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Gemeinderat Siegsdorf

„Zerstörung des Wintersports am Wolfsberg“? So endet der Streit um den Traditions-Skilift

Der Wolfsberlift mit dem Funktionsgebäude, wie er sich am Montagvormittag bei etwa zwei Zentimeter Schneeauflage präsentierte.
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Der Wolfsberglift mit dem Funktionsgebäude, wie er sich bei etwa zwei Zentimeter Schneeauflage präsentierte.

Der Gemeinderat in Siegsdorf hat nach teils emotionaler Diskussion über die Zukunft des Wolfsberg-Skilifts entschieden. Was nun passiert.

Siegsdorf – Mit einem Mehrheitsbeschluss (17:4) für die vorgelegten Beschlussvorschlag zur „Rückabwicklung des Wolfsberg-Skiliftes“ brachte der Siegsdorfer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eine zuvor sehr angeregte und emotional aufgeladene Debatte zum Abschluss.

Eröffnet worden war das Thema bereits zu Sitzungsbeginn vor mehr als 50 Besuchern durch einen Antrag von Dr. Jürgen Leikert (CSU). Er stellte einen Antrag zur Absetzung des Themas von der Tagesordnung, weil nach Meinung der CSU-Fraktion noch verschiedene grundsätzliche Dinge zu klären seien und er das Thema dem künftigen Gemeinderat überlassen wolle.

Antrag zur Absetzung des Themas scheitert

Bürgermeister Thomas Kamm verwies dazu auf die andauernden Beratungen die seit 2023 das Gremium beschäftigen und erinnerte an den einstimmigen Beschluss des Gemeinderates vom 7. Oktober 2025, mit dem dem früheren Pächter die mobilen Skiliftanlagen (Beschneiungsgeräte, Bügel, Werkzeuge) abgelöst und zum Verkauf freigeben wurden. Mit 15:6 Stimmen entschloss sich daraufhin das Gremium gegen die Absetzung des Thema.

Bürgermeister Kamm ging bei der Behandlung des Themas auf ein anonymes Plakat ein, das derzeit vor der Liftanlage aufgebaut wurde und auf dem der Bürgermeister und die UW-Fraktion für die „Zerstörung des Wintersport am Wolfsberg“ verantwortlich gemacht werden. Er bezeichnete diese „bewusst verantwortungslose Vorgehensweise“ als äußerst fragwürdig und gab dann einen kurzen Einblick in die Historie des Liftes seit Beginn im Jahr 1971.

Bereits 1991 kaufte sich die Gemeinde nach finanziellen Schwierigkeiten der privaten Betreibergesellschaft in die Wolfsberg-Skilift-GmbH ein und übernahm 1995 auch die restlichen Anteile. Nach dem Bau der Beschneiungs-Anlage und der Auflösung der GmbH konnte 1999 ein verlässlicher Pächter gefunden werden, der dann bis 2023 mit viel Herzblut versuchte, einen geregelten Liftbetrieb auf die Beine zu stellen. 2019 hoffte die Gemeinde, mit der Verlängerung der Pachtverträge um weitere zehn Jahre, den Lift erhalten zu können. Klimaveränderungen mit Inversionslagen die Beschneiung verhinderten, schwierige Bodenverhältnisse und zu kurze Kälteperioden zerstörten diese Hoffnungen und entnervten den Pächter ebenso, wie dubiose Anschuldigungen aus verschiedensten Richtungen.

Nach der Kündigung des Pächters vor zwei Jahren wurden von der Verwaltung viele Gespräch mit den Grundeigentümern, dem Pächter und fachkundigen Personen geführt und der Liftbetrieb öffentlich ausgeschrieben, stellte der Bürgermeister klar. Der einzige seriöse Bewerber hätte aber aus wirtschaftlichen Gründen auf einem Ganzjahres-Betrieb mit Sommer- und Wintersaison bestanden, der aber unisono von den Grundeigentümern ausgeschlossen worden sei.

In der Diskussion betonte Dr. Jürgen Leikert (CSU) noch einmal, es mache Sinn weitere Gespräche zu führen und alternative Konzepte zu erarbeiten. Es sei geboten diese Diskussion mit dem künftigen Gemeinderat zu führen. Lösungen für die Zukunft seien allemal besser als ein Rückbau für alle Zeiten, betonte Leikert, stellte aber auch fest, dass es ohne künstliche Beschneiung nicht funktionieren werde, der Kunstschnee aber auch für die Loipe in Eisenärzt verwendet werden könnte.

„Weitere Investitionen wollen wir nicht“, stellte Willi Geistanger für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fest. ‚„Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten und eine Beschneiung in dieser Höhenlage nicht sinnvoll“, und betonte, die Fraktion werde für den Rückbau der Liftanlagen stimmen, aber es sollte möglich sein einen Teil der Parkflächen zu erhalten, um bei entsprechenden Verhältnissen den Bürgern freies Rodeln zu ermöglichen.

„Alle haben aus eigenen Erfahrungen ein emotionales Verhältnis zum Wolfsberglift“, stellte Ludwig Geisreiter (UW) fest, aber wird sind kompetent genug, jetzt eine Entscheidung zu treffen. Langfristig wird ein Weiterbetrieb nicht funktionieren und ist somit auch nicht wirtschaftlich, war er sich mit Dr. Christin Gerhart (BfS) einig. „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder investiert um den Lift am Leben zu erhalten, aber jetzt sprechen zu viele Dinge dagegen“, betonte dieser und verwies auf die Veränderungen des Klimas, die fehlenden Betreiber und die berechtigten Interessen der betroffenen Grundstückseigentümer.

Dazu forderte Dr. Christin Gerhart von den Kollegen aber auch etwas mehr Zurückhaltung mit Kommentaren in den sozialen Medien und forderte wieder mehr Respekt gegenüber den Mandatsträgern und ihrer Arbeit ein.

Auch für Hubert Wolff (CSU) stellt sich ein weiterer Liftbetrieb als schwierig dar, er möchte die bestehende Infrastruktur „Parkplatz“ der das ganze Jahr über vielseitig genutzt werde, aber wenn möglich erhalten. Stephanie Buchner (UW) zeigte sich als Führungsmitglied der TSV-Skiabteilung ebenfalls traurig über die Entwicklung, die aber wohl nicht zu ändern sei und erinnerte daran, dass eine mögliche Beschneiung der Loipe in Eisenärzt bereits geprüft werde.

Bürgermeister Kamm betonte abschließend, dass der vorgelegte Beschluss Verhandlungen über weitere Nutzungen und Kostenermittlungen einschließe. Mit den Grund-Eigentümern, die ihre Grundstücke seit über 50 Jahren zur Verfügung stellen, sollte respektvoll umgegangen werden, damit die Verträge sauber abgewickelt werde könnten, betonte er und legte dann folgenden Beschluss vor.

Vier Gegenstimmen im Gremium

„Der Gemeinderat beschließt im Rahmen der Rückabwicklung des Wolfsberg-Skilift folgende weitere Vorgehensweise: Rückbau der immobilen technischen Anlagen (Stützen, Fundamente, Schleppseile, Prallwand, Kühlturm, technische Anlagen im Gebäude) - Veräußerung der technischen Skiliftanlagen soweit möglich in einer Zollauktion – Einhaltung der Erklärungen der Verpächter bezüglich des Abbaues der Stützen mit Fundamenten – Wertermittlung des Skiliftgebäudes“.

Mit den Gegenstimmen von Dr. Jürgen Leikert, Christina Haas, Hubert Wolff (CSU) und Maximilian Mader (UW) schloss sich der Gemeinderat mehrheitlich dem Beschlussvorschlag der Verwaltung an.

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