IG RSA gegründet: Mitglieder machen mobil
„Uns gehört diese Bank!“ Über 300 Mitglieder wollen die RSA retten – Was sie antreibt
Bereits über 300 der 5200 Mitglieder der RSA wollen, dass ihre Bank selbstständig bleibt: Die Gründung einer Interessengemeinschaft geriet am Mittwochabend (10. September) in Soyen zu einer Demonstration des Kampfeswillens. Über einen Abend, der aufzeigte, wie wichtig vielen „ihre“ Bank ist.
Soyen/Rechtmehring/Albaching – 350 kamen rein, 50 weitere Gäste mussten aus Sicherheitsgründen vor der Tür abgewiesen werden, weitere 50 hatten ebenfalls keine Chance: Die Gründung der Interessengemeinschaft (IG) zur Rettung der RSA-Bank stieß am Mittwochabend (10. September) auf so große Resonanz, dass sich vor der Turnhalle der Grundschule Soyen lange Schlangen bildeten und gar nicht alle aufgenommen werden konnten. Die Feuerwehr musste den Ansturm ordnen. Über 400 Bürger wollten wissen, wie es mit ihrer Bank weitergeht: alles Mitglieder, denn nur diese hatten eine Teilnahmeerlaubnis. Die 600 vorbereiteten Mitgliedsanträge für die IG haben nach Angaben von Versammlungsleiter Karl Fischberger nicht ausgereicht.
Die Stimmung in der Halle: ruhig, aber angespannt, der Ablauf des Abends: geordnet, die Mienen im Publikum: ernst. Tenor: „Uns gehört diese Bank, wir sind ihre Eigentümer. Und wir wollen sie behalten“: So brachte Fischberger, Alt-Bürgermeister von Soyen und ehemaliger Aufsichtsrat der RSA, das Ziel der IG auf den Punkt.
Sebastian Linner: „Wir brauchen Antworten“
Der von den Versammelten mit drei Enthaltungen gewählte Vorsitzende der IG, Sebastian Linner, Bürgermeister von Rechtmehring, dem Traditions- und Hauptsitz der RSA-Bank, gab das Kampf-Motto aus: „Nichts tun ist das Schlechteste, was wir machen können. Wir müssen näher ran, wir brauchen Antworten auf die vielen offenen Fragen. Und wir werden uns nicht vor der züngelnden Schlange Großbank wegducken.“
IG-Vorstand prominent besetzt
Linner hat Lokalprominenz als Unterstützung: Zweiter Vorsitzender der IG ist der Bürgermeister von Soyen, Thomas Weber, weiterer Stellvertreter von Linner der Rathauschef von Albaching, Rudolf Schreyer. Schatzmeister der IG ist ein RSA-Kenner: der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Franz Sanftl, Altbürgermeister von Albaching. Und Schriftführer ist der Mann, der die Protestwelle gegen eine mögliche Aufgabe der Selbstständigkeit federführend ins Leben gerufen hat: Fischberger, ebenfalls jahrelang Aufsichtsrat, Alt-Bürgermeister von Soyen.
Machtvolle Männer, unterstützt von ebenso einflussreichen Frauen wie der Zweiten Bürgermeister von Rechtmehring, Irmgard Daumosser, und der zweiten Bürgermeisterin von Soyen, Afra Zantner, die die Vorstandswahl leitete.
„Man erfährt nichts“
Sie eint, mit den 350 Gästen in der Turnhalle, der Wunsch nach Aufklärung. „Was ist auf einmal los bei der RSA-Bank?“ Warum ist 2024, nach vielen Jahren der Erfolgsbilanzen, die Rede von einer finanziellen Schieflage? Warum wurden Vorstandsmitglieder abgesetzt? Warum „musste“ eine Kooperation mit der VR-Bank Rosenheim kommen? Fragen über Fragen, auf die es bis heute keine Antworten gebe, so Linner. „Man erfährt nichts.“
„Nach 125 Jahren soll auf einmal Schluss sein?“, zeigte sich auch der Hausherr, Soyens Bürgermeister Weber, fassungslos. Selbst auf den offenen Brief der drei Bürgermeister an den Genossenschaftsverband und die Aufsichtsbehörden, in dem die vielen offenen Fragen aufgelistet würden, habe es bisher keine Reaktionen gegeben, bemängelte Weber die Kommunikationspolitik.
Stimmung auf dem Nullpunkt
Die Krise wurde nach Ansicht von Fischberger ausgelöst durch die Routine-Prüfung des Genossenschaftsverbands im Frühjahr 2025. Bereits kurz nachdem die Prüfer ihre Arbeit begonnen hätten, sei über den Platow-Brief, einem Online-Informationsdienst für das Bank- und Finanzwesen, kolportiert worden, die RSA-Bank sei in finanzielle Schieflage geraten. „Was das heißt? Wir wissen es bis heute nicht.“ Dann sei Vorstandsvorsitzender Alfred Pongratz zurückgetreten. „Warum? Das weiß bis heute keiner.“ Danach sei die Rede davon gewesen, die Genossenschaftsbank habe sich mit Münchener Immobiliengeschäften verspekuliert. Auch hierzu gebe es keine Informationen, was genau gemeint sei, so Fischberger.
Doch die Saat sei aufgegangen. Kunden hätten ihr Geld abgezogen, Mitarbeitende seien verunsichert. Die RSA sei zu schnell gewachsen, sei vermutet worden. In der Tat stieg die Bilanzsumme laut Fischberger von 2021 bis 2023 von 738 Millionen auf eine Milliarde Euro. Doch auch die Einlagen und Kreditvergaben seien mitgewachsen. Die RSA-Bank habe 95 Millionen Euro Eigenkapital, so die Schätzung. Stets hätten die Prüfer die Bilanz uneingeschränkt gewürdigt, bei der letzten Generalversammlung im Jahr 2024 habe es sogar viel Lob für den Geschäftsbericht gegeben habe, so Fischberger. „Und heuer soll auf einmal alles anders sein?“, fragte er ungläubig. „Wie hoch ist der angebliche Bilanzverlust? Wir wissen es nicht“, so der Alt-Bürgermeister. Auch der Inhalt des Kooperationsvertrags mit der VR-Bank Rosenheim sei nicht bekannt. Antworten vom Prüfungsverband oder vom neuen RSA-Vorstand, besetzt mit Vertretern von außerhalb sowie aus der VR-Bank Rosenheim, gebe es nicht. „Wir Mitglieder als Eigentümer bekommen keine Auskünfte.“
Die Prüfer würden die Werthaltigkeit der Sicherheiten anzweifeln, Kredite auf einmal aus „ausfallgefährdet“ einschätzen. Dabei sei es zwischen 2016 und 2023 bei einem Kreditvolumen von 800 Millionen Euro nur zu 490.000 Euro Ausfall bei der RSA gekommen, 2023 habe die Gewinnprognose für 2024 bei zwölf bis 15 Millionen Euro gelegen.
Die Stimmung sei auf dem Nullpunkt, so Fischberger: bei den Mitgliedern ebenso wie bei den Mitarbeitenden und Kunden. Verunsicherung mache sich breit. Kunden würden derzeit keine neuen Kredite erhalten.
Sorge vor einer „Zwangsfusion“
All diese Entwicklungen seien ein Zeichen dafür, dass eine Fusion angestrebt werde, behauptete Fischberger. Sie verlaufe nach seinen Erfahrungen immer nach dem gleichen Schema: Prüfungen würden ausgedehnt, Vorstände abgesetzt, Immobilien abgewertet, Kredite als ausfallgefährdet eingestuft, bis der Titel „Sanierungsbank“ in aller Munde sei. Dann komme der Retter, in Falle der RSA die VR-Bank Rosenheim, die größte Genossenschaftsbank in Bayern. Das übernehmende Haus erhalte das Eigenkapital und den Kundenstamm der zu schluckenden Bank. Aufgrund der Größe würden Mitglieder bei den Generalversammlungen durch Vertreter ersetzt, der alte Aufsichtsrat aufgelöst.
„Wir wollen keine Zwangsfusion“, rief Fischberger als Motto aus. Er sehe Gefahren für die Standorte, vor allem in Albaching und Soyen, die 100 RSA-Arbeitsplätze, und für die Raiffeisen-Werte. Eine Genossenschaftsbank wie die RSA sei ausschließlich dazu da, die Mitglieder und die Region zu fördern. Sie müsse nicht einmal Gewinn erwirtschaften.
Mitglieder sollen selber entscheiden
Und wenn eine Fusion notwendig sei, dann sollten darüber die Mitglieder selber entscheiden können, auf der Basis ausreichender Informationen. Fischberger sieht in diesem Fall keinen Automatismus, dass es unbedingt die „meine VR-Bank Rosenheim“ sein müsse. Es gebe schließlich im Fall der Fälle auch noch andere Optionen, etwa in Richtung von Genossenschaftsbanken in Haag-Gars oder Dorfen-Taufkirchen.
„Warum will die VR-Bank Rosenheim uns überhaupt?“, fragte er. Woher komme das Interesse an einer angeblichen Sanierungsbank? Kampflos wolle sich die RSA nicht ergeben. 75 Prozent der 5200 Mitglieder müssten einer Fusion, vermutlich vorgeschlagen bei einer Generalversammlung im Frühjahr 2026, zustimmen. „Das ist Eure Entscheidung“, wandte er sich an das Publikum.
Ziel: nicht sang- und klanglos aufgeben
Mindestens 300 Mitglieder braucht die IG RSA, um beim Vorstand Anträge einzubringen: etwa auf Einsicht in Prüfungsberichte, oder Antworten auf die vielen offenen Fragen zu erhalten. Es gehe auch darum, den Inhalt des Kooperationsvertrags mit der VR-Bank Rosenheim einzusehen. Die erforderliche Zahl von Unterschriften wurde noch am Abend erreicht. Die genaue Anzahl der abgegebenen Mitgliedsanträge liegt noch nicht vor.
„Wir werden nicht sang- und klanglos aufgeben“, versprach der stellvertretende Vorsitzende Schreyer. „Wir wollen erfahren, was los ist“, so Sanftl, ehemaliger Aufsichtsrat und Schatzmeister. Für ihn ist es „eine Herzensangelegenheit“, für Aufklärung zu sorgen. „Wir dürfen nicht klein beigeben“, forderte Soyens Zweite Bürgermeisterin.
Sorge um Genossenschaftswerte
Fischberger machte jedoch klar: Der Kampf um den Erhalt der Selbstständigkeit werde eine große Anstrengung, unter anderem der Genossenschaftsverband sei hierbei ein Gegner. „Dahinter steht eine Macht, gegen die wir uns als kleine Dorfbank auflehnen.“ Doch der Trend zu immer größeren Einheiten müsse aufgehalten werden, auch den Dörfern wie Soyen, Rechtmehring und Albaching zu liebe, fand Weber. Banken wie die RSA seien auf dem Land wichtige Finanzdienstleister, Förderer des kommunalen Lebens und bedeutende Gewerbesteuerzahler, die die Werte der Genossenschaften hoch halten würden.



