Irmgard Strauß und Team: „Sprühen vor Ideen“
25 Jahre Dorfladen Mittergars: Sogar Schauspieler Sascha Hehn kauft hier ein
Er ist das Herz der Gemeinde: der Dorfladen in Mittergars. Seit 25 Jahren stemmen Irmgard Strauß und ihr Team das Geschäft. Wie sie den Laden am Laufen halten und dabei mehr geschaffen haben als nur eine Einkaufsmöglichkeit. Und warum sogar Schauspieler Sascha Hehn hier Kunde ist.
Gars/Mittergars – Sie hat fünf Kinder, drei Töchter, einen Sohn und den Dorfladen, die Irmgard Strauß, die getrost „Mutter“ des Dorfladens genannt werden darf, oder wie es ihre Kollegin Erika Gottwald ausdrückt: „Irmgard war vor 25 Jahren unsere charmante Antreiberin und das ist sie bis heute geblieben“. Die so Gelobte wird direkt ein bisschen verlegen und wehrt gleich ab: „Ohne ein funktionierendes Team könnte unser Dorfladen niemals bestehen“.
25 Jahre Dorfladen in Mittergars
Blättern die Mittergarser Chronisten ein Vierteljahrhundert zurück, dann rückt die damalige Dorferneuerung in den Blick, die auch mit dem Wunsch daher kam: Ein Dorfladen wäre schön. In Mittergars sperrte der letzte Kramerladen 1989 zu, so waren die Dorfbewohner zwar nicht reif für die Insel, aber reif für ein Lebensmittelgeschäft. Über zehn Jahre ohne Nahversorgung, eine mehr als unerfreuliche Situation, gerade auch für alte Menschen ohne Mobilität. Im Rahmen der Dorferneuerung rührte sich dann was in Sachen Lebensmittelgeschäft. Ein Arbeitskreis wurde gebildet und daraus entwickelte sich letztendlich der Dorfladen.
Die meisten Mittergarser zeichneten Anteile und gehören so seither zur großen Dorfladen-Familie. Ein Beirat wurde gewählt und Irmgard Strauß zur Vorsitzenden bestimmt. „Die ersten Kunden bedienten wir am 27. September im Jahr 2000“, erinnert sich die Mittergarserin genau und weist gleich auf ein weiteres bedeutsames Datum hin: „Am Sonntag, 5. Oktober, feiern wir unseren 25. Geburtstag. Die Planungen laufen bereits“. Eigentlich wollten die Dorfladen-Leute schon das 20-jährige Bestehen feiern, aber durch die Pandemie fiel dieses Vorhaben ins Wasser.
Das große Engagement von Irmgard Strauß, in ihrem Dorf einen Laden aufzubauen, beäugte ihr Gatte Karl-Heinz anfangs durchaus mit Skepsis. „Ich musste Überzeugungsarbeit leisten“, gesteht die heute 62-Jährige und ergänzt: „Die Idee, für Mittergars Pionierarbeit leisten zu dürfen, fand ich einfach wahnsinnig spannend“. Beirätin Erika Gottwald lächelt und betont, Irmgard sei seinerzeit so etwas wie der Anlasser eines Autos gewesen. Um das Fahrzeug dann tatsächlich ohne Störungen immer weiter laufen zu lassen, brauche es allerdings ein begeistertes Team, das sich in Mittergars gefunden hätte. Mittlerweile sind acht Verkäuferinnen im Dienst. Unter den acht Beiräten sitzt ein einziger Mann, der sich aber vor der Übermacht der Weiblichkeit nicht ängstigt.
Arbeit und Familie in Einklang bringen
Denkt Irmgard Strauß an die Anfangszeit zurück, so musste sie ihre Dorfladen-Arbeit mit der Familie in Einklang bringen. Ihre damals jüngste Tochter besuchte gerade die erste Klasse. Rückblickend resümiert Strauß: „Unsere Kinder wurden zur Selbstständigkeit erzogen, meine Tätigkeit im Geschäft hat ihnen jedenfalls nicht geschadet“. Die tüchtige Geschäftsführerin pausierte während ihrer Dorfladen-Laufbahn nur einmal für drei Jahre, und zwar als vor 14 Jahren Nachzüglerin Theresa zur Welt kam.
Wenn sich Leidenschaft mit Fleiß und Qualität verbinden, dann kann ein Dorfladen durchaus zum Mittelpunkt des Ortes aufsteigen, wie Mittergars anschaulich vorführt. Das Geschäft punktet mit einem bunt gemischten Sortiment und mit Regionalität sowie mit freundlichem Personal. Was Irmgard Strauß besonders hervorhebt: „Unsere Damen sprühen nur so vor Ideen. Sie zaubern immer wieder fantasievolle Kuchen, neue Aufstrich- und Salatkreationen, was unsere Kunden sehr zu schätzen wissen“. Erika Gottwald schmunzelt ein bisschen, als sie in diesem Zusammenhang aus dem Schmankerlkasten des Ladens einen hausgemachten Senf holt, den sogar ein Senf-Sommelier als besonders schmackhaft bewertete.
Die Damen lieben ihren Laden, in dem auch schon Sascha Hehn seinen Einkaufskorb füllte. Schließlich wohnt der Schauspieler bis heute in Mittergars. Weil das Leben von Irmgard Strauß trotz aller Geschäftsaktivitäten nicht nur aus dem Dorfladen besteht, gönnt sie sich immer wieder kleine Auszeiten. Sie verrät: „Ich verreise gerne mit dem Zug. Anfang März fahre ich nach Hamburg“. Und noch ein anderes Hobby gibt die 62-Jährige preis: Jeden Dienstag geht’s ab ins Schützenheim zum Schafkopfen.
Schafkopfkurse im Geschäft
Wie das Kartenspiel funktioniert, lernte Irmgard Strauß übrigens im Mittergarser Dorfsaal bei einem Schafkopfkurs. „Wir veranstalten in unserem Saal auch selber Festivitäten oder liefern Getränke und Brotzeiten, wenn Konzerte und Theaterstücke aufgeführt werden“, merkt sie an. Was außerdem nicht unerwähnt bleiben darf: Im Jahre 2021 erhielt das Geschäft vom Dorfladen-Netzwerk eine ganz besondere Auszeichnung. Auf der Urkunde prangen vier Sterne, die für Betriebswirtschaftlichkeit, für Regionalität, ideenreiches Marketing und für eine gelungene Teambildung stehen. Insider meinen jedoch, so schön diese Zertifizierung auch ist, die wahren Sterne des Dorfladens sind die ehrenamtlichen Beiräte und das Verkaufspersonal, unter anderem bestehend aus Minijobbern, mit dem Herz am rechten Fleck.

