Tödliche Auseinandersetzung vor Club in Altötting
„Please no fight“: Todesopfer wollte wohl vor Clubschlägerei in Altötting noch gehen
Traunstein / Altötting – Nach dem Schock des ersten Prozesstags geht die Verhandlung um die Club-Schlägerei mit tödlichem Ausgang in Altötting weiter. Insgesamt drei Angeklagte stehen deswegen in Traunstein vor Gericht.
Übersicht
- Vorbericht: Tödliche Club-Schlägerei in Altötting: Prozess geht weiter – Videos erschütterten Zuschauer
- Update 10:15 Uhr – „Die drei waren wie von Sinnen“: Zahlreiche Zeugen im Prozess wegen Clubschlägerei in Altötting erwartet
- Update 11:00 Uhr – „Haben den Abend nicht so geplant“: Mutmaßliche Totschläger entschuldigen sich
- Update 12:00 Uhr – „Ein kleiner Funke und er ging hoch“: Mann der Altöttinger Clubbetreiberin im Zeugenstand
- Update 13:15 Uhr – „Please no fight“: Todesopfer wollte wohl vor Clubschlägerei noch gehen
Update 13:15 Uhr – „Please no fight“: Todesopfer wollte wohl vor Clubschlägerei noch gehen
Schließlich wurde auch die Clubbetreiberin aus Altötting in den Zeugenstand gerufen. Sie sagte, ihr Club sei inzwischen dauerhaft geschlossen. In der Tatnacht vom 12. auf den 13. Oktober 2024 habe in ihrem Lokal eine rumänische Party stattgefunden. Die Stimmung sei gut gewesen. Dann seien jedoch die drei Ungarn wegen aggressiven Verhaltens aufgefallen. Sie habe von anderen gehört, dass Gläser geworfen wurden und zu Bruch gegangen seien.
Peter* (*Name von der Redaktion geändert), der infolge der Schlägerei zu Tode kam, habe immer wieder gesagt „Please, no fight.“ „Er war lustig und war gut drauf“, sagte die Clubbetreiberin. Sein Kollege sei jedoch auf Krawall gebürstet gewesen. Der Angeklagte Attila*, der am Ende mit dem Messer zugestochen hatte, sei in einer eher zurückhaltenden Beobachterrolle gewesen.
„Ich versteh nicht, dass sie nicht heimgegangen sind“, sagte die Zeugin. Der Verstorbene habe noch an der Tür gesagt „We will go home, we promise.“ Zur Schlägerei selbst, kann die Clubbetreiberin jedoch keine Angaben machen.
Bei der Befragung der vielen Zeugen wird deutlich, wie anspruchsvoll die Rekonstruktion des Kerngeschehens ist. Zahlreiche Clubgäste und zahlreiche Beteiligte können zwar Angaben machen, doch Alkohol und Erinnerungslücken erschweren konkrete Aussagen. Eine große Rolle spielen hier die Überwachungsvideos, die auch belegen, dass sich die tödliche Auseinandersetzung in einem sehr engen Zeitfenster abspielte: Die Schlägerei war innerhalb von sieben Minuten wieder zu Ende.
Beim nächsten Verhandlungstag am 29. Juli werden wohl weitere Zeugen vor Gericht aussagen. Zudem werden die Gutachten der Sachverständigen erwartet. Am 5. August wird die Strafkammer voraussichtlich ihr Urteil fällen.
*Alle Namen von der Redaktion geändert.
Update 12:00 Uhr – „Ein kleiner Funke und er ging hoch“: Mann der Altöttinger Clubbetreiberin im Zeugenstand
Anschließend wurde der Ehemann der Clubbetreiberin in den Zeugenstand gerufen. Er gibt an, dass zwei deutsch-kasachische Brüder an diesem Abend als Türsteher gearbeitet hätten – darunter der Nebenkläger Sascha*(39) (*Alle Namen von der Redaktion geändert), der einen Stich in den Bauch erlitt. Den beiden Türstehern sei während der Schlägerei ihr weiterer Bruder Emil* (36) zu Hilfe gekommen, der sich nun wegen Totschlags verteidigen muss.
Der Mann der Clubbetreiberin sagte, dass die drei Ungarn an dem Abend stark angetrunken gewesen seien. „Einer von ihnen war sehr aggressiv – der wollte auch nicht gehen und war sehr schwierig“, sagte der Zeuge. Es habe sich dabei um den Nebenkläger Robert* gehandelt, der nur Minuten vorher vor Gericht ausgesagt hatte.
Laut dem Mann der Clubbetreiberin seien sowohl der Angeklagte Attila* als auch der verstorbene Peter* vernünftig gewesen, und hätten eingesehen, dass sie den Club verlassen mussten. „Aber der Dritte war auf Krawall aus – ein kleiner Funke und er ging hoch.“ Der Zeuge sagte auch, dass er nicht sicher war, ob die Ungarn Deutsch verstanden.
*Alle Namen von der Redaktion geändert.
Update 11:00 Uhr – „Haben den Abend nicht so geplant“: Mutmaßliche Totschläger entschuldigen sich
Als nächster Zeuge wurde dann der zweite Nebenkläger in die Mitte des Saals gebeten. Er ist einer der ungarischen Clubgäste und war in der Tatnacht mit dem verstorbenen Peter* und dem Angeklagten Attila* (*Namen von der Redaktion geändert) unterwegs. Die drei Männer sollen zusammen in Burghausen gearbeitet haben und zum Abschluss dieser Zeit sei man gemeinsam trinken gegangen. In dem Club in Altötting hätten die Männer einige Runden Jägermeister getrunken. Dann habe man aus Versehen ein Glas umgestoßen, was wohl auch der Grund für den Rausschmiss gewesen sei.
Die Ungarn seien dann zurück in ihr Hotel gegangen, doch nur wenig später habe der Zeuge bemerkt, dass Peter* und Attila* aus ihren Zimmern verschwunden waren. So sei auch er zurück in den Club gegangen, doch als er ankam, sei die Schlägerei bereits im Gange gewesen. „Dann kann ich mich an nichts mehr erinnern“, sagte der Zeuge. „Nur noch, dass ich irgendwann am Boden lag.“ Eine Polizistin habe ihn fotografiert und dann sei er ins Krankenhaus verbracht worden.
Während seiner Befragung durch die Richter, zahlreichen Anwälte und die Sachverständigen bitten die beiden Deutsch-Kasachen Anton* und Emil* den Ungarn um Entschuldigung. Beide stehen auf und sagen, dass es ihnen sehr leidtue, was geschehen sei. „Wir haben diesen Abend nicht so geplant“, sagten sie. Der Nebenkläger nahm die Entschuldigung an und gab zurück, dass auch er die Nacht nicht so geplant habe. Zuvor sagte er, dass er immer noch an Einschlafstörungen wegen des Erlebten leide.
*Alle Namen von der Redaktion geändert.
Update 10:15 Uhr – „Die drei waren wie von Sinnen“: Zahlreiche Zeugen im Prozess um Clubschlägerei erwartet
Der Prozess startete mit dem Erscheinen eines zweiten Nebenklägers und seinem Rechtsanwalt. Der Vorsitzende Richter Volker Ziegler begrüßte die zahlreichen Anwesenden im Gerichtssaal: Insgesamt sitzen knapp 20 Beteiligte im Verhandlungsbereich – auch im Zuschauerraum haben sich einige Personen eingefunden.
Einer der drei Angeklagten, der 22-jährige Ungar Attila* (*Name von der Redaktion geändert), wird getrennt von den beiden anderen Beschuldigten, den Deutsch-Kasachen Anton* (28) und Emil* (36) gehalten. Er gab am ersten Prozesstag zu, ein Messer gezogen und den Türsteher des Clubs, den Nebenkläger Sascha* (39) einen Stich in den Unterbauch versetzt zu haben. Auch dessen Bruder Emil* verletzte er wohl mit einem Stich in den Oberschenkel.
Als erster Zeuge sagt ein Mitarbeiter des Clubs aus, der sich zu Beginn der Auseinandersetzung im Kassen- und Garderobenbereich des Lokals aufhielt. Er sagte aus, dass es zu einer lautstarken Auseinandersetzung im Eingangsbereich des Clubs gekommen sei. Als er dies hörte, sei er zu der Streiterei hinzugekommen, um zu deeskalieren. „Die drei waren wie von Sinnen“, sagte der Zeuge über die drei ungarischen Clubgäste. Einer von ihnen habe nur Minuten später ein Messer gezogen. Der Zeuge zeigt mit der Hand auf Attila* und identifiziert ihn als den Täter.
„Als er das Messer gezogen hat, bin ich zurückgetreten und ins Lokal zurück“, sagte der Zeuge aus – doch Richter Ziegler wird an dieser Stelle deutlich: „Ich habe erhebliche Zweifel an der Wahrheit Ihrer Aussage“, betont er und spielt erneut das Überwachungsvideo ab. Daraus ist klar ersichtlich, dass der Zeuge nicht in das Lokal zurückging, sondern der Schlägerei folgte – und zwar in unmittelbarer Nähe.
*Alle Namen von der Redaktion geändert.
Vorbericht – Tödliche Club-Schlägerei in Altötting: Videos erschütterten Zuschauer
Am 15. Juli wird der Prozess um die tödlich eskalierte Schlägerei vor einem Club in Altötting fortgesetzt. Der zweite Verhandlungstag beginnt um 9 Uhr im Landgericht Traunstein. Im Zentrum stehen voraussichtlich weitere Zeugenaussagen sowie die detaillierte Aufarbeitung des Gewaltgeschehens. Schon der Auftakt des Prozesses am 8. Juli hinterließ bei den Beteiligten und Zuschauern tiefe Spuren. Angeklagt sind drei Männer aus Altötting – zwei von ihnen wird Totschlag vorgeworfen, einem dritten Angeklagten versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung.
Geständnisse zum Prozessauftakt: Drei Angeklagte zeigen Reue
Gleich am ersten Prozesstag bekannten sich die drei Beschuldigten zu ihren Taten. Anton* (28) und Emil* (36) (*Alle Namen von der Redaktion geändert.), beide deutsch-kasachischer Herkunft, gaben an, den 41-jährigen Ungarn Peter* bei der Auseinandersetzung schwer verletzt zu haben. Der Mann verstarb einen Tag nach der Schlägerei im Krankenhaus: an massiven Kopfverletzungen, die ihm durch brutale Tritte und Faustschläge zugefügt worden waren. Beide Angeklagte zeigten sich vor Gericht erschüttert über das, was sie in den Videobeweisen sahen. Für die Familienangehörigen und Freunde des Verstorbenen, waren die Aufnahmen nur schwer zu ertragen.
Auch Attila* (22), ein ungarischer Staatsbürger und Freund von Peter* räumte ein, ein Messer gezogen und den Security-Mitarbeiter Sascha* in den Unterbauch gestochen zu haben. Zudem soll er auch dessen Bruder Emil*, eine der beiden Hauptangeklagten, mit dem Messer in den Oberschenkel gestochen haben. Er habe sich in Todesangst befunden und aus Panik gehandelt, sagte er. Die Tatvideos habe er selbst erst wenige Tage vor Prozessbeginn gesehen. Angesichts seiner bruchstückhaften Erinnerungen sei ihm erst jetzt das Ausmaß der Taten bewusst geworden.
Brutale Szenen in der Tiefgarage erschüttern Zuschauer
Im Gerichtssaal herrschte am ersten Prozesstag bedrückte Stille, als die Überwachungsvideos gezeigt wurden. Aufnahmen vom Club-Eingang und aus der Tiefgarage zeigten eine unübersichtliche, aber extrem gewaltsame Auseinandersetzung. Die Bilder dokumentieren brutale Schläge und Tritte – selbst als einige Beteiligte bereits regungslos am Boden lagen, wurde weiter zugeschlagen. Die Gewalt war derart massiv, dass Zuschauer im Saal weinten oder fassungslos den Kopf schüttelten. Der Vorsitzende Richter Ziegler kommentierte eine Szene, bei der mehrere Clubgäste bei der Reanimation eines Opfers zusahen, mit den Worten: „Alle schauen, keiner macht was.“
Am zweiten Verhandlungstag dürften nun weitere Details zum Tathergang geklärt werden. Erwartet werden Aussagen von Beteiligten, Zeugen und Ermittlern. Nach dem heutigen Verhandlungstag folgen dann noch zwei weitere Termine: Am 29. Juli wird die Beweisaufnahme voraussichtlich abgeschlossen. Für den 5. August kann mit der Verkündung des Urteils gerechnet werden.
*Alle Namen von der Redaktion geändert.