für Kids
Ein Herz für Tiere: So stellt Fellnase Oskar das Kinderhaus Arche Noah in Haag auf den Kopf
Tiere sind Balsam für Geist und Körper. Das merken auch die Mädchen und Buben vom Kinderhaus Arche Noah in Haag. Seit September begleitet sie Therapiehund Oskar. Wie es die Fellnase schafft, dass die Kids ihre Ängste überwinden.
Haag – Tiere sind Balsam für Geist und Körper. Das bestätigt selbst die Wissenschaft. Durch Hund, Katze, Kaninchen und Co. lernen Kinder Verantwortungsbewusstsein. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt und auch Kinder, die unruhig sind oder sich teilweise aggressiv verhalten, können durch den Kontakt mit Tieren ruhiger und ausgeglichener werden. So auch im Kinderhaus Arche Noah in Haag. Hier sorgt seit September dieses Jahres Hund Oskar (5), ein waschechter Ungarischer Magyar Vizsla, nicht nur für Spaß und gute Laune, sondern er ist auch fleißig. Sein Arbeitsgebiet: tiergestützte Heilpädagogik.
Sein Frauchen Zuzana Fischer ist Heilpädagogin, sehr hundeerfahren und selbst Mutter von vier Kindern. Ihr jüngster Sohn Bernhard (8) war drei Jahre alt, als sie Oskar im Alter von etwa zehn Wochen in ihre Familie holten. So wuchs der freundliche Vierbeiner mit Kindern auf. Ganz typisch für das Alter war auch Oskar als Welpe ein richtig kleiner Rabauke und Wirbelwind, doch er wurde älter und zeigte schließlich, dass er bestens für den Job als „tierischer Erzieher im Kindergarten“ geeignet ist.
Im Sommer hatte er seine Eignungsfeststellung zum Einsatz als Therapiehund erfolgreich bestanden. Dazu absolvierte Fischer das Seminar „Hunde im Therapieeinsatz“. „Wir sind eine integrative Einrichtung und betreuen auch Kinder, die einen besonderen pädagogischen Förderbedarf benötigen. Das sind zum Beispiel Mädchen und Buben mit Entwicklungsverzögerungen, körperlichen und geistigen Behinderungen, geringem Selbstwertgefühl, Lernschwächen, Ängsten, Traumata oder sonstigen Beeinträchtigungen“, erklärt Kita-Leiterin Alexandra Engl (33).
Eine Menge Papierkram
„Durch Zufall stießen wir auf die Praxis von Frau Flecken in Ramerberg und waren auf Anhieb von ihrer Arbeit begeistert“, erzählt die Kita-Leiterin. „Wir nahmen Kontakt auf. Durch sie kamen wir zu Zuzana Fischer und Oskar. Natürlich mussten wir eine ganze Menge abklären, wie rechtliche Dinge, Formalitäten, die Zustimmung der Eltern und die Aufstellung eines Hygieneplans. Umso glücklicher waren wir, als endlich alles erledigt war und Oskar zu uns kommen konnte“, setzt sie fort.
Auch Sabine Materna, Verwaltungsleiterin der Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt, Katholischer Kita-Verbund Haag, begrüßt die Arbeit mit dem Vierbeiner und steht gemeinsam mit dem Träger hinter dem Projekt. Schließlich ist Oskar der erste Therapiehund im Verbund. Aktuell betreut das Haager Kinderhaus 148 Kinder, davon sind 16 Integrationskinder.
Zuzana Fischer und Oskar sind speziell für die Integrationskinder im Einsatz. „Wir haben gezielt Mädchen und Buben ausgewählt, die soziale, emotionale Probleme oder auch sprachliche Schwierigkeiten haben. Seit Oskar bei uns ist, merkt man bei den Kids eine deutliche Verbesserung. Dazu bringt er unglaublich viel Freude ins ganze Haus. Wir hätten ihn gerne jeden Tag bei uns“, sagt Engl strahlend. Einmal pro Woche kommen er und sein Frauchen in die Arche Noah. Dann betreuen sie für jeweils zwei Stunden zwei Gruppen. Pro Gruppe sind drei bis sechs Kinder, im Alter zwischen vier bis etwa sieben Jahre.
Spaß und Toben in der Natur
Gemeinsam gehen sie raus in die Natur. Ihre Route führt sie entlang eines Feldes bis hin zu einem Spielplatz und wieder zurück ins Kinderhaus. Auf ihrem Weg ist viel Spaß, Toben und die Natur entdecken angesagt. Vor allem für Integrationskinder ist die gleiche Routine enorm wichtig, doch selbst wenn der Weg immer derselbe ist, entdecken sie ständig etwas Neues.
Die Fortschritte, die die Heranwachsenden machen würden, seit Oskar sie besuche, seien erstaunlich. „Es gibt Kinder, die nicht sprechen. Oskar hat so ein unglaubliches Gefühl für die Mädchen und Buben, dass sie auf einmal anfangen zu reden. Während aggressive Kinder sich selbst von Erwachsenen nichts sagen lassen und noch schlimmer und aggressiver werden, lassen sie sich von Oskar beruhigen. Er erdet die Kinder“, erzählt Fischer.
Kinder überwinden Ängste
„Es gibt ja Kinder, die Angst haben, sich schmutzig zu machen. Durch Oskar überwinden sie solche Ängste. Ein Kind lag heute zum ersten Mal im Schnee, hatte richtig viel Spaß dabei und machte sich schmutzig. Das gehört doch zum Kindsein dazu“, sagt die Heilpädagogin. „Wir haben zwei Kinder in der Einrichtung, die Angst vor Hunden haben. Eines der Kinder traut sich inzwischen sogar, mit uns Gassi zu gehen und kuschelt mit Oskar. Das sind wunderschöne Erfolgsgeschichten und man sieht, wie positiv sich der Umgang mit Tieren auf die Kinder auswirkt“, setzt die erfahrene Expertin fort. Sie arbeitet mit Oskar nicht nur in Kindergärten, sondern auch in der Pferdetherapie.
Wie enorm wichtig Tiere für den Menschen sind, zeigt nicht nur die tiergestützte Therapie, sondern auch der allgemeine Umgang mit Tieren. Sie nehmen vorbehaltlos Kontakt auf. Sie lieben die Menschen so wie sie sind – so wie Oskar, der einfach alle Kinder „klasse“ findet, sagt Fischer. „Fakt ist: Menschen, egal ob Kinder oder Erwachsene, die ein Herz für Tiere haben, sind nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder“, so die Heilpädagogin.
kme

