In der Hubertusstraße
„Ich bin mehr als bestürzt“: Geplante Flüchtlingsunterkunft in Rosenheim sorgt für Kritik
An der Ecke Hubertus-/Küpferlingstraße in Rosenheim soll ein fünfstöckiges Wohngebäude mit 54 Einheiten entstehen. Das wurde vor zwei Jahren bekannt gegeben. Jetzt haben sich die Pläne für das Gebäude vorerst geändert - zum Ärger der ehemaligen Mieter.
Rosenheim – 40 Jahre lang hat Josef Kalteis in dem Gebäude an der Ecke Hubertus-/Küpferlingstraße gewohnt. Die Kinder sind irgendwann ausgezogen, er und seine Frau blieben. Bis sie 2020 ein Kündigungsschreiben aus dem Briefkasten holten. „Uns wurde mitgeteilt, dass das Haus unbewohnbar ist und wir deshalb ausziehen müssen“, erinnert sich Kalteis. Also suchten er und seine Frau nach einer neuen Wohnung, packten ihre Sachen und zogen um.
Heimat für 100 geflüchtete Menschen
Seitdem sind mehr als zwei Jahre vergangen. Hin und wieder fährt Josef Kalteis an seinem ehemaligen Zuhause vorbei. „Mich interessiert die Entwicklung“, sagt er. Lange Zeit sei nichts passiert, bis er vor einigen Wochen die ersten Umbauarbeiten beobachtete. Er habe das Gespräch mit den Bauarbeitern gesucht – und erfahren, dass die Wohnblöcke saniert werden. Anschließend sollen rund 100 geflüchtete Menschen in dem Gebäude unterkommen.
Das bestätigt Christian Baab, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Rosenheim. „Um der nach wie vor hohen Anzahl an in Rosenheim ankommenden Flüchtlingen gerecht zu werden, ist die Stadt Rosenheim weiterhin auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten“, sagt er. Oberbürgermeister Andreas März habe aus diesem Grund das Gespräch mit dem Eigentümer des Gebäudes an der Ecke Hubertus-/Küpferlingstraße gesucht.
54 Wohneinheiten und ein Café
Bereits 2021 hatte der Eigentümer – eine Rosenheimer Wohnungsbaugesellschaft – bekanntgegeben, dass die einstige Eisenbahnersiedlung abgerissen werden soll. Geplant sei der Bau eines fünfgeschossigen Winkel-Gebäudes sowie eines viergeschossigen Hauses im Innenhof samt Tiefgarage. Neben insgesamt 54 Wohneinheiten soll auch Café im Erdgeschoss entstehen.
„Die Wohnungen sind derzeit nicht bewohnbar und müssen auf einen Mindeststandard gebracht werden“, erklärt Baab. Vonseiten der Rosenheimer Wohnungsbaugesellschaft wird das bestätigt. Die Rede ist von fehlendem warmen Wasser, maroden Haustüren, Eingangstüren und Treppengeländern sowie einer fehlenden Heizungsanlage. Stattdessen gebe es Holzöfen, dezentrale Öfen, Speicheröfen oder eine Ölleitung, die direkt vom Keller in die jeweilige Wohnung führt.
Warmes Wasser, Fernwärme und ordentliche Türen
„Jetzt erhält jede Wohnung eine zentrale Heizung durch Fernwärme, Warmwasserversorgung, funktionierende Elektroverteilung, Haus- und Wohnungseingangstüren“, teilt die Rosenheimer Wohnungsbaugesellschaft mit. Geplant sei eine Übergabe der insgesamt 31 Dreizimmerwohnungen im dritten Quartal dieses Jahres.
„Mit den Wohnungen für rund 100 Flüchtlinge in der Hubertus- und Küpferlingstraße wird die Flüchtlingsunterbringung in Rosenheim deutlich entzerrt“, sagt Pressesprecher Baab. Er erinnert daran, dass sich derzeit 1.500 Flüchtlinge in Rosenheim befinden, 900 davon aus der Ukraine. Nach wie vor diene die Luitpoldhalle als Notunterkunft, in der zwischen 50 und 100 Personen untergebracht sind.
Eine sinnvolle Zwischennutzung
Durch die Unterbringung der geflüchteten Menschen in dem Wohnkomplex an der Ecke Hubertus-/Küpferlingstraße wird die Stadt laut Christian Baab entlastet. Zudem werde leerstehender Wohnraum dadurch für einige Jahre sinnvoll zwischengenutzt. „Der geschlossene Mietvertrag hat ein Sonderkündigungsrecht nach sechs Jahren“, teilt der Eigentümer auf OVB-Anfrage mit. Im Moment laufe der objektbezogene Bebauungsplan, der voraussichtlich Ende 2023 oder 2024 rechtskräftig sei.
„Ich bin über die Situation verdammt verärgert“, sagt Josef Kalteis. Er könne nicht nachvollziehen, warum er und seine Frau ausziehen mussten, wenn das Haus jetzt vorerst doch nicht abgerissen wird. Ähnlich äußert sich Inge Hasselbrink. „Ich bin mehr als bestürzt“, sagt sie. Ihre Oma habe 60 Jahre lang in einer der Wohnung gelebt, sie selbst sei erst vor 15 Jahren von der Küpferlingstraße nach Pang gezogen. Sie kritisiert, dass „zum Teil langjährige Mieter“ innerhalb kürzester Zeit ausziehen mussten, damit neuer Wohnraum geschaffen werden kann.