Schutz- und Erhaltungsziele fallen über Bord
„Rettet den Malerwinkel“: Protest gegen „Ausverkauf der Heimat“ - Wird der Neubau zur Hotelruine?
Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung sowie die Initiativgruppe „Rettet den Malerwinkel“ sprechen sich bei ihrer After-Christmas-Party in Lambach gegen den geplanten Neubau der „meine Volks-/Raiffeisenbank EG Rosenheim“ aus. Kritik gab es auch am Gemeinderat Seeon-Seebruck.
Seeon-Seebruck – Kritiker des neuen Malerwinkels trotzten an Heilig Dreikönig dem nass-kalten Wetter und kamen zur angekündigten After-Christmas-Party nach Lambach, zu der der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) und die Initiativgruppe „Rettet den Malerwinkel“ mit übrig gebliebenen Plätzchen, Punsch und Glühwein einluden. Rund 70 Besucher hatten die Veranstalter gezählt. Die Vorsitzende der Gruppe „Rettet den Malerwinkel“, Marion Uber, ist sich jedoch sicher, dass bei besserem Wetter viel mehr Besucher gekommen wären. Viele Gleichgesinnte hätten wegen des schlechten Wetters telefonisch abgesagt, sagte Uber der Chiemgau Zeitung. „Bei schönerem Wetter hätten sicher auch Spaziergänger und Radfahrer Station gemacht.“
„meine Volks./Raiffeisenbank EG Rosenheim“ plant bedeutend größeren Neubau als vorgesehen
Das freie Buffet, an dem sich jeder bedienen konnte, sollte einen absichtlichen Kontrast zum geplanten Oberkassen-Ressort in der romantischen Bucht am nördlichen Seeufer bilden. Wie wiederholt berichtet, stößt der Neubau in der geplanten Dimension auf heftige Kritik. Nach Angaben der Bürgerinitiativen strebt die Bauherrin „meine Volks-/Raiffeisenbank EG Rosenheim“, die das Grundstück 2020 erwarb, einen vielfach größeren Neubau in gehobener Ausstattung an. Daraufhin habe die Gemeinde Seebruck vor einem Jahr ein Verfahren für einen gänzlich veränderten Bebauungsplan eingeleitet. Nach Ansicht der Bürgerinitiativen würden damit allerdings alle bisherigen Schutz- und Erhaltungsziele über Bord geworfen. Der UVA bedauert jedoch, dass der Seeon-Seebrucker Gemeinderat die Stellungnahmen aus dem ersten Beteiligungsverfahren Anfang 2023 bis heute nicht zur Kenntnis genommen hat. Andererseits habe der Gemeinderat im Juli vergangenen Jahres gegenüber der Erstplanung leichte Veränderungen beschlossen.
Bauland vervierfacht sich von 2850 auf 11.800 Quadratmeter
Die Zahl der Zimmer sei von 75 auf 74 reduziert worden, die Gastronomie-Sitzplätze jedoch um 100 erhöht. Ein Tiefgeschoß sei entfallen, dafür seien aber jetzt mehr oberirdische Parkplätze vorgesehen. Unklar seien zum jetzigen Zeitpunkt die Angaben zur Baudichte und Baumasse, zumal die neuen Angaben über die Erstplanung stark von den ursprünglich genannten, abweichen. „Klar ist nur, dass das Bauland von 2850 Quadratmeter auf 11.800 Quadratmeter vervierfacht werden soll“, hieß es in einer aktuellen Pressemitteilung. Wie der Vorsitzende des UVA, Reinhold Schopf, vor den Besuchern erklärte, sei der Verband mit Verspätung in das Thema des relativ großen Unterfangens hineingeschlittert. „Dass der neue Komplex das ganze Grundstück ausfüllt, hat uns nicht gefallen“, sagte Schopf. Es sei das gute Recht der Eigentümerin zu bauen, aber die Zielvorstellungen sollten gut überlegt sein. Die Struktur gebe keine Oberklassen-Gastronomie-Projekte her.
Erholungswerte im Malerwinkel sollen erhalten bleiben
Dass der Malerwinkel ein bisschen größer und moderner werde, sei in Ordnung. „Wichtig ist aber, die Erholungswerte zu erhalten“, so Schopf. Unter Applaus der Kritiker appellierte er an den Gemeinderat, auch die Interessen der Bürger zu wahren. Das Gremium sollte sich nicht als Wasserträger zur Gewinnoptimierung der Investoren hinreißen lassen. Wenn das Rad erst einmal in Bewegung ist, könne es nicht mehr zurückgedreht werden, warnte Schopf. Die Vertreterin der Gruppe „Rettet den Chiemsee“, Helge Holzer, warnte ebenfalls davor, nicht zuzusehen wohin die Reise geht. „Da geht ganz viel anderes kaputt.“ An den Gemeinderat gerichtet, vertreten durch Sepp Daxenberger und Franz Wörndl, appellierte sie, in dem geplanten Projekt nicht nur die Gewerbesteuer zu sehen. Die anwesenden Gemeinderäte wurden daraufhin gebeten Stellung zu beziehen. Daxenberger lehnte jedoch ab und erklärte: „Das ist nicht unsere Veranstaltung, sondern Eure.“ Er werde aber die angesprochenen Kritikpunkte dem Rat unterbreiten, sagte er unserer Redaktion.
Weitere Redner setzen ein Fragezeichen hinter das geplante Projekt
Neben Uber, die sich was „Vernünftiges“ für den Malerwinkel wünscht, was in die Landschaft hineinpasst, meldeten sich weitere Redner, die hinter dem geplanten Projekt ein großes Fragezeichen setzen: „Das Ding rechnet sich nicht.“ „ Die Gemeinde läuft Gefahr einer vierten Hotelruine.“ „Ein Ausverkauf unserer Heimat – Erschreckend wie sich die Gemeinde einlullen lässt.“ Eine Lanze wurde auch für die Initiativen gebrochen: „Es geht hier um engagierte Bürger, die Sorge um ihre Landschaft haben und sich gegen industrielle Strukturen wehren.“