Gibt es „Dunkelziffer“ weiterer Fälle?
„Stehe als Depp da“: Gerhard Muche (84) Opfer von Dachschaden-Betrug - das rät die Polizei
Erst der Kampf gegen die Bürokratie, nun Opfer einer neuen Betrugs-Masche: Gerhard Muche aus Bernau erlebt aufregende Monate. Der 84-Jährige hat Anzeige wegen Betrugs und erpresserischer Nötigung gegen eine Handvoll Männer erstattet, die sein Garagen-Dach teilweise zerstört haben. Muche erzählt die unglaubliche Geschichte.
Bernau/Prien – Gerhard Muche hätte es nach dem öffentlichen Kampf gegen den „Bürokratie-Wahnsinn“ um die Vermietung seines Hauses in Bernau gern wieder ein bisschen ruhiger gehabt. Aber das war dem 84-Jährigen nicht vergönnt. Kaum war das eine Problem durch die Genehmigungsfreistellung samt nachfolgendem Einzug einer Mieter-Familie gelöst, stand schon das nächste vor seiner Tür. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Pseudo-Handwerker sprechen von Dachschaden
„Ich war gerade dabei, die Garage auszuräumen, als meine Frau zu mir sagte, dass mich jemand sprechen wolle. Zwei vermeintliche Handwerker behaupteten, dass das Dach defekt sei. Auf Deutsch, aber gebrochen“, berichtet Muche dem OVB. Natürlich fragte der agile Senior bei den Männern gleich nach, woher sie das denn wissen könnten. Aber die behaupteten frech, dass sie das bei einem Einsatz auf einem Nachbar-Grundstück beobachtet hätten. Anschließend boten ihm die offenbar in einem blauen Transporter mit Münchner Kennzeichen angereisten Männer (Muche: „Das hat bei mir für Vertrauen gesorgt“) an, ihm den Schaden auf seinem Garagen-Dach zu zeigen.
„Sie standen blitzartig auf der Leiter. Dann haben sich mich aufgefordert, doch hochzukommen. Ich war so dämlich, das zu tun“, so Muche. Dann ging plötzlich alles ganz schnell: Mit einem Ruck riss das Duo die erst vor ein paar Jahren verleimte EPDM-Folie auf etwa zwei Metern ab. Kondenswasser – bei der Mittagshitze nicht verwunderlich – wurde als Nachweis für den vermeintlichen Dachschaden gezeigt. Da dieser durch die Abriss-Aktion nun tatsächlich entstanden war, überdachte der Bernauer Senior das Angebot der Bande.
Schnäppchen für 450 Euro, Polizei-Drohung und Flucht
450 Euro – 150 Euro für Material und 300 Euro für die Handwerkerleistung – boten sie Gerhard Muche für eine neue Dachverkleidung mit Aluprofilen an. Ein absolutes Schnäppchen, dachte der Hausbesitzer. Er ließ sich auf einem Zettel die Summe vom Wortführer schriftlich bestätigen, ein dritter vermeintlicher Handwerker kam hinzu. Dann fuhr Muche zur Volksbank, um das nötige Bargeld abzuheben. Als der grauhaarige Mann zurückkam, waren zu den drei Männern weitere hinzugekommen. Angereist in einem weißen Transporter mit polnischem Kennzeichen. Muche machte Beweisfotos von den Fahrzeugen und hielt auch die Machenschaften auf seinem Dach in Bildern fest.
„Dann wollte mich plötzlich ein anderer Mann sprechen. Der vereinbarte Preis sei viel zu niedrig, es müsse ein Quadratmeterpreis vereinbart werden, der den Angebotspreis um ein Mehrfaches überstieg“, so Muche. Jetzt wurde dem agilen Bernauer dann doch mulmig zumute. Er verwies auf den bestehenden Vertrag und drohte damit, die Polizei zu verständigen. Anschließend ging er nach oben, um eine Kopie der Vereinbarung zu machen. Als er wieder nach unten kam, waren alle Männer verschwunden: „Meine Frau hat gesagt, dass sie fluchtartig getürmt sind.“
Muche erstattet Anzeige: „Überfall – dann der finanzielle Hammer“
Die Ausländer mit guten Deutschkenntnissen hinterließen ein teilweise undichtes Garagen-Dach, Folienreste auf und hinter der Garage und die Reste des Kiesbelags. Kurze Zeit später war eine Streifer der Priener Polizeiinspektion vor Ort und besah sich das Dilemma. Gerhard Muche weiß, dass er eine große Mitschuld an dem Vorfall trägt: „Ich stehe als Depp da. Aber das war wirklich wie ein Überfall. Tatsachen schaffen – und zum Schluss kommt der finanzielle Hammer.“ Als kleiner Trost bleibt: Immerhin hatte Gerhard Muche noch kein Geld gezahlt.
Trotzdem erstattete der 84-Jährige Anzeige gegen Unbekannt wegen „Betrugs und erpresserischer Nötigung“ – „auch um andere ältere Menschen wegen dieser neuen Betrugs-Masche zu warnen“. Zwei Wochen nach diesem Vorfall war bei der Polizeiinspektion Prien noch kein weiterer Vorfall nach dieser perfiden Betrugs-Masche bekannt. „Es ist nur dieser Einzelfall bekannt, aber es kann natürlich eine Dunkelziffer ähnlicher Fälle gegeben haben“, hieß es auf Anfrage des OVB. Möglicherweise könnten Menschen aus Scham auf die polizeiliche Meldung vergleichbarer Vorfälle verzichtet haben.
Polizei: Betrugs-Masche bekannt – so schützt man sich
Die Betrugs-Masche selbst ist den Beamten aus Prien zumindest aus dem Fernsehen bekannt: „Man täuscht vor, dass es einen Schaden gibt und dann setzt man die Leute unter Druck. Nach einem ähnlichen Schema laufen auch Betrügereien am Telefon ab. Opfer gibt es aus allen Schichten – unabhängig von Alter oder Bildung.“
Der wichtigste Ratschlag der Polizei, um Betrügereien wie bei Gerhard Muche zu verhindern: „Vertrauen Sie bei Arbeiten am Haus, die ja auch nicht billig sind, lieber unseren heimischen Handwerkern als irgendjemandem von der Straße. Beim Handwerker des Vertrauens haben sie auch die Gewährleistung sicher.“ Ein Ratschlag, den Gerhard Muche sicher annehmen wird. Schließlich hat er jetzt wirklich genug von all dieser Aufregung.


