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Auf dem Atlantik

Piraten-Alarm, Mayday, Militär-Einsatz: Dramatische Stunden für Bernauer Skipper Severin Ohlert

Der Bernauer Skipper Severin Ohlert bekam auf dem Atlantik-Besuch von einem Navy-Schiff.
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Der Bernauer Skipper Severin Ohlert bekam auf dem Atlantik Besuch von einem Navy-Schiff.

Der Bernauer Severin Ohlert überführt gerade als Chef einer Segel-Crew einen Katamaran von Mallorca nach Kuba. Auf dem Atlantik überschlugen sich die Ereignisse, als sich drei schwarze Boote mit vermummten Männern gefährlich näherten.

Bernau/Atlantischer Ozean – 4800 Kilometer von Teneriffa nach Martinique – am Dienstag (4. November) hat der Bernauer Skipper Severin Ohlert mit seiner Crew die nächste Etappe seiner Atlantik-Überquerung gestartet. Geschätzte drei Wochen im Katamaran im „Blauwasser“, wie das die Seeleute nennen. Also in alle Himmelsrichtungen nur das tiefblaue Meer und kein Land in Sicht. Klingt gefährlich, schließlich ist gerade Hurrikan Melissa genau über diesen Ozean gezogen. Schreckliche Verwüstungen in Jamaika und anderen Ländern der Karibik-Region wie Ohlerts Endziel Kuba hat der schreckliche Wirbelsturm angerichtet, viele Todesopfer gefordert.

Der Bernauer Skipper Severin Ohlert.

Atlantik-Überquerung als Traum-Erfüllung

Man könnte sich also durchaus mit einem mindestens kleinen Bauchgrummeln auf den weiten Weg über den Ozean machen. Doch vor schlechtem Wetter oder Stürmen hat Severin Ohlert zwar Respekt, aber keine Angst. Die Atlantik-Überquerung im Katamaran „Bolubo“ ist die Erfüllung eines Traums für den 36-Jährigen Mann. Er ist ansonsten für die österreichische Segelschule „In2theblue“ als Ausbilder in der Adria am Heimathafen Punat auf der kroatischen Insel Krk unterwegs. Jetzt aber hat er auf eigenen Wunsch als Skipper – also Boss einer Segelcrew – den weiten Weg von Mallorca nach Kuba über den Atlantik angetreten. Er überführt das schmucke Boot eines reichen Eigners, der künftig statt im Mittelmeer-Raum lieber in der Karibik herumschippern will.

Ein Kollege fuhr das Boot aus dem kroatischen Tribunj zunächst nach Mallorca. Dort übernahm dann Severin Ohlert und startete am 17. Oktober vom Marina-Hafen La Lonja den Segeltrip seines Lebens. Dass dieser aber nach einem vergleichbar ruhigen Auftakt im Mittelmeer und der Fahrt durch die Straße von Gibraltar so gefährlich werden sollte, hatte der Skipper vom Chiemsee freilich nicht geahnt. Etwa 60 Seemeilen vor der Küste von Marokko segelte er mit seinem Katamaran samt siebenköpfiger Crew durch den Atlantik, als sich plötzlich drei schwarze Boote näherten. Die sogenannten RIB‘s (Rigid Inflatable Boat) sind Schlauchboote mit einem festen Rumpf, die wegen der guten Kombination aus Stabilität und Schnelligkeit von Küstenwache, Militär oder Seenot-Rettung benutzt werden. Aber auch von Flüchtlings-Schleppern oder Piraten.

SOS und ein „schlechtes Bauchgefühl“

Die haben das SOS-Zeichen gemacht, aber ich hatte irgendwie ein schlechtes Bauchgefühl. Deshalb haben wir einen zweiten Motor gestartet, sind vorbeigefahren und haben ihnen gezeigt, dass sie gern ihren Notruf durchfunken dürften“, erzählt Ohlert dem OVB. Doch die teils vermummten Männer auf den RIB‘s wollten das gar nicht, starteten plötzlich ihre Motoren und fuhren in größeren Kreisen um die „Bolubo“ herum. Der Skipper fand das mehr als ein „bisschen schräg“, sah seine Bootsbesatzung als akut bedroht an und setzte ein Mayday-Signal ab. Das bedeutet auf See eine unmittelbare Gefahr für menschliches Leben. Außerdem telefonierte Ohlert mit dem MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) in Bremen, den deutschen Seenotrettern.

„Daraufhin wurde ich dann von der Bundespolizei auf dem Handy angerufen und da ging auf einmal eine riesige Rettungskette los“, berichtet Ohlert: „Wir haben uns dann von einem Containerschiff zum nächsten durchgefunkt und haben gesagt: ‚Hey, dürfen wir bei euch ein bisschen in die Nähe fahren, wir haben da ein bisschen Sorge‘.“ Die drei schwarzen Boote blieben daraufhin auf einmal hinter dem Katamaran zurück. Dass es sich bei den teils vermummten Männern um Fischer gehandelt haben könnte, hält Ohlert für extrem unwahrscheinlich. „Die hätten sich anders verhalten, das war seltsam.“ Irgendwann verschwanden die drei Boote hinterm Horizont, doch damit war das gefährliche Abenteuer noch nicht beendet.

Kriegsschiff aus Marokko taucht auf

„Auf einmal bekamen wir einen Funkspruch von der marokkanischen Coast Guard, wir sollen bitte Motoren stoppen und auf sie warten, sie hätten ein paar Fragen an uns“, erzählt Ohlert. Der Schiffskapitän kontaktierte sicherheitshalber erneut das MRCC in Bremen, das bestätigte, dass dies wirklich ein offizieller Einsatz des marokkanischen Staates sei. „Also haben wir auf die gewartet. Jetzt hatte ich halt erwartet, dass da die Coast Guard anrückt, dabei kam auf einmal ein marokkanisches Navy-Schiff herangefahren. Also die Marine mit einem Kriegsschiff.“ Mit einem echten Flackgeschütz an Bord.

Plötzlich tauchte ein marokkanisches Militärschiff auf.

Die Militärs ließen dann ein Beiboot mit fünf Soldaten zu Wasser und umkreisten den Katamaran. „Drei von denen sind dann an Bord gegangen, zwei haben das Schiff gefühlt einmal auseinander genommen und der Letzte hat natürlich ein paar Daten von uns aufgenommen. Dann hat er gesagt, in Marokko gäbe es keine Piraterie.“ Aber was steckt dann hinter dem Auftauchen der schwarzen Schnellbooten mit den vermummten Männern? Zumal eine andere Segelyacht im gleichen Seegebiet von einem ähnlichen Zwischenfall berichtete.

Die Militärs befragten die Crew auf dem Katamaran.

Ohlert hat abseits vom Piraterie-Verdacht noch andere Vermutungen: „Entweder waren es Schmuggler, die auf die Übergabe von Sachen von einem anderen Schiff gewartet haben. Oder es hatte irgendwas mit Flüchtlingen zu tun, die dort übernommen werden sollten.“ Die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln sind schließlich ein beliebter Anlaufpunkt von Schleusern vom afrikanischen Festland. Ob es Piraten, Schmuggler oder Flüchtlings-Schleuser waren – Severin Ohlert und seine Crew werden es vielleicht nie erfahren. Was bleibt, ist Dankbarkeit für die Hilfe des MRCC Bremen (das den Vorfall bestätigte), der Bundespolizei und anderer Boote. Dazu die Erinnerung an eine unglaubliche Geschichte und jede Menge Stoff zum Nachdenken auf den 4800 km von Teneriffa nach Martinique.

Im zweiten Teil der Geschichte erzählen wir, wie Severin Ohlert als Master der Erziehungswissenschaft zum Segeln kam. Außerdem erfahren (Hobby)-Segler, wie sie bei einem solch einem Trip auf dem Atlantik und in der Karibik dabei sein können.

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