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Alte Tradition neu belebt

Das große Comeback der Maibäume: So wird die Tradition in Gars und Kirchdorf wiederbelebt

Noch liegt der von den Dieben perfekt hergerichtete Garser Maibaum auf der Tenne in Mittergars. Doch Bürgermeister Robert Otter (hinten links) und seine von ihm vor Ort zur „Miss Maibaum“ gekürte Stellvertreterin Hildegard Brader können nach dem gemeinsamen Spanferkelessen mit den Maibaumdieben optimistisch auf den nächsten Samstag blicken. Unter der Leitung von Willi Kölbl (rechts) wird dann in einer großen Gemeinschaftsaktion der Maibaum auf dem Garser Marktplatz aufgerichtet werden.
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Noch liegt der von den Dieben perfekt hergerichtete Garser Maibaum auf der Tenne in Mittergars. Doch Bürgermeister Robert Otter (hinten links) und seine von ihm vor Ort zur „Miss Maibaum“ gekürte Stellvertreterin Hildegard Brader können nach dem gemeinsamen Spanferkelessen mit den Maibaumdieben optimistisch auf den nächsten Samstag blicken. Unter der Leitung von Willi Kölbl (rechts) wird dann in einer großen Gemeinschaftsaktion der Maibaum auf dem Garser Marktplatz aufgerichtet werden.

Gars und Kirchdorf feiern jeweils ein Comeback: Nach zehn beziehungsweise neun Jahren stellen Gars und Kirchdorf heuer wieder einen Maibaum auf. Wer das Ganze initiiert hat und worauf sich die Besucher freuen dürfen.

Gars/Kirchdorf – Der letzte Garser Maibaum aus dem Jahr 2012 nahm ein spektakulär-tragisches Ende: Ein Blitz brachte ihn 2014 zur Strecke. Seitdem steht das Fundament auf dem Marktplatz leer, meistens jedenfalls. Denn nach einiger Zeit war dies für Traditionalisten ein so trostloser Anblick, dass sich einige von ihnen im Jahr 2019 bemüßigt sahen, die Halterung für die Errichtung einer Art Hungerbaum zu verwenden, um den öffentlichen Druck im Hinblick auf die Wiedererrichtung eines anständigen Maibaums zu erhöhen. Allerdings zunächst vergeblich, und die Corona-Pandemie machte dann derartige Aktionen ohnehin unmöglich.

Beim Starkbierfest angeregt

Das ist nun allerdings auch schon wieder einige Zeit her, sodass sich „Bruder Barnabas“ beim Mittergarser Starkbierfest bereits wiederholt dazu genötigt sah, die „Mutter von Gars“ und Zweite Bürgermeisterin Hildegard Brader sehr deutlich darauf hinzuweisen, dass nach organisatorischen Erfolgen wie Flohmarkt und Klosterbad die Wiedererrichtung eines Maibaums doch eigentlich kein Problem darstellen dürfte – und überfällig sei diese Aktion allemal.

Ob Braders Antrag im Gemeinderat anlässlich der Diskussion um die Begrünung des Garser Marktplatzes, am Ort des leeren Fundaments einen richtigen Baum zu pflanzen, der dann in jedem Mai grünen würde, so ganz ernst gemeint oder nur ein geschickter Schachzug war, sei dahingestellt. Auf jeden Fall war dann bei einer entsprechenden Bürgerumfrage die Reaktion sehr eindeutig: Man wollte mehrheitlich wieder einen richtigen Maibaum haben.

Altbürgermeister stiftet geeigneten Baum

Das war der entscheidende Impuls, und der inzwischen zum Garser Kulturverein umgewandelte InnHügelLand e.V. wurde mit der Organisation betraut. Mit Altbürgermeister Norbert Strahllechner fand sich zudem ein Stifter für einen geeigneten Baum, was sich allerdings auch in Mittergars und Wang herumsprach. Offenbar wurden der Alt- und Neubürgermeister und seine Stellvertreterin an für Baumfällarbeiten geeigneten Tagen regelrecht beschattet, damit die Maibaumdiebe zeitnah zuschlagen konnten.

Und tatsächlich, kaum war der Baum gefällt, waren die Mittergarser am 18. Januar schon gleich im Wald zur Stelle und entführten den Garser Maibaum in die Nachbargemeinde, wo er nicht nur recht diebstahlsicher im ersten Stock einer Scheune gelagert, sondern auch von den Mitgliedern der örtlichen Vereine in einer großen Gemeinschaftsaktion aus einem eigens eingerichteten Wachstüberl mit Panoramafenster über mehr als drei Monate hinweg lückenlos bewacht wurde.

Kaum gefällt, schon gestohlen: Gleich im Wald waren im Januar die Mittergarser Maibaumdiebe zur Stelle und legten ihre Hand auf den frischgefällten Baum, der dann sofort im ersten Stock eines Mittergarser Bauernhofes verschwand.

Sogar Bewegungsmelder wurden installiert. Insgesamt also eine optimale Ausgangsposition für Verhandlungen über die Auslöse. Diese waren, wie es sich gehört, zwar zäh, aber doch konstruktiv und führten daher schließlich zu einem Kompromiss, mit dem beide Seiten offenkundig gut leben konnten. Ein wichtiger Teil der Ablöseleistungen war ein von den Garsern ausgerichtetes Spanferkelessen mit den Maibaumdieben, das bereits stattgefunden hat.

Maibaumaufstellen am 3. Mai in Gars

Hier besprach man bei allseits bester Laune die letzten Details der gemeinsamen Maibaumaufstellung auf dem Garser Marktplatz. Und so werden am Samstag (3. Mai) die Mittergarser nicht nur mit großem Gefolge den gestohlenen und entsprechend hergerichteten Maibaum zurück nach Gars bringen, sondern ab 15 Uhr auch aktiv beim Aufstellen helfen. Willi Kölbl, der auch für die passende Zurichtung des auf 23 Meter gekürzten Baumes für die Halterung sorgte, wird den Aufstelltrupp aus jeweils 20 Garser Feuerwehrlern und 20 Mittergarsern an den „Schwaibeln“ kommandieren.

Generell ist man in Gars froh, es mit erfahrenen Maibaumdieben zu tun zu haben, die auch das Know-how für das Herrichten und Aufstellen mitbringen, sodass nach der langen Zwangspause nichts schiefgehen und man dann unter dem prächtigen neuen Maibaum gemeinsam mit vielen Gästen feiern kann.

Maibaumaufstellen in Kirchdorf am 1. Mai

Anschauungsunterricht könnte man dafür schon zwei Tage vorher in Kirchdorf nehmen. Dort wird der neue, von Josef Greißl gestiftete Maibaum bereits am Donnerstag (1. Mai) ab 11 Uhr an vertrauter Stelle an der Dorfstraße vor dem Gemeindeamt aufgestellt. Natürlich mit anschließendem Mittagessen und Kaffeetrinken vor Ort, wobei die Feiernden auch dort bis in die Nacht hinein nicht auf dem Trockenen sitzen werden. Die „Maibaumpause“ in Kirchdorf war nicht ganz so lang wie die in Gars.

2016 wurde der letzte aufgestellt, dann folgte die Corona-Zwangspause. In diesem Jahr sind aber alle Ortsvereine wieder aktiv. Und neue „Taferln“ zur Dekoration wird der Maibaum auch noch erhalten, der natürlich ebenfalls gestohlen wurde. Der Burschenverein Stierberg war diesbezüglich schon zum zweiten Mal aktiv, allerdings die Kirchdorfer auch schon in umgekehrter Richtung. Traditioneller Maibaumklau auf Gegenseitigkeit sozusagen.

Riesengaudi mit Finale

Und so wird deutlich, worum es beim Maibaumaufstellen und auch bereits in dessen Vorfeld eigentlich geht: um das dörfliche Miteinander, das gemeinsame Organisieren, Spaß haben und sich humorvoll selbst feiern, in der Gemeinde der Maibaumdiebe und dann auch alle zusammen; es ist einfach eine wochenlange Riesengaudi mit großem Finale.

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