Übernachtungszahlen stehen fest
654.811 müde Häupter in den Kopfkissen: So viel Geld bringen sie nach Prien
654.811 müde Häupter betteten sich 2023 in Prien auf Kopfkissen. Die Vor-Corona-Werte waren wieder erreicht. 107.000 Gäste kamen in die größte Chiemseegemeinde, blieben ein paar Stunden oder ein paar Wochen. Und bringen viel Geld mit nach Prien.
Prien – Durchschnaufen in der Marktgemeinde, denn, wie Gemeinderat Sepp Schuster in der Haushaltssitzung so richtig feststellte, „Prien lebt vom Tourismus“. Und die Zahlen der Übernachtungen steigen seit Jahrzehnten an. Ja, es gibt Ausreißer, aber der Trend steht auf Wachstum. Natürlich machen sich die Corona-Jahre 2021 und 2022 bemerkbar, als die Übernachtungszahlen auf 570.000 und 620.000 sanken.
Auch eine der vielen Gesundheitsreformen der 1990er Jahre, die von 1996/97 mit Leistungskürzungen und Zuzahlungserhöhungen bei Kuren, ist in den von der Kämmerei vorgelegten Zahlen eindeutig abzulesen: Waren es 1993 bis ‘96 immer gut 140.000 Übernachtungen in Kurkliniken, stürzte die Zahl 1997 auf knapp 67.000 ab. Es sollte bis 2009 dauern, bis die Zahl wieder sechsstellig wurde. Dann aber mit Macht. Gut 300.000 Übernachtungen hatten die Priener Kurkliniken 2023 zu verzeichnen.
Seit 2017 haben die Kurgäste den größten Anteil an den Übernachtungen. Bis dahin waren es die „normalen“ Urlaubsgäste in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Auch hier verzeichnet die Marktgemeinde stetig steigende Zahlen. Selbst die Pandemie machte sich nur 2021 bemerkbar, da sanken die Übernachtungszahlen um rund 55.000 von knapp 215.000 auf 160.000. Ein Jahr später waren es schon wieder knapp 210.000 – kaum hatten die Deutschen ihre Freiheit wieder, waren sie unterwegs. Das allerdings bevorzugt innerdeutsch, wovon der Chiemgau profitierte.
Auffallend ist, betrachtet man die Statistik der Priener Kämmerei, die in vier Jahrzehnten doch stakt schwankende Zahl der Campinggäste. Gut 60.000 Übernachtungen in Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt waren es 1987. Fünf Jahre später waren es knapp 95.000. Bis heute die Rekordzahl, nur 2003 kommt mit knapp 93.000 in die Nähe. Sieben Jahre später war es mit 45.500 gerade noch die Hälfte. Der Negativrekord wurde aber 2015 mit 45.525 aufgestellt. In den letzten Jahren hat sich die Zahl bei etwa 65.000 eingependelt, nur während Corona kletterte sie knapp über 70.000.
Verbot von Zweitwohnsitzen verworfen
Die Zweitwohnungssteuer, 2007 in Prien eingeführt und 2020 um 60 Prozent erhöht, schlägt sich in der Statistik nicht nieder. Auch bei den Zweitwohnungsinhabern stieg die Zahl der Übernachtungen über die Jahrzehnte an. Gut 41.000 waren es 1987, knapp 64.500 im Jahr 2023. Die erhoffte Entlastung des Wohnungsmarktes gab es nicht. 2021 hatte die Marktgemeinde sogar über ein Verbot von neuen Zweitwohnsitzen nachgedacht, die Idee dann aber wieder verworfen.
Millionen durch Fremdenverkehrs- und Kurbeitrag
919 Betriebe in Prien müssen Fremdenverkehrsbeitrag zahlen. In diesem Jahr geht die Kämmerei von 1,35 Millionen Euro aus. Dazu kommt der Kurbeitrag, von den Gästen im Ort zu bezahlen, der für dieses Jahr mit 600.000 Euro angesetzt ist. Knapp zwei Millionen Euro also, die allein der Markt Prien an Beiträgen von Kur- und Urlaubsgästen einnimmt. Die haben dann aber noch keinen Kaffee getrunken, sind noch nicht über den Chiemsee geschippert, haben noch kein Andenken gekauft, keine Breze beim Bäcker und keine Weißwurst in der Wirtschaft gegessen.
Bahnhof und Vorplatz keine gute Visitenkarte
Kein Wunder, dass (auch) touristische Themen im Marktgemeinderat immer wieder angesprochen werden. Ob sich Gabriele Schelhas ein barrierefreies Ortszentrum wünscht, Kersten Lahl gerne einen Trinkwasserbrunnen an den Schären sähe und Martin Aufenanger und Sepp Schuster sich einig sind, dass das Bahnhofumfeld dringend aufgehübscht werden und am dritten Bahnsteig endlich ein Lift gebaut werden müsse. „Der Bahnhof ist zum Schämen“ formulierte es Schuster jüngst in der Haushaltssitzung. Widerspruch? Fehlanzeige.