„Respektiere, dass manche Angst haben“
Leinen-Pflicht am Inndamm in Wasserburg? Zwei bekannte Hunde-Halterinnen reden Klartext
Am Inndamm in Wasserburg soll die Leinen-Pflicht kommen. Was sagen zwei bekannte Hundehalterinnen zu diesem Vorstoß? Katrin Meindl und Elisabeth Fischer reden Klartext: über uneinsichtige Herrchen und Frauchen, verängstige Spaziergänger und grantige Vierbeiner.
Wasserburg am Inn – Selten hat ein Antrag der Grünen so viel Zustimmung erhalten wie jener, der die Stadt auffordert, eine Leinen-Pflicht am Inndamm zu prüfen. Denn hier kommt es immer häufiger zu Konflikten zwischen Passanten und Vierbeinern sowie deren Haltern. Ist die Zeit reif für neue Regeln?
Katrin Meindl: Spielplatz für Hunde
Katrin Meindl, Vorsitzende der Künstlergemeinschaft AK 68, ist Halterin von zwei mittelgroßen Mischlingen. Sie wohnt in Penzing und hat hier in der freien Natur viele Möglichkeiten zum Gassi-Gehen, ganz ohne Leine.
Doch sie kennt auch den Inndamm und weiß, wie viel hier los ist. Mittlerweile sei die Frequenz sehr hoch, das Konfliktpotenzial spürbar. „Und ich respektiere, dass es Menschen gibt, die Angst vor Hunden haben. Diesen Sorgen müssen wir gerecht werden.“ Gangunsichere Leute würden oft verängstigt reagieren, wenn Hunde auf sie zulaufen würden, Eltern mit Kindern hätten nicht selten ebenfalls Sorge um die Sicherheit der Sprößlinge.
Leider würden die Areale, in denen die Vierbeiner frei herumtoben könnten, immer weniger. Meindl erinnert sich deshalb gerne an einen Rom-Besuch: Die Stadt biete Spielplätze für Hunde an, in fast allen anderen Bereichen bestehe Leinenpflicht. Eine solche Freifläche in Wasserburg sei zwar aufgrund der Lage in der Innschleife nur schwer zu finden, aber wünschenswert, findet sie.
Meindl weist außerdem auf ein Problem hin, das ihr auffällt: Konflikte auch zwischen Hunden. Früher seien diese selten an der Leine geführt worden und hätten Probleme beim Aufeinandertreffen untereinander ausgemacht. Daraus habe sich ein Sozialverhalten entwickelt, mit Anpassung oder Unterordnung. Heute seien viele Hunde an der Leine unterwegs und den Umgang mit anderen Artgenossen nicht mehr gewohnt. Das könne ebenfalls zu Konflikten führen.
Elisabeth Fischer: „Ich habe Angst“
Elisabeth Fischer, Stadträtin, ist Halterin eines Dackels und für die Leinenpflicht, aber nur am Inndamm von der Roten Brücke bis zur Schiffsleutkapelle. Dort seien mittlerweile sehr viele Menschen unterwegs, auch viele Gassi-Geher mit großen Hunden. Deshalb komme es hier immer mal wieder zu Konflikten.
„Ich habe hier Angst“, sagt Fischer. Sie sorgt sich um ihre „Jana“, die „grantig“ reagieren könne, wenn ein fremder Hund auf sie zustürme, und auch um ihre eigene Sicherheit. Anders die Situation auf der anderen Innseite, von der Brücke bis zum Stauwerk. Hier könne auch sie ohne Leine mit ihrem Dackel Gassi gehen.
Fischer verweist auf ein grundsätzliches Problem: „Wenn alle Halter vernünftig wären und angemessen reagieren würden, bräuchten wir keine Leinenpflicht.“ Doch es gebe leider auch schwarze Schafe unter den Hundebesitzern, die ihre Lieblinge nicht im Griff hätten und für auftretende Probleme immer anderen die Schuld geben würden.
Was Fischer ebenfalls sehr ärgert: Kothaufen, nicht selten mitten auf dem Inndammweg. Hier seien auch viele Familien mit kleinen Kindern unterwegs. „Wie oft habe ich sogar schon selber zur Tüte gegriffen und die Hinterlassenschaften anderer Hunde weggeräumt“, ärgert sie sich.

