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Selbstversuch in Rott am Inn

Mit Spannung erwartet: „24-Stunden-Experiment in der Enge einer Flüchtlingsunterkunft in Rott“

Simulationen wie diese will die Bürgerinitiative „Rott rottiert“ für ihr Experiment „24 Stunden in einer Flüchtlingsunterkunft“ nutzen.
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Simulationen wie diese will die Bürgerinitiative „Rott rottiert“ für ihr Experiment „24 Stunden in einer Flüchtlingsunterkunft“ nutzen.

„6 Personen erleben auf 11 Quadratmetern die Realität als Schutzsuchende in einer Erstaufnahme-Einrichtung“: Dieses 24-Stunden-Experiment startet am Samstagabend (28. Juni) in Rott am Inn. Eine Simulation, die mit Spannung erwartet wird. Wer wird mitmachen?

Update, 28. Juni, 21.13 Uhr – Experiment gestartet

Drinnen in der Erstaufnahme-Einrichtung in Rott stehen, sichtbar in den Fenstern, die ersten Stockbetten für die Geflüchteten, die hier einziehen sollen. Draußen auf dem Hof der benachbarten Spedition Hein hat derweil am Abend (28. Juni) das 24-Stunden-Experiment der Bürgerinitiative „Rott rottiert“ begonnen. Die aufgebaute Box mit sechs Betten soll die Enge in der Erstaufnahme-Einrichtung für bis zu 270 Geflüchtete widerspiegeln.

Probeliegen beim 24-Stunden-Experiment in Rott: (oben von links) Rudolf Bennigsen, Nepomuk Poschenrieder und Christian Jendel und (unten von links) Günther Hein, Barbara Stein und Sepp Hofer.

Doch die Zahl der Übernachtungsgäste, die das Experiment wagen werden, ist überschaubar. Von den eingeladenen Politikern und Entscheidungsträgern auf Landesebene ließ sich, wie erwartet, niemand sehen. Bis 20 Uhr waren lediglich der stellvertretende Landrat Sepp Hofer (Freie Wähler) erschienen, der sich gemeinsam mit Kreistagsmitglied Barbara Stein (Freie Wähler) solidarisch mit der BI zeigte. Es blieb jedoch beim Probeliegen für ein Pressefoto. Dafür sparten alle Beteiligten, darunter auch Bürgermeister Daniel Wendrock, als Redner nicht an scharfen Worten zur Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Rosenheim. Im Fokus der Kritik: die „menschenunwürdige“ Unterbringung in großen, zentralen Unterkünften wie in Rott.

Erstmeldung, 8.44 Uhr

Rott am Inn – Wer wird seinen Kulturbeutel und Schlafanzug einpacken und für eine Nacht in eine Box ziehen, die die Bürgerinitiative (BI) „Rott rottiert“ in direkter Nachbarschaft zur geplanten Erstaufnahme-Einrichtung für bis zu 270 Geflüchtete aufbauen wird? Gibt es Gäste, die sich auf das Experiment im Gewerbegebiet „Am Eckfeld 10“ einlassen? Die Einladung der BI war vor allem an Entscheidungsträger aus der Politik gegangen, aber auch an interessierte Bürger, Vertreter von Initiativen und Presse. Auf dem Programm bis Sonntagabend (29. Juni) stehen außerdem Diskussionen, eine Verfassungsviertelstunde, ein runder Tisch mit geladenen politischen Vertretern sowie „ausdrucksstarke Impressionen“, so die BI.

Problem großer Unterkünfte

Wer zum Übernachten kommt, wird schwitzen, denn es wird eine heiße Nacht erwartet. Und eng ist es nach Überzeugung der BI sowieso. Zu eng, weil zu viele Leute auf kleinem Raum zusammenleben müssten, nicht nur für einen Tag, wie beim Experiment, sondern für Monate. Deshalb seien Konflikte vorprogrammiert.

„Rott rottiert“ möchte mit dem Selbstversuch auf die Probleme großer zentraler Unterkünfte hinweisen. Forderung: eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf alle Orte im Landkreis und auf möglichst viele Standorte. Kleine Dörfer wie Rott seien von großen Unterkünften überfordert.

Tatsache ist: In Rott ziehen nicht, wie ursprünglich geplant, sogar bis zu 500 Flüchtlinge ein, sondern 270, in zwei Stufen. Und da es eine Ankunftseinrichtung ist, sollen sie nur etwa drei Monaten bleiben. Die Gemeinde hatte erfolglos Alternativen angeboten. Sie klagt vor dem Verwaltungsgericht. Ein Eilantrag, der die aufschiebende Wirkung des vom Landratsamt genehmigten Bauantrags erwirken sollten, wurde vom Gericht abgelehnt. Die Chancen, sich rechtlich durchzusetzen, stehen für Rott schlecht.

Streit um Quecksilber und Zeitschiene

Die ersten Geflüchteten sollen Mitte Juli ankommen. Eine Zeitschiene, die nach Überzeugung der BI nicht stimmen kann, da noch die Ergebnisse eines zweiten Gutachtens zur Frage einer möglichen Quecksilberbelastung der Räumlichkeiten ausstehen. Dieses zweite Gutachten hatte Innenminister Joachim Herrmann vorsorglich angeordnet.

„Rott rottiert“ bleibt beim Protest unerschütterlich am Ball. Und steht jetzt am Wochenende (28. und 29. Juni) wieder im Fokus des Interesses. Das 24-Stunden-Experiment soll verdeutlichen, dass die geplante Unterbringung menschenunwürdig sei. Das Landratsamt Rosenheim weist jedoch darauf hin, dass die geplante Belegung den gesetzlichen Vorgaben entspreche. „Das Landratsamt und die Regierung von Oberbayern setzen für Rott am Inn keine anderen Maßstäbe, Normen und Prinzipien an, als dies andernorts der Fall wäre. Die Planungen erfolgen regelkonform und getreu den Bundes- und Landesgesetzen“, so die Pressestelle des Landratsamts.

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