Ärztliche Versorgung in Wasserburg
Patienten stehen vor verschlossener Tür: Was ist los mit der Hausarzt-Praxis in der Burgau?
Wasserburg am Inn – Wasserburger Patienten fühlen sich hilflos: Obwohl sie Termine haben, stehen sie bei der Hausarztpraxis in der Burgau vor verschlossener Tür. Befunde und Laborergebnisse können nicht abgeholt werden. Nun hat sich der Ärztliche Kreisverband eingeschaltet.
Update am Freitag, 1. August – Ärztewerk Rosenheim äußert sich
Zu den Irritationen rund um die geschlossene Hausarztpraxis in der Burgau in Wasserburg teilt das Ärztewerk Rosenheim auf Anfrage mit, dass die Praxis aufgrund akuter Erkrankung von Mitarbeitern geschlossen gewesen sei. „Unsere Ärztin ist leider immer noch erkrankt. Die Vertretung ist geregelt. Sie wird übernommen durch die Praxis Dr. Eisenhut und Dr. Stöwahse in der Brunhuberstraße 1 in Wasserburg. Zudem ist die Praxis wieder durch eine unserer Medizinischen Fachangestellten besetzt, die vor Ort Angelegenheiten der Patientinnen und Patienten regelt“, heißt es vom Ärztewerk Rosenheim.
Artikel vom 30. Juli 2025:
Fassungslosigkeit in Wasserburg: Patienten berichten der Redaktion, dass sie in der Hausarztpraxis am Willi-Ernst-Ring in Wasserburg am Montagmorgen (28. Juli) vor verschlossener Tür standen. Nur ein Schild hängt hier: „... unsere Praxis bleibt aufgrund von mehreren Krankheitsfällen im Team bis auf Weiteres geschlossen“, steht dort. Wer es per Telefon versuchte, traf auf eine ähnliche Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Der Zettel, aufgeklebt auf dem Türschild, verweist „in dringenden Fällen“ an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder an eine umliegende Hausarztpraxis, in akuten Notfällen an den Notruf 112.
Doch was ist mit ausgemachten Terminen? Mit Untersuchungsergebnissen oder Laborbefunden sowie Überweisungen, die benötigt werden? „Dass auf einmal alle krank sind vom Personal und keiner den Betrieb aufrechterhalten kann, das kann doch nicht wahr sein“, findet ein Patient, der anonym bleiben möchte.
Ärztenetzwerk Rosenheim neuer Betreiber
Was ist da los? Die Praxis, bis vor drei Jahren vom niedergelassenen Allgemeinmediziner und Internisten Thomas Wilsmann erfolgreich geleitet, wurde, weil dieser keine Nachfolge fand, 2022 an das Ärztenetz Rosenheim (Änro) verkauft. Nachdem Wilsmann, bis Ende 2024 angestellter Arzt, in den Ruhestand gegangen war, soll sie in bewährter Form gut weitergelaufen sein, heißt es in Wasserburg. Wilsmann hatte viele, auch schwer kranke Menschen betreut. Sein Schwerpunkt waren Herz- und Kreislauf- sowie Diabetes-Leiden.
Das Ärztenetzwerk, an das er verkauft hat, ist einerseits ein loser Zusammenschluss von 57 Haus- und Fachärzten aus dem Raum Rosenheim. Außerdem haben sich laut Internetseite Vertreter weiterer medizinischer Berufsgruppen wie Apotheker, von Physiopraxen und Sanitätshäusern angeschlossen. Das Netzwerk betreibt als Unternehmen zudem selber die änro-MVZ-GmbH mit zwei eigene Praxen: ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Rosenheim und eine Filiale in Wasserburg.
Patienten schweben in der Luft
Nachdem letztere „bis auf Weiteres“ geschlossen ist, schweben viele Patienten hinsichtlich ihrer weiteren Behandlung in der Luft. Denn auch ans Telefon geht in der Praxis niemand, im Internet gibt es keinen Hinweis, keine Erklärung. Und der Zettel an der Tür wird von vielen so interpretiert, als könnte es dauern, bis der Betrieb wieder weitergeht.
Dr. Michael Iberer, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim, teilt auf Anfrage mit, der Verband sei in die Angelegenheit nicht involviert, habe (Stand 30. Juli) erst über die Presseanfrage der Wasserburger Zeitung und von wasserburg24.de von dem Problem erfahren. Doch er beruhigt die Betroffenen: „Es wird niemand im Regen stehen gelassen.“
Der Kreisverband stehe im kollegialen Austausch mit Wasserburger Ärzten. „Die Drähte laufen derzeit heiß“, sagt er. Die Ärzteschaft sei dran an einer Lösung, damit die Versorgung sichergestellt werde. Derzeit seien Bemühungen im Gange, eine Vertretung zu organisieren. Die Wasserburger Kollegen wüssten mittlerweile um die Schließung, die ersten hätten signalisiert, die Patienten in akuten Fällen mitzuversorgen. Es werde auch an einer Lösung gearbeitet für Betroffene, die Unterlagen oder Laborergebnisse abholten müssten.
Mit Hochdruck an Lösung dran
Fest stehe: Die notfallmedizinische Versorgung sei gewährleistet. Und es werde nach einer Vertretung für die geschlossene Praxis gesucht. Möglichst bald solle eine Kollegin oder ein Kollege benannt werden. Der Betreiber der Praxis und das Ärztenetzwerk würden ebenfalls mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten, versichert Iberer. Er bittet jedoch noch um etwas Geduld.
Über die Hintergründe der Schließung wisse der ärztliche Kreisverband nichts. Aktuell getätigte Erkundigungen hätten jedoch ergeben, „dass hier wohl zwei Dinge ungut zusammengekommen sind“: eine strukturelle und organisatorische Veränderung innerhalb des Ärztenetzwerkes, die noch laufe, außerdem mehrere Krankheitsfälle in der Wasserburger Praxis.
Stellungnahmen des Ärztenetzwerkes Rosenheim und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) sind angefragt und folgen.


