*Mit Voting zur Stichwahl am 13. Juli*
Überraschungen, Ausreißer, Hochburgen: Spannende Details zur Traunsteiner Landratswahl
Die erste Runde der Traunsteiner Landratswahl ist geschlagen: Wir haben uns die Ergebnisse quer durch den Landkreis genau angesehen - wo liegen die Hochburgen der Kandidaten? Wer überraschte und wer enttäuschte? *Mit Voting zur Stichwahl*
Landkreis Traunstein - Von der 50-Prozent-Marke war auch der Stimmenstärkste bei der Traunsteiner Landratswahl am Sonntag (29. Juni) himmelweit entfernt, also kommt es zur Stichwahl am 13. Juli: Martin Lackner (CSU) und Andreas Danzer (Freie Wähler) werden sich dann noch einmal gegenüberstehen. Lackner hatte mit 32,9 Prozent klar die Nase vorn, Danzer holte 20,1 Prozent - aber ebenfalls mit einem soliden Abstand auf den drittplatzierten Christian Kegel von der SPD mit 14,4 Prozent.
Eine Stichwahl zwischen Lackner und Danzer dürfte auch zuvor als die wahrscheinlichste Konstellation gegolten haben. Dass Traunsteins Altoberbürbermeister Kegel aber einen unangefochtenen dritten Platz macht, war so wohl nicht zu erwarten. „Den dritten Platz für die SPD und mich erreicht zu haben, empfinde ich sehr achtbar“, so Kegel via Facebbok. Und dass der parteilose „Newcomer“ Hans Wembacher auf Anhieb auf knapp zehn Prozent kommt, ebenso. Wembacher hat damit den AfD-Kandidaten Sebastian Gruttauer auf Platz 5 verdrängt.
AfD, Grüne und Bayernpartei hätten sich mehr erhofft
Bei der Bundestagswahl im Februar holte die AfD noch 18 Prozent an Erststimmen, jetzt reichte es gerade mal für die Hälfte. „Wir haben uns mehr erhofft“, so Gruttauer in einem Video-Statement. Auch Sepp Hohlweger von den Grünen und Heinz Wallner (Bayernpartei) dürften sich mehr erwartet haben. Hohlweger blieb mit 7,7 Prozent klar unter seinem Ziel eines zweistelligen Ergebnisses. Und Wallner kam gerade mal auf 2,6 Prozent. 2014 kandidierte der Chieminger schon einmal und schaffte damals noch über sieben Prozent.
Lackner mit 73,5 Prozent in Engelsberg, Danzer gewinnt vier Gemeinden
Das mit Abstand herausragendste Ergebnis holte Lackner in seiner Heimatgemeinde Engelsberg, in der er auch Bürgermeister ist. 73,5 Prozent wählten ihn dort. Im äußersten Norden war der CSU-Kandidat auch in Tacherting mit gut 56 Prozent und in Schnaitsee mit 53 Prozent stark. Schwer hat es die CSU traditionell in Traunstein, auch Lackner holte dort nur knapp 23 Prozent, genauso wie in Vachendorf. In Grabenstätt, der Heimat von Konkurrent Danzer, holte Martin Lackner nur 20 Prozent, das schwächste aller Gemeinde-Ergebnisse.
Bei Andreas Danzer verhält es sich genau umgekehrt: das beste Ergebnis mit 49,7 Prozent in Grabenstätt und das schlechteste mit 9,1 Prozent in Engelsberg. Aber auch in Ruhpolding, Siegsdorf und Vachendorf hatte der Kandidat der Freien Wähler die Nase vorn. Im äußersten Norden des Landkreises - Schnaitsee, Tacherting, Tittmoning - machte Danzer nur zwischen elf und zwölf Prozent. Christian Kegel (SPD) erzielte erwartungsgemäß in Traunstein sein bestes Ergebnis, aber nicht nur das: Mit 26,8 Prozent war er dort auch die Nummer 1. In Nußdorf, Bergen und Surberg holte Kegel über 18 Prozent, die schlechtesten Ergebnisse fuhr er in Reit im Winkl und Engelsberg ein.
Kegel in Traunstein vorn, Wembacher in Waging
Traunreut ist bei Wahlen normalerweise eine Hochburg der AfD - diesmal aber nicht. Mit gut elf Prozent holte Landratskandidat Sebastian Gruttauer dort nur etwas mehr als im Schnitt mit neun Prozent. 20 Prozent waren es dagegen in Tittmoning. In Törring, wo Gruttauer lebt, sogar 30,7 Prozent und damit gleichauf mit CSU-Kandidat Lackner. Zumindest über zwölf Prozent holte Gruttauer noch in Staudach-Egerndach und Kirchanschöring, am wenigsten Wähler hatte er in Nußdorf mit 5,3 Prozent sowie in Traunstein und Seeon-Seebruck.
Auch Hans Wembacher konnte eine Gemeinde für sich „gewinnen“: In Waging, wo Wembacher aufwuchs, sammelte er fast 27 Prozent aller Wählerstimmen. Überhaupt holte er in den Gemeinden rund um den Waginger See die besten Ergebnisse, in Petting zum Beispiel 18,5 Prozent. In Tacherting, Kienberg und Engelsberg blieb Wembacher dagegen unter fünf Prozent. Grünen-Kandidat Sepp Hohlweger holte sein bestens Ergebnis erstaunlicherweise nicht in seiner Heimatgemeinde Ruhpolding, sondern in Reit im Winkl mit 12,3 Prozent. Und obwohl Heinz Wallner (Bayernpartei) insgesamt nur auf 2,6 Prozent kam, waren es in Chieming 15,6 Prozent.
Niedrige Wahlbeteiligung - vor allem in Traunreut
Fest steht aber auch: die Mehrheit blieb am Sonntag der Wahlurne fern. Nur 42,4 Prozent stimmten ab. Die relativ geringe Wahlbeteiligung dürfte auch damit zu tun haben, dass die Landratswahl von der Kommunalwahl mit Kreistag und Gemeinderäten ausnahmsweise abgekoppelt war. Wie so oft war die Wahlbeteiligung in Traunreut am niedrigsten, dort wählten nur 26,6 Prozent. Am höchsten war die Wahlbeteiligung mit 59,2 Prozent in Engelsberg. Dass Bürgermeister Lackner zur Wahl stand, dürfte ein Mobilisierungsfaktor gewesen sein. (xe)

