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Bau im Chiemgau: Frust über Vorgaben

„Weniger Bürokratie“: Hotel-Legenden Müller zünden den Wohnungsturbo - was tut die Politik?

Die Hoteliers Dieter Müller und Ursula Schelle Müller (links oben) bauen in Grassau 48 Mitarbeiter-Wohnungen (rechts). Tourismus-Experte Klaus Stöttner (links unten) hat eine klarre Meinung dazu.
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Die Hoteliers Dieter Müller und Ursula Schelle Müller (links oben) bauen in Grassau 48 Mitarbeiter-Wohnungen (rechts). Tourismus-Experte Klaus Stöttner (links unten) hat eine klarre Meinung dazu.

Das Hoteliers-Paar Dieter Müller und Ursula Schelle-Müller baut in Grassau unweit des michelin-besternten Achental-Resorts 48 Wohnungen für Mitarbeiter. Die staatlichen Rahmenbedingungen sorgen bei den Unternehmern allerdings für Frust. Politik-Urgestein Klaus Stöttner hat Verständnis – das sind seine Forderungen.

Grassau – Die Riesenbaustelle der Hotel-Legenden Dieter Müller und Ursula Schelle-Müller in Grassau ist wegen der gigantischen Kräne weithin zu sehen. Unweit ihres Golf- und Wellnesshotels „Das Achental“ wächst das Millionen-Projekt in die Höhe. Ende 2025 soll es eröffnet werden. Zwei Tennishallen, eine Multifunktionshalle, eine Bowling-Bahn entstehen hier – und 48 Mitarbeiter-Wohnungen.

In Grassau baut die weltweit bekannte Hoteliers-Familie Müller neben Tennishallen auch 48 Mitarbeiter-Wohnungen.

Ein Quartier für zwei Betriebe

Ein bemerkenswertes Angebot des Hoteliers-Paars für seine Angestellten – nicht nur für die im nahen Achental-Resort, sondern auch für jene im 15 Fahrminuten entfernten und kürzlich mit jeder Menge Prominenz eröffneten Chiemgauhof. In Zeiten des Fachkräftemangels sind solche Benefits fast Bedingung, um gutes Personal anzulocken. Bezahlbarer Wohnraum ist im Umfeld des Chiemsees praktisch nicht vorhanden, zudem ist die beliebte wie teure Region sehr von Einfamilienhäusern geprägt.

„Man kann fast sagen, dass solche Angebote künftig eine Bedingung sein werden, um Top-Personal zu bekommen“, sagt Chefin Ursula Schelle-Müller im OVB-Gespräch. In Österreich sei das vor allem in den Tourismus-Gegenden schon seit vielen Jahren usus. In Kitzbühel beispielsweise, wo die Müllers den „Kitzhof“ führen, hätten alle großen Hotel-Resorts eigene Wohnungen für ihre Mitarbeiter. Die Müllers haben dieses Modell bereits in den Chiemgau gebracht und haben schon jetzt 30 Zimmer für ihre Mitarbeiter. Nun kommen 48 Wohnungen hinzu – obwohl die staatlichen Rahmenbedingungen alles andere als optimal sind.

Dieter Müller und Ursula Schelle-Müller.

Bürokratie-Abbau: Österreich ist Vorbild

Vereinfacht gesagt darf die Miete für eine Mitarbeiter-Wohnung nur ein Drittel unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ansonsten müssen die Angestellten den geldwerten Vorteil voll versteuern. Im Nachbarland Österreich gilt seit Jahresbeginn eine neue Regel, nach der Mitarbeiter-Wohnungen bis 35 Quadratmeter komplett von der Steuer befreit sind. „Der Spielraum in Deutschland ist sehr gering. Leider! Wir möchten den Mitarbeitern etwas Gutes tun, aber das Finanzamt ist da sehr unlustig“, sagt Schelle-Müller dem OVB: „Warum gibt man den Unternehmen nicht ein bisschen mehr Freiheit, ein bisschen weniger Bürokratie, ein bisschen mehr Möglichkeit der Gestaltung für die Mitarbeiter? Viele Unternehmen, nicht nur aus unserer Branche, würden dann sicher noch mehr in den Wohnungsbau für Mitarbeiter investieren.“

Das könnte ein wichtiger Teil des Wohnungsbau-Turbos sein, den Deutschland dringend benötigt. Findet auch Klaus Stöttner. Der CSU-Politiker aus Prutting war 20 Jahre lang Abgeordneter im bayerischen Landtag für seine Region Rosenheim. Auch nach seinem Rückzug ist er politisch noch bestens vernetzt und setzt sich als Präsident des Tourismus Oberbayern München e. V. für die Belange der Müllers und der gesamten Branche ein. „Man findet in der Region kaum eine Wohnung, das schadet natürlich auch der Hotellerie-Branche. Warum nutzt man nicht die Finanzkraft der Unternehmer noch mehr und lässt sie selbst Wohnungen für ihre Mitarbeiter bauen? In Deutschland sind die Rahmen-Bedingungen dafür aber nicht so gut geregelt“, erklärt Stöttner dem OVB.

Klaus Stöttner beim Abschied aus dem bayerischen Landtag.

Stöttners Ideen

Auch er sieht das Nachbarland Österreich als Vorbild für eine unbürokratische Regelung und hat bereits Anja Karliczek kontaktiert. Sie ist die tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der unter Kanzler Friedrich Merz ja größere Gestaltungs-Spielräume zur Verfügung stehen. Stöttner hat ein paar Ideen in petto, wie man Unternehmer beim Thema Mitarbeiter-Wohnungen unterstützen könnte. Zum Beispiel, dass der Preis der Unterkünfte für Angestellte ohne Entstehen einer Steuerpflicht viel weiter als die bisher gültigen 33 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete gesenkt werden können.

Auch frustriert über die Bürokratie? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte

Wenn Sie ähnliche Erfahrungen mit Ämtern und der deutschen Bürokratie gemacht haben, wenden Sie sich an uns und erzählen Ihre Geschichte.
Zuschriften bitte an per E-Mail an lars.becker@ovbmedia.de oder postalisch an die Redaktion der Chiemgau-Zeitung, Geigelsteinstraße 7, 83209 Prien am Chiemsee.

Das ist aber nur der Anfang: „Wenn Unternehmen Mitarbeiter-Wohnungen bauen, muss das steuerlich schneller abschreibbar sein – zum Beispiel in zehn Jahren. Es muss auch möglich sein, dass Unternehmen künftig in Gewerbegebieten Wohnungen für ihre Mitarbeiter bauen dürfen – bisher dürfen dort nur Hausmeister und Betriebsleiter wohnen.“

Zentral findet Stöttner auch die Forderung, dass es bei derlei Bauvorhaben künftig ebenfalls nach dem Vorbild von Österreich, einen „Kümmerer“ im Bürokratie-Dschungel gibt. „Die Unternehmen brauchen einen zentralen Ansprechparter – egal ob es um baurechtliche, gewerberechtliche oder brandschutzrechtliche Themen geht“, so Stöttner.

„Kein Stillstand“ bei den Müllers – auch in der Politik?

Die Investitionen der Müllers in die Region sieht der Tourismus-Experte wohlwollend: „Zu solchen architektonisch schönen High-End-Bauten wie dem Chiemgauhof braucht man natürlich auch das nötige Haushaltsgeld.“ Das haben die Müllers zweifellos, nachdem sie kürzlich 80 Prozent ihrer auf einen Wert von 3,5 Milliarden Euro geschätzten Hotelkette Motel One verkauft haben. Geld im Chiemgau investieren wollen die Hotel-Milliardäre weiterhin – ob nun für die Optimierung ihrer beiden Luxus-Hotels oder für das Wohl ihrer Mitarbeiter wie beim Neubau der 48 Wohnungen in Grassau. Ursula Schelle-Müller: „Stillstand wird es nicht geben.“ Auch beim Bürokratie-Abbau in der deutschen Politik?

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