Schon lange stellvertretender Landrat in Traunstein
Danzer (FW) vor Stichwahl: „Landrat werde ich nicht alleine, sondern wir werden Landrat“
Am Sonntag steht im Kreis Traunstein die Landrats-Stichwahl an: Andreas Danzer (Freie Wähler) rührte jetzt in Waging nochmals die Werbetrommel - mit einer Politik für die Bürger und ohne Parteiideologie ist er zuversichtlich, zu gewinnen.
Waging - Die Freien Wähler im Landkreis Traunstein sehen sich für die am kommenden Sonntag (13. Juli) anstehende Stichwahl zur Landratswahl bestens gerüstet. Bei einer gut besuchten Wahlkampf-Veranstaltung im Hotel und Restaurant Eichenhof in Waging am See gaben sie sich am Dienstag zuversichtlich, die rund 13 Prozent Rückstand auf den CSU-Kandidaten Martin Lackner aus dem ersten Wahlgang aufholen zu können.
Je höher die Wahlbeteiligung, umso größer die Chancen für Danzer?
Es gelte aber in den verbleibenden Tagen alles und alle zu mobilisieren, um unentschlossene Wähler ins eigene Lager zu holen und die Nicht-Wählerrate so gering wie möglich zu halten, appellierte der FW-Landratskandidat und -Kreisvorsitzende Andreas Danzer, denn „dann wird es die CSU schwer haben, zu gewinnen“. Eine niedrige Wahlbeteiligung würde hingegen nur seinem Mitbewerber helfen. Laut Danzer habe man sich für den Wahlkampf-Endspurt bewusst die Gemeinde Waging am See ausgesucht, weil einige andere Landratskandidaten dort in der ersten Runde gut abgeschnitten hätten.
Zur Erinnerung: Allein der parteifreie Kandidat Hans Wembacher hatte in seiner Heimatgemeinde fast 27 Prozent und damit die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen können. Wohin diese Wähler nun tendieren könnten, scheint völlig offen zu sein, auch wenn Wembachers Vater ein CSU-Urgestein ist. Mut mache ihm, so Danzer, dass CSU-Kandidaten in einer Stichwahl mit einem FW-Kandidaten erfahrungsgemäß „oft Probleme bekommen haben“. Die Stichwahl habe ihre eigenen Gesetze und die Unruhe und Nervosität im CSU-Lager sei dementsprechend groß.
Danzer schon seit zwei Wahlperioden stellvertretender Landrat
Die politische Ausrichtung ohne Parteiideologie spiele den Freien Wählern zusätzlich in die Karten, betonte er. Man bewerbe sich ja um den Chefposten in einer kommunalen Selbstverwaltung und nicht für ein Parteigremium. Er selbst sei seit zwei Perioden stellvertretender Landrat und in allen Ausschüssen, Aufsichtsräten und Beiräten vertreten, umschrieb Danzer, der auch 2. Bürgermeister der Gemeinde Grabenstätt ist und dort seit 17 Jahren im Gemeinderat sitzt, seine kommunalpolitische Erfahrung auf Landkreisebene und sprach in diesem Zusammenhang von einem „Alleinstellungsmerkmal“.
Er kenne die Strukturen im Traunsteiner Landratsamt auch noch aus einer anderen Perspektive, da er dort gelernt habe. Das Landratsamt sei nicht nur eine Verwaltungsbehörde, sondern ein großer Dienstleistungsbetrieb mit rund 800 Mitarbeitern, den man mit hohen Service-Standards führen müsse. Der Bürger sei der Kunde und der Kunde sei König. „Als Freie Wähler versuchen wir immer eine Politik für die Bürger zu machen, eine Politik, bei der der Bürger im Vordergrund steht“, so Danzer.
Kommunen entlasten - Kreisumlage wieder senken
Mit den 35 Ortsverbänden und 2900 Mitgliedern seien die Freien und Unabhängigen Wähler im Landkreis sehr gut aufgestellt und vernetzt und man werde als eine Kraft wahrgenommen. Von Vorteil seien auch die guten Kontakte in den Landtag, wo man seit 2023 mit Dr. Martin Brunnhuber einen Abgeordneten aus den eigenen Reihen habe. Der kurze Draht nach München sei laut Danzer wichtig, denn 80 bis 90 Prozent der Gesetze, die die Landkreise und Kommunen beträfen, würden dort im Landtag gemacht.
Danzer führte noch einige Landkreis-Themen auf, die ihm und den Freien Wählern ganz wichtig sind und mit denen man sich teilweise von anderen politischen Kräften und Parteien abgrenzt. Mit Verweis auf das in die Jahre gekommene, ziemlich beengte Feuerwehrhaus in Otting, das er zuvor auf Einladung des 2. Waginger Bürgermeisters und FW-Ortsvorsitzenden Martin Dandl besucht hatte, meinte der FW-Landratskandidat, dass man die Kreisumlage unbedingt wieder auf 50 Prozent zurückfahren müsse, damit die finanziell eh schon stark belasteten Gemeinden ihren Pflichtaufgaben wieder besser nachkommen könnten.
Sanierungsstau beim Traunsteiner Chiemgau-Gymnasium
Hintergrund: Schon seit Jahren wird ein Neubau des Ottinger Feuerwehrhauses anvisiert, doch es scheiterte immer wieder an den finanziellen Rahmenbedingungen. Man dürfe die vielen Ehrenamtlichen nicht immer weiter vertrösten, denn sonst könne es sein, „dass sie irgendwann weg sind“, warnte Danzer. Unmittelbar nach dem Besuch der gemeindlichen Wasserversorgung Waging am See mit dem frisch sanierten Hochbehälter in Gepping, stellte der stellvertretende Landrat klar, dass die Wasserversorgungen in der Region unbedingt in kommunaler Hand bleiben müssten.
Der Landkreis sei in seinem eigenen Wirkungskreis für viele Bereiche zuständig und verantwortlich, beispielsweise auch für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die weiterführenden Schulen, erläuterte Danzer und erinnerte daran, dass man in den vergangenen Jahren zu Recht viel in die landkreiseigenen Schulen und in die Bildung investiert habe. Auch der Entschluss zum Neubau der Berufsschule in Traunstein sei richtig gewesen. Leider sei beim Traunsteiner Chiemgau-Gymnasium (ChG) über die Jahre ein Sanierungstau entstanden. „Das Thema steht auf der Agenda und da müssen wir nun richtig anschieben“, so Danzer.
Danzer: Gelben Sack für Plastikmüll einführen
In Sachen Abfallwirtschaft im Landkreis, meinte er, dass sich die Bürger den gelben Sack für Plastik wünschen und dieser auch eingeführt werden soll. Auf den Nägeln brennt Danzer das Thema „Asyl und Integration“, das zum übertragenen Wirkungskreis des Landkreises zählt. „Bei der Unterbringung von Asylsuchenden müssen wir schauen, miteinander gute Lösungen zu finden, und zwar ohne Druck aufzubauen, indem man, wie leider geschehen, Turnhallen oder Festsäle vermisst“, so der FW-Kreisvorsitzende Danzer.
Die Energiewende werde man nur schaffen, wenn man auf einen „Energie-Mix ohne Ideologie“ setze. Es sei hier nicht sinnvoll, Bauvorhaben zu unterstützen, die sich nicht rechneten. Vom 2. Waginger Bürgermeister und FW-Ortsvorsitzenden Martin Dandl auf die Kreiskliniken angesprochen – eines der Themen, die man schon beim letzten Wahlkampftermin in Waging behandelt hatte – meinte Danzer, dass man als Freie Wähler zur bewährten kommunalen Trägerschaft stehe und ein Verkauf überhaupt kein Thema sei.
Kliniken in kommunaler Hand: „Verkauf überhaupt kein Thema“
Im Zuge der Umsetzung der beschlossenen Gesundheitsreform, die 2027 zu greifen beginne und 2028 richtig durchschlage, werde es Herausforderungen geben, für die man gute Lösungen brauche, so Danzer. Ganz wichtig sei es, dass man weiterhin hochwertige gesundheitliche Standards habe und den Bürgern eine optimale Gesundheitsversorgung anbieten könne. Auf das Thema „Digitalisierung in den Behörden“ angesprochen, meinte er, dass es hier tatsächlich noch viel Verbesserungsbedarf gebe. Mit entsprechenden Maßnahmen könnte man erfolgreich Ressourcen und Gelder einsparen.
Zum Abschluss der Diskussion stellte Danzer klar: „Landrat werde ich nicht alleine, sondern wir werden Landrat“. Es gelte nun bis zum Wahlsonntag nochmals alles aufzubieten und auf allen Plattformen und Kanälen präsent zu sein, um keine Wählerstimme zu verschenken. Dr. Lothar Seissiger appellierte an alle Anhänger der Freien Wähler über ihre Social-Media-Accounts für den eigenen Kandidaten Andreas Danzer zu werben, weil man darüber in kürzester Zeit enorm viele Menschen erreichen könne. „Stellt Wahlwerbung, Flyer und Co in euren Handy-Status rein und macht nochmal richtig Werbung, dann bin ich mir ganz sicher, dass Andi Danzer unser nächster Landrat wird“, appellierte Karl-Heinz-Austermayer und verwies auf eine aktuelle Online-Umfrage, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen prophezeite. (mmü)