Fachkräftemangel in der Bildung
Kitas in Westdeutschland haben ein Problem
2023 erreicht die Zahl der Kitas in Deutschland einen neuen Höchststand. In Westdeutschland fehlt dafür das Personal, doch aus Ostdeutschland gibt es gute Nachrichten.
Etwa 700.000 Erzieher arbeiten in über 56.000 Kitas in Deutschland. Die Zahl der pädagogisch tätigen Personen in Kitas steigt ungebrochen an, doch sie reicht nicht. Der Personalbedarf unterscheidet sich allerdings nach Region – das zeigt der „Nationale Bildungsbericht“.
Der Personalbedarf in der frühen Bildung in Ostdeutschland ist demnach durch Neuzugänge aus Ausbildung inzwischen „weitgehend gedeckt“. Doch die Situation in Westdeutschland sei nach wie vor kritisch: Hier prognostiziert der Bericht noch bis zum Jahr 2035 eine Personallücke.
Kitaplatz-Bedarf „insbesondere in Westdeutschland“
Die Teilnahme an Kindertagesbetreuung und frühen Bildung wirkt sich positiv auf die kindliche Entwicklung aus. Dies werde durch internationale, aber auch deutsche Studien bestätigt, hieß es 2023 in einer Stellungnahme des Deutschen Jugendinstituts. Dabei können Kitas herkunftsbedingten Ungleichheiten entgegenwirken, ein Ausweg aus Armut sein und Chancengerechtigkeit verbessern.
Eltern, die im Osten einen Kitaplatz suchen, haben bessere Chancen als in Westdeutschland: „Aufgrund steigender Kinderzahlen und einer anhaltenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist insbesondere in Westdeutschland bis 2035 mit einem zunehmenden Platzbedarf zu rechnen“, heißt es im Bildungsbericht. Er wird alle zwei Jahre auf Basis statistischer Daten und sozialwissenschaftlicher Studien erstellt.
Ihm zufolge besuchen etwa 900.000 Kinder mehr als noch 2006 ein Angebot der frühen Bildung. Trotzdem können noch immer nicht alle Elternwünsche nach einem Platz erfüllt werden. Insbesondere bei den Ein- und Zweijährigen, der Altersgruppe mit Rechtsanspruch auf einen Platz, decke das Angebot den Bedarf der Eltern nicht.
Kitas in Ostdeutschland: Mehr Grundschulkinder nehmen an Ganztagsbetreuung teil
Kinder in Ostdeutschland gehen deutlich früher in die Kita als in Westdeutschland, zeigt der Bildungsbericht. Auch in der Grundschule gibt es regionale Unterschiede: „In Ostdeutschland nehmen mit 84 Prozent deutlich mehr Grundschulkinder an ganztägiger Bildung und Betreuung teil“, heißt es im Bericht.
An Halbtagsschulen jage eine Schulstunde die nächste, es fehle Zeit für Austausch, Mitbestimmung und Spaß. „Schule in der schlimmsten Form“, sagt Helmut Klemm BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Er ist Schulleiter einer „voll gebundenen Ganztagsschule“ in Bayern. Daten der Kultusministerkonferenz (KMK) zeigen: 2020 hatten 19.041 Schulen (71 Prozent) ein Ganztagsangebot. Die meisten von ihnen gehören zur Schulform „offene Ganztagsschule“, in der Kinder auf Wunsch an ganztägigen Angeboten teilnehmen können.
2026 kommt stufenweise ein Rechtsanspruch für Kinder im Grundschulalter auf ein ganztägiges Angebot. In Westdeutschland nimmt bereits die Hälfte aller Eltern so ein Angebot in Anspruch. Es wünschen sich jedoch 58 Prozent. In Ostdeutschland ist auch hier die Lücke kleiner: 88 Prozent der Eltern wünschen sich ein Ganztagsangebot, 84 Prozent der Grundschulinder nehmen an ganztägiger Bildung und Betreuung teil.
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