Was die Polizei zu dem Fall sagt
„Zerfetzt wie ein Kuscheltier“: Mini-Malteser „Medo“ stirbt nach Hunde-Attacke am Happinger Ausee
Dramatische Szenen am Happinger Ausee: Am Sonntag (15. Juni) soll ein Schäferhund einen Mini-Malteser angegriffen und tödlich verletzt haben. Die Besitzer sind am Boden zerstört, wollen ihre Geschichte aber trotzdem erzählen. Über einen Tag, der für sie alles veränderte.
Rosenheim - Der Schmerz sitzt tief. Auch eine Woche nach dem Vorfall. Am Sonntag, 15. Juni, verbrachte eine junge Frau ihren Nachmittag am Happinger Ausee – gemeinsam mit ihrem Mini-Malteser „Medo“. „Das ist Kroatisch und bedeutet Bärchen“, sagt die Schwester der Frau. Sie ist es, die sich bereit erklärt hat, mit der Presse zu sprechen. Anonym wollen sie beide bleiben.
Gespräch mit anderem Badegast
Am Happinger Ausee angekommen, sei die junge Hundebesitzerin schnell mit einem anderen Badegast ins Gespräch gekommen, der neben einem Schäferhund auch einen kleineren Hund dabei hatte. „Die beiden kleinen Hunde haben sich sofort gut verstanden und miteinander gespielt“, sagt die Schwester - die selbst nicht dabei war.
Moment, der alles verändert hat
Die Freude darüber war groß, denn „Medo“ sei eher ein ruhiger Hund gewesen, der selten mit anderen gespielt hat. Umso erfreuter sei sein Frauchen über die Situation gewesen. Bis zu dem Moment, der alles veränderte. „Meiner Schwester ist aufgefallen, dass sich der Schäferhund sehr aggressiv verhalten hat“, sagt die Rosenheimerin.
Von Leine gerissen
Darauf habe ihre Schwester ihren Mini-Malteser zu sich gerufen. Der Schäferhund habe sich nur wenige Sekunden später von der Leine losgerissen. Er sei auf „Medo“ losgegangen und habe ihn attackiert. „Er hat ihn zerfetzt wie ein Kuscheltier“, sagt die Rosenheimerin.
Die Hundebesitzerin fuhr sofort in die Tierklinik. „Er hat kein Lebenszeichen mehr gezeigt“, sagt die junge Frau am Telefon. Der Hund musste – aufgrund seiner inneren und äußeren Verletzungen – sofort notoperiert werden. Zwar konnte kurzzeitig wieder ein Herzschlag festgestellt werden, doch die Nacht überlebte der Mini-Malteser nicht. „Er ist am Montag (16. Juni) an einem Herzstillstand gestorben“, sagt die Schwester.
Ordnungsamt informiert
Seitdem steht die Welt der Familie still. Derzeit laufen Überlegungen, einen Anwalt einzuschalten und gegen die Besitzerin des Schäferhundes vorzugehen. Dem Ordnungsamt habe man den Fall bereits gemeldet. Den Eingang bestätigt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim.
All das ändert jedoch nichts am Tod vom kleinen „Medo“. Der neunjährige Mini-Malteser wurde brutal aus dem Leben gerissen. „Wir wollen unsere Geschichte publik machen und andere Hundebesitzer sensibilisieren“, sagt die Schwester.
Keine Anzeige erstattet
Der Rosenheimer Polizei ist über den Fall nichts bekannt. Was an sich nicht weiter verwunderlich ist, weil die Besitzerin des Maltesers keine Anzeige erstattet hat. „Wir können in Fällen dieser Art ohnehin wenig machen“, erklärt Hauptkommissar Robert Maurer. Denn Tiere können keine Täter sein. „Wenn es keine Vorgeschichte gibt und die Tiere, ohne dass von den Besitzern etwas gemacht wurde, aufeinander losgehen, liegt im rechtlichen Sinne keine Straftat vor“, erklärt Maurer.
In Fällen dieser Art unterstütze die Polizei lediglich beim Austausch der Personaldaten. „Das geht dann eher in den zivilrechtlichen Bereich. Beispielsweise, wer für die Kosten des Tierarztes aufkommt“, fügt der Hauptkommissar hinzu. Eine Sachbeschädigung würde dann vorliegen, wenn der Hundehalter auf sein Tier nicht ordnungsgemäß aufpasst. Maurer zufolge sei das dann der Fall, wenn ein Hundehalter seinen Hund bewusst auf einen anderen hetzt. In einem solchen Fall falle die Schuld auf den Hundehalter zurück.
Wie oft es im vergangenen Jahr zu Fällen dieser Art gekommen ist, weiß der Polizist nicht. „Dazu haben wir keine verlässlichen Zahlen“, erklärt er. Eben auch, weil Fälle dieser Art unter dem Begriff „Sachbeschädigung“ gelistet sind.
Fünf Menschen von Hunden gebissen
Was Maurer stattdessen liefern kann, ist die Zahl der Fälle, wie oft Menschen in den vergangenen sechs Monaten von Hunden gebissen worden. „Insgesamt ist das in unserem Verbreitungsgebiet fünfmal passiert“, sagt er. Eine Strafe droht auch hier in den meisten Fällen nicht, da der Hund nicht strafrechtlich belangt werden kann. „In einigen Fällen kann die Kommune beziehungsweise Gemeinde jedoch ein Hundehaltverbot erlassen“, fügt der Hauptkommissar hinzu.
