Holt die Firma zu viel Wasser aus der Tiefe?
Jetzt stellt Bergener Bürgerinitiative klare Forderungen auf – und Adelholzener reagiert sofort
Adelholzener will seine Erlaubnis zur Wasserentnahme bis 2050 verlängern. Die Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“ fürchtet, dass immer weniger Trinkwasser für die Allgemeinheit übrig bleibt. Jetzt hat sie ihren Forderungskatalog vorgestellt. Adelholzener hält dagegen und spricht von „Verwirrung“, die gestiftet würde. Worum es genau geht.
Bergen/Siegsdorf/Staudach-Egerndach - Das Interesse ist ungebrochen: Rund 140 Menschen kamen am Mittwochabend (17. Dezember) in den Bergener Festsaal - denn bald, am 9. Januar, endet die Frist, um dem neuen Antrag des Mineralbrunnens Adelholzener beim Landratsamt etwas entgegenzusetzen. Sarina und Kai-Oliver Kraft von der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“ haben den Adelholzener-Antrag durchgearbeitet, der 300 Seiten stark ist, und daraus die Forderungen der Bürgerinitiative abgeleitet. „Es wird mehr Wasser entnommen, als sich neu bildet“, fasste Sarina Kraft die Befürchtungen zusammen.
Bürgerinitiative will Adelholzener nicht mal halb so viel Wasser zugestehen
Bis zu 1,59 Millionen Kubikmeter jährlich will Adelholzener aus den Quellen holen - so viel wie bisher. Ab 2036 werden nur noch 1,29 Millionen Kubikmeter beantragt. Aber sechs Brunnen statt bisher fünf sollen das Wasser liefern, vor allem aus dem Bergener Moos. Der sechste Brunnen wurde erst 2024 fertig. „Das führt zu Wasserstress“, so Sarina Kraft. Geht es nach der Bürgerinitiative, soll es nicht einmal halb so viel sein: Maximal 750.000 Kubikmeter Gesamtentnahme jährlich aus dem Tiefengrundwasser, das ist die Hauptforderung. Überhaupt solle es nicht eine gesamte Fördergrenze für den Adelholzener-Bedarf geben, sondern für jeden der sechs Brunnen einzeln. „Sonst ist es möglich, einzelne Brunnen zu überlasten.“
Die Bürgerinitiative will das Siegsdorfer Unternehmen nicht am Abfüllen hindern - aber es solle wesentlich sparsamer mit dem sogenannten Brauchwasser umgehen. Es wird zum Beispiel zum Reinigen und Spülen der Flaschen hergenommen. Obwohl es die gleich gute Qualität wie das abgefüllte Wasser hat, landet es danach nur im Chiemsee. Auf einen Liter Mineralwasser in der Flasche kommen laut Adelholzener 1,3 Liter Brauchwasser, nach den Berechnungen der Bürgerinitiative 1,7 Liter. „Im neuen Antrag denkt man zu wenig an technische Alternativen“, so Kai-Oliver Kraft. Das Brauchwasser könnte auch gefiltert und mehrmals hergenommen werden.
Adelholzener-„Notfallpläne“ im Weißachental?
Schielt Adelholzener auch schon auf neue Quellen im Weißachental zwischen Hochfelln und Hochgern? Konkrete Pläne zum Bau eines Brunnens gibt es im neuen Antrag nicht. Aber das hintere Weißachental wird von Adelholzener dort als „künftige Alternative“ bezeichnet. Das Volumen liegt bei bis zu 1,46 Millionen Kubikmetern. Die Menge übersteige den Bedarf an Brauchwasser zwar „bei weitem“, aber sie „gewährleistet eine langfristig sichere Versorgung“, heißt es im Adelholzener-Antrag. Das Weißachental sollte die „Notfallreserve“ für die Gemeinde Bergen sein, falls sie ein zweites Trinkwasser-Standbein braucht, meint dagegen die Bürgerinititative. Schon jetzt würden sich bestimmte Algen, Moose und Pflanzen - „Nässeanzeiger“ - schlechter entwickeln als früher, meint Kai-Oliver Kraft.
Der wasserrechtliche Antrag von Adelholzener
- Der Antrag von Adelholzener ans Landratsamt Traunstein im Wortlaut
- Die Forderungen der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“
Die Bürgerinitiative fordert von Adelholzener auch mehr Transparenz. Die genauen Fördermengen der bisherigen fünf Brunnen seien ein Betriebsgeheimnis. Das Landratsamt solle dem Unternehmen aber ein umfangreiches Monitoring auferlegen, mit einer automatischen Übermittlung der Entnahmemengen an die Behörden. „Sie lesen bisher selbst ab - und das ist ein Fehler im System“, umschrieb es Sarina Kraft. Wichtig wäre außerdem ein regelmäßiger Bericht über das Alter des Tiefengrundwassers. Damit hätte man einen „wichtigen Indikator, ob überfördert wird oder nicht“, so Kraft.
Bürgermeister: „Im Katastrophenfall muss unser Trinkwasser Vorrang haben“
Angesichts des Klimawandels seien Genehmigungen über 25 Jahre auch zu lang. Und: Das Landratsamt bräuchte mehr Sanktionsmöglichkeiten, so eine weitere Forderung der Bürgerinitiative - Ordnungsgelder oder eine Reduzierung der Entnahmemengen. Denn die einzige mögliche Sanktion sei bisher, Adelholzener die Erlaubnis zum Pumpen komplett zu entziehen. „Und den Betrieb schließen, das will natürlich keiner“, so Sarina Kraft. Sie betonte aber mehrmals, mit Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) schon positive Gespräche geführt zu haben: „Mit dem Landratsamt pflegen wir eine freundschaftliche Zusammenarbeit.“
Der Bergener Gemeinderat hat für seine Stellungnahme zum Adelholzener-Antrag noch etwas länger Zeit, bis zum 9. Februar. „Im Katastrophenfall muss unser Trinkwasser auch in Zukunft Vorrang vor betrieblichen Interessen haben“, machte Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne) auf der Veranstaltung klar. Zum Vergleich: Die Gemeinde Bergen verbraucht jährlich 230.000 Kubikmeter Wasser, ungefähr das Siebenfache wird Adelholzener zugestanden. Im Antrag entgegnet Adelholzener: Das geförderte Grundwasser sei ohnehin kein Teil einer „eisernen Reserve“, sondern Bestandteil des regulären Wasserkreislaufs. Denn das Tiefengrundwasser unter dem Bergener Moos speise sich aus den Niederschlägen über dem alpinen Gebiet im Süden.
Adelholzener: Manche Forderungen schon erfüllt, andere „illusorisch“
Auf Nachfrage von chiemgau24.de äußert sich das Unternehmen zu den Forderungen. Die Bürgerinitiative habe auf der Info-Veranstaltung am Mittwoch „Verwirrung gestiftet und Desinformation verbreitet“, so eine Unternehmenssprecherin. Die meisten der Forderungen seien seit langem erfüllt. Das jahrzehntelange Monitoring der Quellen sei den Fachbehörden „immer zugänglich“. Und es belege: Die gemessenen Wasserstände seien seit 1977 unverändert - sowohl bei oberflächennahen Gewässern, als auch der Grundwasserspiegel. „Dauerhaft wird mehr Wasser neu gebildet, als durch Adelholzener entnommen wird“, heißt es vonseiten des Unternehmens mit 700 Angestellten.
Andere der Forderungen der Bürgerinitiative seien dagegen „illusorisch und nicht leistbar“. Zum Beispiel die geforderte Entnahme von maximal 750.000 Kubikmetern jährlich. Damit könne der Wirtschaftsbetrieb nicht erhalten werden. „Das hätte den massiven Abbau von Arbeitsplätzen und ein Ende der Gewerbesteuerzahlungen zwangsweise als Konsequenz.“ Auch der Betrieb von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen könnte im heutigen Umfang nicht mehr aufrechterhalten werden. Durch moderne Abfüllanlagen und Millionen-Investitionen habe Adelholzener in den vergangenen Jahren den Bedarf an Brauchwasser bereits „signifikant reduziert“ - und der Bedarf werde durch den aktuellen Umbau des Werkes weiter sinken. (xe)


