Kurz vor Fristende
Landratsamt betont „Tragweite“: Schon etliche Stellungnahmen zum Adelholzener-Antrag
Der Wasserrechts-Antrag der Firma Adelholzener aus Siegsdorf polarisiert seit Monaten: bis 2050 will man weiter Mineralwasser abfüllen. Die Entscheidung darüber trifft das Landratsamt - auch zur Menge und den Bedingungen. Noch bevor die letzte Frist abläuft, gibt es schon jetzt etliche Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit. Wir geben Euch den Überblick.
Siegsdorf/Bergen/Traunstein - 1,59 Millionen Kubikmeter Wasser, so viel darf Adelholzener Jahr für Jahr aus den Quellen holen - und so viele sollen es auch in den nächsten zehn Jahren sein. Der Siegsdorfer Mineralbrunnen hat beim Landratsamt Traunstein bis 2036 wieder diese Entnahmemenge beantragt, danach nur noch 1,29 Millionen Kubikmeter jährlich. Dieser „Antrag auf beschärnkte wasserrechtliche Erlaubnis“ ging voriges Jahr bei der Kreisbehörde ein, noch bis 9. Februar können die Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen dazu abgeben. Und das Interesse, mitzureden, ist groß.
Schon 18 Stellungnahmen zu Adelholzener beim Landratsamt
Insgesamt 18 Stellungnahmen sind beim Landratsamt zum Adelholzener-Antrag schon eingegangen, heißt es auf Nachfrage von chiemgau24.de. Privatpersonen oder Verbände mussten damit schon bis zum 9. Januar fertig sein. Mit dabei ist die 26-seitige Stellungnahme der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“. Sie umfasst auch zwölf Konkrete Forderungen ans Landratsamt. „Die Stellungnahme der Bürgerinitiative enthält eine Unterschriftenliste mit 190 Unterstützern“, so Michael Reithmeier, Pressesprecher der Kreisbehörde. Auch der „Bund Naturschutz“ hat eine Stellungnahme beim Landratsamt abgegeben.
Namentlich bekannt sind außerdem noch der Bayerische Bauernverband, die Kreisstraßenverwaltung, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, das Amt für Ernäherung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Gemeinden Siegsdorf, Grabenstätt und Ruhpolding, von denen bereits Stellungnahmen eingegangen sind. Auch der Bergener Gemeinderat hat seine Position jüngst beraten und nach Traunstein geschickt. „Die Stellungnahmen werden derzeit gesammelt und strukturiert“, so Reithmeier. Fachlich geprüft werden sie erst nach dem 9. Februar. Wann die Entscheidung des Landratsamts über den wasserrechtlichen Antrag von Adelholzener fallen wird, lasse sich derzeit noch nicht sagen.
Landratsamt betont „Bedeutung und Tragweite“ des Verfahrens
„Bei einem Verfahren dieser Bedeutung und Tragweite lässt sich Landrat Andreas Danzer regelmäßig über den Stand des Verfahrens unterrichten“, heißt es aus dem Landratsamt. Interessant auch: die Möglichkeit für Eingaben wird häufiger genutzt als früher. „Im wasserrechtlichen Verfahren für die Brunnen A3 und A4 in den Jahren 2009 und 2010 gingen drei Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit ein.“ In den früheren Erlaubnisverfahren war noch gar keine Öffentlichkeitsbeteiligung erforderlich.
Zuletzt hat der Bergener Gemeinderat seine Stellungnahme zum Adelholzener-Antrag auf den Weg gebracht. In der Kommune am Hochfelln ist die Thematik wohl am meisten umkämpft. Der Großteil des Wassers, das die Firma aus der Tiefe holt, lagerte zuvor unter Bergener Grund. Die Stellungnahme Bergens, 20 Seiten lang, spricht sich weder für eine Ablehnung, noch für eine Zustimmung zum wasserrechtlichen Antrag aus. Aber man kommt dort zum Schluss: das Grundwasser stehe schon jetzt „unter Stress“. Es werde mehr Wasser entnommen, als es fürs System gut sei. Das Trinkwasser, das sich neu bildet, werde immer weniger. Nicht allein Adelholzener sei dafür aber verantwortlich, sondern vor allem auch ausbleibende Niederschläge.
Bergen fordert regelmäßige Überprüfungen
Der Bergener Gemeinderat fordert vom Landratsamt: Adelholzener soll zweimal im Jahr die Wasserstände melden, um zu sehen, ob sich das System erholt. Es wird ein Monitoring mit Berichtssystem vorgeschlagen. Nach zehn Jahren möchte die Gemeinde eine Überprüfung und Fortschreibung der wasserrechtlichen Grundlagen anhand der Monitoring-Daten. „Seit 2019 leben wir über unsere Verhältnisse“, sagte Bürgermeister Stefan Schneider mit Blick aufs Grundwasserreservoir. Kürzer fasste man sich im Gemeinderat von Siegsdorf, dem Betriebssitz von Adelholzener. Dort hat man keine grundsätzlichen Bedenken zum wasserrechtlichen Antrag.
Die Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“ ist der Meinung: Der Mineralbrunnen entnimmt mehr Wasser, als sich neu bildet. Maximal 750.000 Kubikmeter Entnahme aus dem Tiefengrundwasser jährlich, mehr soll Adelholzener nicht zugestanden werden. Überhaupt solle es nicht eine gesamte Fördergrenze für den Adelholzener-Bedarf geben, sondern für jeden der sechs Brunnen einzeln. Die Bürgerinitiative erhofft sich auch eine breitere Palette an Sanktionsmöglichkeiten für das Landratsamt. Also Ordnungsgelder oder eine Reduzierung der Entnahmemengen. Denn die einzige mögliche Sanktion sei bisher, dem Betrieb die Erlaubnis zum Pumpen komplett zu streichen - und das will auch „Unser Bergener Wasser“ nicht.
Wie Adelholzener auf Forderungen reagiert
Der Antrag von Adelholzener beim Landratsamt umfasst ganze 300 Seiten. Die meisten der Forderungen der Bürgerinitiative seien seit langem erfüllt, so das Unternehmen auf eine Anfrage von chiemgau24.de vorigen Dezember. Das jahrzehntelange Monitoring der Quellen sei den Fachbehörden „immer zugänglich“. Und es belege: Die gemessenen Wasserstände seien seit 1977 unverändert - sowohl bei oberflächennahen Gewässern, als auch der Grundwasserspiegel. „Dauerhaft wird mehr Wasser neu gebildet, als durch Adelholzener entnommen wird“, heißt es vonseiten des Unternehmens mit 700 Angestellten.
Andere der Forderungen der Bürgerinitiative seien dagegen „illusorisch und nicht leistbar“. Zum Beispiel die geforderte Entnahme von maximal 750.000 Kubikmetern jährlich. Damit könne der Wirtschaftsbetrieb nicht erhalten werden. „Das hätte den massiven Abbau von Arbeitsplätzen und ein Ende der Gewerbesteuerzahlungen zwangsweise als Konsequenz.“ Auch der Betrieb von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen könnte im heutigen Umfang nicht mehr aufrechterhalten werden. Durch moderne Abfüllanlagen und Millionen-Investitionen habe Adelholzener in den vergangenen Jahren den Bedarf an Brauchwasser bereits „signifikant reduziert“ - und der Bedarf werde durch den aktuellen Umbau des Werkes weiter sinken. (xe)

