Vorbereitung auf den Sommer
Seeon-Seebruck und die Stechmückenplage: Nimmt die Gemeinde den Kampf wieder auf?
Für Wiesenmücken, die fiesen Biester, sind Überschwemmungsgebiete wahre Brutstätten-Paradiese. Für Chiemsee-Urlauber und -Anwohner sind die Insekten eine Plage. Die Gemeinde Seeon-Seebruck war ausgestiegen aus dem Kampf gegen die Plage. Und der Gemeinderat diskutierte jetzt, ob es dabei bleibt.
Seeon-Seebruck – Die sogenannte Überschwemmungs-Mücke vermehrt sich explosionsartig. Die unliebsamen Plagegeister legen ihre Eier in den überschwemmten Gebieten ab und wenn sich das Wasser zurückzieht, bleiben die Eier über Jahre hinweg im Boden liegen. Beim nächsten Hochwasser entwickelt sich dann ein Teil dieser Eier wieder.
Vor sechs Jahren ist die Gemeinde aus der Kooperationsvereinbarung des Abwasser- und Umweltschutzverbandes (AUV) zur Bekämpfung der Stechmücke ausgetreten. Aufgrund der Mückenplage im vergangenen Jahr hatte die CSU-Fraktion in der Julisitzung 2024 angeregt, einen Wiedereinstieg in die Kooperation mit dem AUV zu überdenken. Daraufhin wurde dem Gemeinderat eine Übersichtskarte mit allen potenziellen Flächen, in denen eine Bekämpfung nach den gesetzlichen Vorgaben stattfinden kann, aufgezeigt. Die Kosten konnten damals nur geschätzt werden.
Nach den aktuellen Berechnungen des AUV würden sich die Kosten im Falle eines Einsatzes pro Maßnahme bei 8000 Euro bewegen. Weiter teilte die Verwaltung mit, dass sich ab 2026 die Kostenberechnungsgrundlage zur Bekämpfung der Stechmücke ändern werde. Der AUV beabsichtige, die Kostenverteilung im Verhältnis 70 Prozent Einwohner und 30 Prozent der tatsächlich bekämpften Fläche abzurechnen.
Empörung im touristischen Sektor
Das Aus der Stechmückenbekämpfung hatte in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen und auch aus dem touristischen Sektor kam viel Empörung. Auch auf den Internetportalen wurde das Thema hochgekocht. Damals wie heute lehnen die Grünen eine Bekämpfung der Überschwemmungsmücke ab und geben als Begründung an, dass auch Stechmücken zur Tierwelt gehören und Nahrungsgrundlage für Vögel oder Fische sei. Man greife hier in die Nahrungskette der Tierwelt ein. Die Mücke sei ein harmloses Wesen, sagte die Vertreterin der Grünen, Michaela Losbichler.
Kein Bakterium zu spritzen, das die Larven der Mücken abtötet, der Meinung sind auch Andreas Niedermaier und Martha Gruber (beide FW). Als Argumentation gaben sie an, dass das Gemeindegebiet aufgrund der relativ kleinen Flächen, auf denen gespritzt werden dürfte, keinen Nutzen davon habe. Die Vertreter der CSU-Fraktion wollen sich vor allem mit den Nachbar-Chiemseegemeinden, die sich der Kooperation angeschlossen haben, solidarisch erklären. Die Gemeinde habe auch nichts davon, wenn die Terrassen der Gasthäuser leer seien, räumte Sepp Daxenberger ein. „Mein Vermieter- und Gastgeberherz schlägt da etwas höher“, sagte Thomas Reitmeier. Auch er lehnte sich seinem Vorredner an, sollte es so weit kommen, dass gespritzt werden müsse.
Gastro und Anwohner leiden
Nicht nur die Gastronomie sondern auch die Bürgerinnen und Bürger würden extrem unter der Stechmücke leiden, sagte Dritte Bürgermeisterin Dr. Christine Kosanovic (FW). „Das ist für die Leute wirklich schlimm. Ich bin für die Wiedereinführung. Wir tun damit nicht nur den Gästen sondern auch den Einheimischen einen Gefallen.“
Zweiter Bürgermeister Norbert Maier (FW) klärte auf, dass erst gespritzt werde, wenn übermäßig viele Mücken zu erwarten seien. Insofern entstünden auch erst dann tatsächlich Kosten. Der Gemeinderat entschied sich mit acht gegen sieben Stimmen, dem AUV wieder beizutreten.