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Brücke zwischen Stadt und Land

„N-Wort stoppen“: So will Künstler Khumalo das Miteinander fördern – Auch in Wasserburg

Künstler Mduduzi Khumalo bezeichnet sich selbst als bayerischen Zulu.
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Künstler Mduduzi Khumalo bezeichnet sich selbst als bayerischen Zulu.

Von Südafrika nach München und jetzt Wasserburg: Der Künstler Mduduzi Khumalo war mit seinem postkolonialen Bildungscamp in der Stadt. Wie der „bayerische Zulu“ Menschen zusammenbringen will, wo mehr Wissen weitergegeben werden sollte und wie der Künstler in Wasserburg aufgenommen wurde.

Wasserburg am Inn – Mduduzi Khumalo sprüht in der Wasserburger Hofstatt mit gelber Farbe auf schwarze Kartonboxen die Nachricht „N-WORT STOPPEN“. Der Aktionskünstler und Performer aus München war von 16. bis 20. Juni mit seinem postkolonialen Bildungscamp in Wasserburg. Khumalo will mit seiner Arbeit das Miteinander fördern, eine Brücke zwischen der städtischen und ländlichen Bevölkerung bauen und die Teilhabe von marginalisierte Gruppen fördern sowie sichtbar machen.

Khumalo und Landspersky in der Kunstwerkstatt

Von 16. (Jahrestag des Soweto-Aufstandes) bis 20. Juni (Weltflüchtlingstag) arbeitete er dabei mit René Landspersky aus Wasserburg zusammen. Landspersky ist Gründer von „What Remains Gallery Projects“ und hinterfragt unter dem Projekt #meinfluss von 1. Juni bis 30. August, wie digitales Verhalten Landschaftsbilder formt und welche Verantwortung die Nutzer dabei tragen. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesprogramm „Miteinander reden 2025“ von der Bundeszentrale für politische Bildung. Außerdem auch von Manuel und Birgit Michaelis sowie Max Windholz, die ihre Kunstwerkstatt in der Färberstraße 12 zur Verfügung stellen. Für Landspersky spielt der Fluss eine wichtige Rolle. „Der Inn als Ort berührt mich tief“, erklärt er.

René Landspersky ist der Gründer von „What Remains Gallery Projects“

Für Khumalo spielt entwicklungspolitische Bildungsarbeit eine wichtige Rolle. Er war selbst als Studierendenvertreter des Globalen Lernens Lernen tätig. Seine Rolle dabei sei die Vertretung der Zivilgesellschaft gewesen. Nun will er auch die Informationen aus den Gremien an die Menschen geben.

Auf seinen Plakaten und Bannern erinnert Mduduzi Khumalo an den Soweto-Aufstand oder an Menschenrechte.

Sein Ansatz dabei sei immer von „Ubunto“ geprägt. Die Lebensphilosophie aus dem Süden Afrikas bedeute Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, bereit zu sein, auch mal einen Schritt zurückzutreten, aktiv zuzuhören und ein Bewusstsein für ein Miteinander zu haben, erklärt Khumalo. Ganz nach dem Motto: „Ich bin, weil wir sind“. Khumalo wurde Anfang der 1980er Jahre – sein genaues Alter will er nicht verraten – in Südafrika geboren. Er und seine Mutter wohnten in einem Township, einer planmäßig angelegten Siedlung für nicht-weiße Bevölkerungsgruppen während der Apartheid. Seine Mutter lernte dann einen deutschen Mann kennen, die beiden heirateten und sie und Khumalo zogen Anfang der 90er Jahre nach Freising. „Dort war ich sehr glücklich“, sagt er. Die Apartheid in Südafrika habe Khumalo geprägt, so sehr, dass er in Deutschland blieb, als seine Mutter wieder dorthin zurückging.

Das Bildungscamp von Mduduzi Khumalo im Juni in Wasserburg.

Khumalo wuchs dann bei seiner Großmutter auf, besuchte die Hauptschule und absolvierte eine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Das Fachabitur begann er, brach es wegen zu vielen Rassismuserfahrungen ab. „In der Hauptschule hatte ich keine Probleme. Doch ausgerechnet auf den bildungshöheren Schulen habe ich viel Rassismus erfahren. Dort ist der Leistungsdruck und das Konkurrenzdenken größer“, sagt Khumalo. Als Mensch, der in Südafrika geboren wurde, aber in Deutschland aufgewachsen ist, bezeichnet sich Khumalo selbst als Bayerischen Zulu.

In seinem Instagramkanal „blackdefinitionmatters“ begleitet Khumalo seine künstlerischen Projekte. Dabei legt er einerseits den Fokus auf das, was die Menschen voneinander lernen können und zum anderen auf die UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft. „Oft fehlt es an Wissenstransfer“, erklärt der Münchner. Khumalo appelliert zudem daran, dass die Menschen mehr auf Gemeinsames als auf Unterschiede schauen sollen. Deswegen brauche es Orte, an denen Personen miteinander reden, verhandeln und leben können, sagt er. In seinen Projekten geht es um den Soweto-Aufstand, bei dem 1976 in der südafrikanischen Stadt Soweto rund 600 Schülerinnen und Schüler durch Polizeigewalt starben oder um Asyl als Menschenrecht. Mit Fotos, Banner und Performances will Khumalo seine Themen an die Menschen bringen.

Boxen in der Wasserburger Hofstatt zeigen die Nachricht „N-Wort stoppen“.

In Wasserburg hat es ihm dabei gut gefallen. „Die Stadt ist schön“, sagt er. Auch wenn ihm an seinem ersten Tag in Wasserburg „das N-Wort“ zugerufen worden sei, schaut er auch auf die positiven Erlebnisse. Die Anmeldungen für seine Kunstdemonstrationen seien von der Stadt gut angenommen worden. „Und ich fremdle hier nicht, weil ich gelernt habe ‚Servus‘ und ‚Grüß Gott‘ zu sagen. So macht man das ja in Bayern“, erklärt er.

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