Massive Tritte führten wohl zum Tod des Ungarn
„Massive Gewalteskalation“: Urteil zur tödlichen Schlägerei vor Club in Altötting gefällt
Traunstein / Altötting – Am 5. August wurde das Urteil im Prozess um die tödliche Schlägerei vor einem Club in Altötting gesprochen. Alle drei Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt.
Übersicht
- Vorbericht – Der Tag der Wahrheit: Entscheidung im Prozess um tödliche Schlägerei in Altötting
- Update 10:30 Uhr – Clubschlägerei in Altötting: Rechtsmediziner identifiziert per Video zwei tödliche Tritte
- Update 12:00 Uhr – „Massive Gewalteskalation“: Staatsanwältin fordert insgesamt 31 Haft für die drei Angeklagten
- Update 14:20 Uhr – Verteidigung geht von „minderschwerem Fall“ aus und fordert minimale Haftstrafen
- Update 17:30 Uhr – „Massive Gewalteskalation“: Urteil zur tödlichen Schlägerei vor Club in Altötting gefällt
Update 17:30 Uhr – „Massive Gewalteskalation“: Urteil zur tödlichen Schlägerei vor Club in Altötting gefällt
Das Urteil zur tödlichen Schlägerei in dem Altöttinger Club ist gesprochen: Alle drei Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt. Der 22-jährige Ungar, der den Türsteher mit einem Bauchstich und dessen Bruder mit einem Messerstich in den Oberschenkel verletzt haben soll, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei verurteilt. Des versuchten Totschlags wurde er freigesprochen. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung.
Der Bruder des Türstehers, ein 36-jähriger Deutsch-Kasache, und ein weiterer Bekannter des Türstehers, ein 28-jähriger Deutsch-Kasache, wurden wegen Totschlags, versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei schuldig gesprochen. Beide wurden zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt.
Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.
*alle Namen von der Redaktion geändert
Update 14.20 Uhr – Verteidigung geht von „minderschwerem Fall“ aus – fordert minimale Haftstrafen
Rechtsanwältin Inge Bazelt, die den Türsteher im Prozess als Nebenkläger vertrat, stellte die Strafe ins Ermessen des Gerichts. Hanns Barbarino, der Verteidiger von Emil*, sagte, sein Mandant bedaure den Tod des Ungarn. Emil* (alle Namen von der Redaktion geändert) sei seinem Bruder zu Hilfe gekommen – während der Schlägerei sei jedoch ein Kindheitstrauma reaktiviert worden. Weil er unter Alkohol- und Testosteron-Einfluss gestanden habe, sei sein Urteilsvermögen jedoch eingeschränkt gewesen.
Eine Mittäterschaft oder Absprache habe es aber nicht gegeben. Sein Mandant sei zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren zu verurteilen. Es liege zwar ein vollendeter Totschlag vor – aber in einem minderschweren Fall. Auch ein versuchter Totschlag gegen einen weiteren Beteiligten liege nicht vor. Sein Mandant solle sofort in einer Entzugsklinik untergebracht werden, da er bereits seit 10 Monaten in Untersuchungshaft sitze.
Rechtsanwälte fordern minimale Haftstrafen
Die Verteidigerin von Anton*, Verena Huber-Troschke, zeigte sich überrascht, dass die Staatsanwaltschaft den Beginn der Schlägerei komplett ignoriert habe. Die drei Ungarn hätten die Auseinandersetzung provoziert, was auch Zeugen bestätigt hätten. Anton* habe in Notwehr gehandelt – eine Mittäterschaft sehe sie nicht, ebenso wenig einen versuchten Totschlag gegen einen weiteren Beteiligten.
Ihr Mandant habe auch nicht bewusst auf den verstorbenen Ungarn eingeschlagen, weswegen er wegen gefährlicher Körperverletzung im minderschweren Fall und wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen sei. Sie forderte eine Haftstrafe von unter fünf Jahren und eine Unterbringung in einer Entzugsklinik.
Als letzter Verteidiger hält Rechtsanwalt Michael Vogel sein Plädoyer. Sein Mandant, der 22-jährige Ungar Attila* habe sich immer abseits der Schlägerei gehalten. Als der 22-Jährige die Messerstiche gegen den Türsteher und dessen Bruder absetzte, habe er aus Notwehr gehandelt und wollte sein eigenes Leben verteidigen. Sein Mandant habe sich lediglich wegen Körperverletzung schuldig gemacht – die Strafe sei bereits mit der Untersuchungshaft abgegolten.
Die Angeklagten selbst entschuldigten sich in ihren letzten Worten noch einmal bei den Opfern und deren Angehörigen. Der Vorsitzende Richter Volker Ziegler kündigte an, dass das Urteil gegen 17 Uhr verkündet werden soll.
*alle Namen von der Redaktion geändert
Update 12:00 Uhr – „Massive Gewalteskalation“: Staatsanwältin fordert insgesamt 31 Haft für die drei Angeklagten
Nach einer kurzen Pause wurden erneut die zentralen Inhalte der Videos aus den Überwachungskameras abgespielt. Bei dem fraglichen Zeitraum handelte es sich lediglich um drei bis vier Minuten, in denen es zu den massiven Schlägen und Tritten gegen den Verstorbenen kam. Rechtsmediziner Prof. Dr. Adamec erklärte Schlag für Schlag und Tritt für Tritt, was auf den Bildern zu sehen war. Es wurde ersichtlich, dass nur einer der drei Angeklagten die zwei Tritte austeilte, die wohl zum Tod des 41-jährigen Ungarn führten.
Bei dem betroffenen Angeklagten handelte es sich um Emil* (36), den Bruder des Türstehers. Der Deusch-Kasache wurde zusammen mit dem Deutsch-Kasachen Anton* (28) (alle Namen von der Redaktion geändert) wegen versuchten Totschlags angeklagt. Anhand des rechtsmedizinischen Gutachtens kippte die Beweislage jedoch massiv zu seinen Ungunsten. Mehrmals versuchte sein Verteidiger, Hanns Barbarino aus Altötting, sich gegen die fundierten Darstellungen von Prof. Dr. Adamec zu wehren – doch vergebens. Gegen seinen Mandanten musste auch in Haft bereits eine Disziplinarmaßnahme durchgesetzt werden. Als letztes Mittel legte der Verteidiger Widersprüche gegen die Verwendung des Videos und die Ausführung der Rechtsmediziner ein, welche Staatsanwältin Lisa Grindinger als nicht nachvollziehbar bezeichnete.
Staatsanwältin fordert hohe Haftstrafen
Staatsanwältin Lisa Grindinger sah die Anklage in allen Punkten bestätigt, während sie bei den Einlassungen der drei Beschuldigten von Schutzbehauptungen ausgeht. Grindinger zufolge handelte es sich um eine „massive Gewalteskalation“, bei der sich die beiden Deutsch-Kasachen Emil* (36) und Anton* (28) des Totschlags, des versuchten Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung und der Beteiligung an einer Schlägerei schuldig machten. Für Emil*, den Bruder des Türstehers, forderte sie eine Haftstrafe in Höhe von 13 Jahren und 6 Monaten, für Anton* 12 Jahre und 6 Monate und für den Ungarn Attila *(22), der Emil* und den Türsteher mit einem Messerstich verletzte, 5 Jahre und 6 Monate.
*alle Namen von der Redaktion geändert
Update 10:30 Uhr – Clubschlägerei in Altötting: Rechtsmediziner identifiziert per Video zwei tödliche Tritte
Die Verhandlung im Prozess gegen drei Männer wegen der tödlichen Schlägerei vor einem Club in Altötting wird fortgesetzt. Zahlreiche Zuschauer hatten sich im Gerichtssaal eingefunden, als der erste Zeuge aufgerufen wurde. Es handelte sich um einen der Polizeibeamten, die kurz nach der Schlägerei am Tatort ankamen. Er berichtete über die Reanimation des Ungarn Peter* (alle Namen von der Redaktion geändert), der nur wenige Stunden später in einem Krankenhaus an den Folgen massiver Tritte und Schläge gegen seinen Kopf verstorben war. Der Beamte sagte, man habe am Tatort keine Atmung mehr bei dem Ungarn feststellen können.
Anschließend äußerte sich Prof. Dr. Oliver Peschel zum rechtsmedizinischen Gutachten. Ursache für den Tod des Ungarn waren schwere Hirnverletzungen und -blutungen. Der Rechtsmediziner sprach von „massivsten Gewalteinwirkungen“ – sowohl der Kieferknochen als auch das Jochbein des 41-Jährigen waren gebrochen. Manche Verletzungen verglich der Experte mit denen bei einem Autounfall. Am Ende habe eine Lähmung zum Tod des Mannes geführt.
Ungar nach zwei massiven Tritten regungslos
Anschließend ist Prof. Dr. Jiri Adamec, der auch im Mordfall Hanna ein rechtsmedizinisches Gutachten erstellte, an der Reihe. Anhand der Überwachungsvideos konnte der Experte die Schläge und Tritte gegen den Kopf des Ungarn analysieren und kam zu dem Schluss, dass besonders zwei Tritte auffällig waren: „Es handelt sich um eine Serie stampfender Tritte gegen den Kopf des Ungarn, die durch eine Person mit blauem Hemd verursacht wurde“, so der Rechtsmediziner.
Am Boden liegend hatte der 41-Jährige den Kopf angehoben und in dieser Lage zwei Tritte abbekommen. Es folgten drei weitere Tritte, als der Kopf dann flach auf dem Boden lag. Anschließend habe sich der Ungar nicht mehr bewegt, während der Mann im blauen Hemd weitere Tritte ausführte. Auf die habe der Ungar nicht mehr reagiert, obwohl sie schmerzhaft gewesen sein mussten, so Prof. Dr. Adamec. Die Bewusstlosigkeit sei ein Anzeichen dafür, dass die zwei Tritte auf den angehobenen Kopf die tödlichen Verletzungen des Ungarn verursacht haben.
*alle Namen von der Redaktion geändert
Vorbericht – Der Tag der Wahrheit: Entscheidung im Prozess um tödliche Schlägerei in Altötting
Traunstein / Altötting – Am 5. August wird am Landgericht Traunstein das Urteil in einem Fall erwartet, der Altötting tief erschüttert hat. Drei Männer stehen wegen einer brutalen Schlägerei vor einem Club vor Gericht – zwei von ihnen wegen Totschlags, einer wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Ein 41-jähriger Ungar war nach massiven Faustschlägen und Tritten gegen den Kopf innerhalb weniger Stunden nach der Tat verstorben. Videos von Überwachungskameras zeigten eine Gewalteskalation, bei der auch auf bereits am Boden liegende Personen eingeschlagen wurde.
Eskalation in sieben Minuten
Was als ausgelassener letzter Arbeitstag dreier ungarischer Kollegen begann, endete in einer Tragödie. Nach Angaben eines Nebenklägers – einem der drei Ungarn – feierte die Gruppe im Club, bis sie aufgrund aggressiven Verhaltens von der Betreiberin verwiesen wurde. Später sei man zum Club zurückgekehrt, weil Peter*, das spätere Opfer, Kleidungsstücke vergessen hatte. Im Eingangsbereich kam es dann zum Streit mit dem Türsteher. Laut Aussage der Clubbesitzerin habe Peter* zwar keinen Kampf gewollt, doch innerhalb kürzester Zeit eskalierte die Lage. Bei einem Gerangel auf der Treppe stürzten mehrere Personen, woraufhin sich der Bruder des Türstehers sowie ein Freund einmischten – beide stehen nun wegen Totschlags vor Gericht.
Die eigentliche Schlägerei verlagerte sich anschließend in Richtung Tiefgarage. Sieben Minuten, die alles veränderten, wie die Ermittler später feststellen sollten. Ein Mitarbeiter des Clubs sagte aus, der mitangeklagte Ungar Attila* (22) habe ein Messer gezogen und dem Türsteher in den Bauch gestochen. Wenige Minuten später sei auch dessen Bruder im Oberschenkel verletzt worden. Was folgte, war eine brutale Auseinandersetzung, bei der der 41-jährige Peter so schwer am Kopf verletzt wurde, dass er später im Krankenhaus starb. Auch ein weiterer Ungar verlor kurzzeitig das Bewusstsein.
Was genau in diesen sieben Minuten geschah, wird die Kammer am 5. August in ihrem Urteil bewerten müssen. Es dürfte wohl zur Mittagszeit gefällt werden.
*alle Namen von der Redaktion geändert