Auseinandersetzung ums Prienavera
Pest oder Cholera? Priener Politiker haben die Qual der Wahl, wie sie den Wurm verstümmeln
Weniger Wurm, mehr See. Das will die Mehrheit der Priener Marktgemeinderäte. Die Diskussion, wo das neue Energiegebäude des Prienavera hinkommen und wie groß es werden soll, war kontrovers.
Prien am Chiemsee – „Ich schaue doch erst, was ich brauche und plane dann den Bau“, kommentierte Leonhard Hinterholzer (Grüne) die Entscheidung über den Bauantrag für eine neue Prienavera-Energiezentrale vor der Entscheidung über ein Energiekonzept. Hängt mit der Finanzierung zusammen, denn die Regierung von Oberbayern hat der Gemeinde eine Aufstockung des Zuschusses durch das bayerische Wirtschaftsministerium in Aussicht gestellt – Voraussetzung dafür sind aber laut Bürgermeister Andreas Friedrich der Bauantrag und die wasserrechtliche Genehmigung. Letztere wird von der Verwaltung gerade vorbereitet, über den Bauantrag musste jetzt der Marktgemeinderat entscheiden.
Zwei Herausforderungen
Kersten Lahl (BfP) hielt fest, dass die Kommunalpolitiker da gleich vor zwei Herausforderungen stünden: Das Prienavera mit Energie zu versorgen und das ohne das Bad optisch oder auch sonst zu beeinträchtigen. Die Entscheidung fiel nach einem Ortstermin, für den die Verwaltung zwei Phantomgerüste aufgestellt hatte. Einmal am Standort „Nord“, auf dem Spielplatz des Strandbades. Und einmal am Standort „Süd“, deutlich näher zum Eingangsbereich des Prienavera, nach etwa einem Drittel des „Wurm“ genannten Strandbadgebäudes aus den 70er Jahren.
Bereits Ende März hatte der Marktgemeinderat beschlossen, das Baugenehmigungsverfahren für das geplante Energiegebäude vorzubereiten. Beim Ortstermin diskutierten die Gemeinderäte die möglichen Standorte und begutachteten die Bestandssituation des sogenannten „Wurms“. Dabei sprachen sie sich für den Standort Süd aus und schlugen vor, das Gebäude „in den Wurm hineinzuschieben“. Als „Wurm-Fortsatz“ im rechten Winkel.
Teilabbruch des Wurms?
Was allerdings einen Teilabbruch des „Wurms“ bedeutet. Nach Ansicht der Verwaltung sprechen mehrere Gründe für den Teilabbruch: So könnten Sanierungskosten für das undichte Dach eingespart werden, das Gelände würde vom Uferweg aus geöffnet und ein freier Zugang zum See geschaffen. Michael Anner (CSU) fand die Lösung „von den Platzverhältnissen her stimmig“.
Bei dem Ortstermin sei ganz eindeutig geworden, so Anner, dass der „Wurm“ wirklich marode sei. Friedrich erinnerte daran, dass allein für die Dachsanierung des Wurms 350.000 Euro angesetzt sind.
Es ist unbestritten, dass das Prienavera eine neue Energiezentrale braucht. Das alte Blockheizkraftwerk (BHKW) funktioniert nicht mehr, ein neues muss her. Das soll dann auch die geplante Anlage für die See-Thermie, also die Wärmegewinnung aus dem Wasser des Chiemsees, mit Strom versorgen. Ebenso eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der benachbarten Stippelwerft.
Die Marktgemeinderäte, die sich beim Ortstermin die beiden vorgeschlagenen Standorte ansahen, tendierten zum Standort Süd. In der Sitzung des Marktgemeinderates kam noch ein anderer Standort ins Spiel: Der Parkplatz des Prienavera. Da könnte ein Parkhaus entstehen, in dem dann auch gleich die Energiezentrale und die anderen benötigten Räume für Lager, Registratur, Werkstatt und anderes untergebracht werden könnten.
„Mut zeigen“, Parkhaus prüfen
Das sei nie geprüft worden, bemängelte Ulrich Steiner (Grüne). Der Parkplatz hat etwa 2500 Quadratmeter, da sei, so Steiner, ein Parkhaus mit zwei oder drei Ebenen möglich. Da sollte man „Mut zeigen“. Anner hält ein großes Parkhaus mit all den benötigten Nebenflächen im Außenbereich für nicht genehmigungsfähig. Friedrich bezweifelte, dass sich im Marktgemeinderat eine Mehrheit dafür fände. Dirk Schröder, Chef der Chiemsee Marina GmbH, sah die Energiezentrale in einem Parkhaus kritisch und wies darauf hin, dass der größte Teil des Parkplatzes nicht im Besitz der Gemeinde, sondern angemietet ist.
Das geplante Energiegebäude hat eine Breite von 15 Metern und eine Länge von 43 Metern. Dazu kommt ein Anbau, in dem auch öffentliche Toiletten untergebracht werden. Das sei „eine Ansage“, hielt Steiner fest und erinnerte daran, dass seine Fraktion schon vor einem knappen Jahr Bedenken ob der Größe hatte. Lahl sah die Notwendigkeit der vielen anderen Flächen abseits der Energieversorgung nicht. „Ja, wir brauchen ein neues Gebäude für das BHKW, aber nicht auf über 600 Quadratmetern“, sagte er.
Marion Hengstebeck (BfP) konnte nicht nachvollziehen, warum das Gebäude von 31 auf 43 Meter Länge wuchs. „Wenn man ein bisschen besser plant, bekommt man alles in einem kleineren Gebäude unter.“ Das sah Schröder anders: „Ich glaube nicht, dass wir noch optimieren können.“ Friedrich sagte zu dem Thema: „Wenn wir das Gebäude kleiner machen, fragen wir uns in ein paar Jahren ‚Wo packen wir die nächste Halle hin?‘“
Wir drehen uns seit Jahren im Kreis
Steiner regte an, die Vorhaben, die im Raum stehen, wie Hackschnitzelanlage samt Lager, Sauna, BHKW und Parkhaus als Ensemble zu sehen, sie gemeinsam zu betrachten und dann zu entscheiden. Gunther Kraus (CSU) widersprach. Er finde das Konzept stimmig. „Wir drehen uns seit Jahren im Kreis. Irgendwann müssen wir doch mal wissen, was genehmigungsfähig ist und welche Fördermittel es gibt.“ Tekturen seien schließlich immer möglich.
Als die Diskussion drohte, unsachlich zu werden, kam der Antrag auf Ende der Debatte, gefolgt von einem Antrag auf namentliche Abstimmung. Gegen den Beschluss, die neue Energiezentrale anstelle eines Großteils des Wurms, aber im rechten Winkel zum Bestand zu bauen, stimmten Hinterholzer, Gaby Rau, Angela Kind, Ulrich Steiner (alle Grüne), Marion Hengstebeck, Lahl (beide BfP) und Michael Voggenauer (FWB).