Nachruf
Ein Leben voller Herzlichkeit und Tatendrang: Haag trauert um Geschäftsfrau Anneliese Heinzl
Anneliese Heinzl, Inhaberin des „Kunstgewerbes Heinzl“ in Haag, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Ihr Leben war geprägt von Familie, Geschäftssinn und einer unstillbaren Reiselust. Die tüchtige Geschäftsfrau hinterlässt eine große Lücke.
Haag – Ein Leben voller Herzlichkeit und Tatendrang: So kann man Anneliese Heinzl wohl am besten beschreiben. Am 15. März 2025 verstarb die bekannte Haager Geschäftsfrau im Alter von 84 Jahren.
Anneliese Heinzl wurde am 15. April 1940 am Kirchplatz in Haag geboren. Sie war das ältere von zwei Kindern, ihr Bruder kam erst elf Jahre nach ihr zur Welt. Obwohl Anneliese Heinzl gerne eine Ausbildung zur Schaufensterdekorateurin gemacht hätte, blieb ihr dieser Wunsch verwehrt. Sie arbeitete im elterlichen Geschirrgeschäft und half dem Vater in der Glaserei und auch auf Baustellen für ein kleines Taschengeld.
Geschäft umbenannt in „Kunstgewerbe Heinzl“
Ab den 1980er Jahren pachtete sie den Laden von ihren Eltern und benannte das Geschäft in „Kunstgewerbe Heinzl“ um. Dort gab es Geschenkartikel, Glas, Porzellan, Keramik sowie Besteck. Zudem fertigte Anneliese Heinzl Bilderrahmen auf Bestellung an. Wie man ein Unternehmen führt, brachte sich die tüchtige Geschäftsfrau selbst bei. Sie managte den Laden, las sich in alles ein und besuchte verschiedene Kurse. Besonders stolz war sie auf Prämierungen ihrer Schaufenstergestaltung. Mitte der 1980er Jahre zog das „Kunstgewerbe Heinzl“ nach Rosenberg in Haag in neue Geschäftsräume um. Das Geschäft bestand bis Ende 2008.
1966 lernte Anneliese Heinzl ihren Ehemann Sepp kennen, sie heirateten am 27. Oktober 1967. Die beiden trafen sich zum ersten Mal in einem Café am Soyener See. Auf einer Hochzeit von Bekannten in Lengmoos wurde dann beim Tanzen das Eis gebrochen. Auf die Ehe folgte im Jahr 1968 Tochter Christine und im Jahr 1971 Sohn Andreas. Auch die Geburten ihrer beiden Enkelkinder, Paula im Jahr 1998 und Elisa im Jahr 2001, bedeuteten der Haagerin sehr viel. Oft kümmerte sie sich um die beiden.
Kultur, Kunsthandwerk, Musik
Anneliese Heinzl interessierte sich für Kultur, Kunsthandwerk und Musik. Auch ihre Leidenschaft für den Bauchtanz entdeckte sie im Alter von 59 Jahren. Nach dem Tod ihres Mannes im Januar 2009 setzte sie dieses Hobby – getreu seinem Wunsch – mit nur kurzer Unterbrechung fort. Die Haagerin war fasziniert von der Ferne. Kaum von einer Reise zurück, schmiedete sie schon die nächsten Urlaubspläne, obwohl ihre Gesundheit ihr immer wieder zu schaffen machte. Doch sie war ein „Stehaufmandl“.
Die verbleibenden Jahre mit ihrem Ehemann Sepp waren jedoch durch seine Dialysebehandlungen eingeschränkt. In schwierigen Zeiten war Anneliese Heinzl immer für ihre Familie da, bot ein offenes Ohr und half bei der Lösungsfindung. Es war ihr wichtig, dass ihre Lieben immer auf sie zählen konnten, da sie selbst in ihrer Jugend diese Unterstützung vermisst hatte.
Umbau des Hauses
Zur Aufbesserung ihrer Rente renovierte Anneliese Heinzl ihr Haus, um Dachboden und Untergeschoss vermieten zu können. Im Herbst 2011 erlitt sie vor einer geplanten Reise in die Türkei mit einer Schulfreundin einen Schwächeanfall, ließ sich aber dennoch am nächsten Morgen zum Flughafen bringen.
Sie erlitt eine lebensbedrohliche Ruptur der Hauptschlagader, die einen Hubschraubertransport und stundenlange Operationen in Großhadern notwendig machte. Die anschließende Zeit im Krankenhaus und der Reha schien schier endlos und die Haagerin erholte sich nie vollständig davon. Zwei weitere Operationen folgten, doch ihr Zustand verschlechterte sich kontinuierlich.
Sobald es ihre Gesundheit zuließ, organisierte Anneliese Heinzl ihr Leben um. Sie plante den behindertengerechten Umbau ihres Bades, stellte alle Anträge selbst und legte bei Ablehnung Widerspruch ein. Ein Scooter erleichterte ihre Mobilität, da das Autofahren nicht mehr möglich war. Sie wählte einen Pflegedienst aus, organisierte den Hausnotruf und nahm regelmäßig am Einkauf mit dem Citymobil und am Rommé-Nachmittag der Arbeiterwohlfahrt teil. „Essen auf Rädern“ orderte sie je nach Bedarf.
Die Haagerin unternahm nach ihrer Operation 2011 nur noch Busreisen, bei denen sie oft eine ihrer Enkelinnen mitnahm. Sie verlegte sich von nun an auf Handarbeiten, vor allem Häkeln. Sie verschenkte gerne die so entstandenen Topflappen und Eierwärmer. Stets stand ein gepackter Krankenhauskoffer bereit, den sie mehrmals jährlich benötigte. Sogar ihre eigene Beerdigung plante die Verstorbene zu Lebzeiten noch selbst.
Corona-Pandemie macht Strich durch Rechnung
Die Feier zu ihrem 80. Geburtstag fiel in die Corona-Pandemie, was für Anneliese Heinzl schwer enttäuschend war. Sie hätte gerne groß mit Bürgermeisterin, Pfarrer und einem Bericht in der Zeitung gefeiert. Am 10. März dieses Jahres kam Anneliese Heinzl erneut ins Krankenhaus. Schnell stellte sich heraus, dass sie abermals eine Ruptur der Hauptschlagader erlitten hatte, diesmal jedoch ohne Hoffnung auf Heilung.
Sie scherzte noch mit ihrer Tochter Christine, dass es zum 85. Geburtstag wohl auch nichts werde, mit einem Zeitungsartikel und forderte sie auf: „Dann musst du halt was über mich schreiben.“ Leider verstarb die 84-Jährige, genau einen Monat vor ihrem 85. Geburtstag. Dem letzten Wunsch kam die Tochter auf der Beerdigung nach, indem sie das bewegte Leben ihrer Mutter würdigte.