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Tag des Schlaganfalls am 10. Mai

So erkennen Sie einen Schlaganfall, so schützen Sie sich – Wasserburger Chefarzt klärt auf

Dr. med. Tobias Winkler (rechts) leitet seit 2019 als Chefarzt die Neurologie im kbo-Inn-Salzach Klinikum in Wasserburg. Er weiß: Beim Schlaganfall muss es schnell gehen. Je schneller er behandelt wird, desto größer die Chance, Schäden zu vermeiden.
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Dr. med. Tobias Winkler (rechts) leitet seit 2019 als Chefarzt die Neurologie im kbo-Inn-Salzach Klinikum in Wasserburg. Er weiß: Beim Schlaganfall muss es schnell gehen. Je schneller er behandelt wird, desto größer die Chance, Schäden zu vermeiden.

Jeder 40. Mensch in Deutschland erleidet einmal in seinem Leben einen Schlaganfall. Wie man durch einfache Maßnahmen im Alltag das Risiko senken kann, welche Warnzeichen jeder kennen sollte und warum besonders Frauen in der Pflicht stehen, verrät Chefarzt Dr. Tobias Winkler vom kbo-Inn-Salzach-Klinikum im OVB-Interview.

Wie kann ich einem Schlaganfall grundsätzlich vorbeugen?

Dr. Tobias Winkler: Ich empfehle grundsätzlich eine gesunde Lebensweise: regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, den Verzicht auf Nikotin und einen moderaten Umgang mit Alkohol. Vorbeugen heißt im Alltag also vor allem, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen.

Meinen Patienten rate ich zum Beispiel ganz konkret dazu, regelmäßig spazieren zu gehen, das Fahrrad anstelle des Autos zu nehmen und frisch zu kochen. Zu viel Salz, Zucker und tierische Fette sind ernstzunehmende Risikofaktoren und vor allem in hoch verarbeiteten Lebensmitteln problematisch. Wer raucht, sollte aufhören – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt damit dramatisch. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt sind wichtig, um etwa Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte oder Diabetes frühzeitig zu erkennen. Die gute Nachricht: Vieles liegt in unserer eigenen Hand.

Dr. med. Tobias Winkler leitet seit 2019 als Chefarzt die Neurologie im kbo-Inn-Salzach Klinikum in Wasserburg.

Was sind Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen?

Winkler: Die wichtigsten Risikofaktoren sind gut erforscht: An erster Stelle steht der Bluthochdruck – und der ist oft über Jahre unbemerkt. Ebenso gefährlich sind Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, das zu Blutgerinnseln im Gehirn führen kann. Daneben spielen Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen eine große Rolle. Auch chronischer Stress, Schlafmangel und übermäßiger Alkoholkonsum belasten den Körper. Es lohnt sich also doppelt, einen gesunden Lebensstil zu pflegen – für Körper und Geist.

Wer sind die Risikogruppen?

Winkler: Das klassische Bild ist der ältere Patient mit mehreren Vorerkrankungen. Aber wir sehen zunehmend auch jüngere Menschen, etwa zwischen 30 und 60, die durch ungesunde Lebensweisen, wenig Bewegung oder unbehandelten Bluthochdruck gefährdet sind. Besonders gefährdet sind Menschen mit familiärer Vorbelastung oder solche, die bereits einen Herzinfarkt oder eine TIA – also eine „transitorische ischämische Attacke“ – hatten. Und eben auch Personen mit starkem Nikotinkonsum oder hohem Cholesterinspiegel sollten wachsam sein.

Hat Dr. Winkler vielleicht einen Geheimtipp, wie er selbst einem Schlaganfall vorbeugt?

Winkler: Für mich persönlich steht hier eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks ganz weit oben. Ein erhöhter Blutdruck wird häufig über viele Jahre nicht entdeckt, kann in diesem Zeitraum dann aber bereits beträchtlichen Schaden in unserem Gehirn und Gefäßsystem anrichten. Die „Nationale Versorgungsleitlinie Hypertonie“ empfiehlt schon ab dem 18. Lebensjahr eine jährliche Blutdruckmessung beim Hausarzt, um frühzeitig vorbeugen zu können. Entscheidend für mögliche Gefäßschäden ist dabei der „obere“, also der „systolische“, Blutdruckwert. Dieser wird mittlerweile zwischen 120 und 129 mmHg als normal, zwischen 130 und 139 mmHg als „hoch-normal“ betrachtet. Bis zum 65. Lebensjahr sollten systolische Werte unter 130 mmHg, danach unter 140 mmHg angestrebt werden.

Wie erkenne ich einen Schlaganfall?

Winkler: Die Symptome sind deutlich, wenn man sie kennt: Typische Symptome sind halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen, Sprach- oder Sprachverständnisprobleme, Sehstörungen oder ein schiefer Mundwinkel. Auch starker Schwindel oder eine plötzliche Gangunsicherheit können Warnzeichen sein.

Die Faustregel lautet: FAST.

Face – wirkt eine Gesichtshälfte beeinträchtigt? Kann der Betroffene beispielsweise nicht mehr normal lächeln?

Arms – kann eine Person beide Arme gleichermaßen heben oder ist ein Arm beeinträchtigt?

Speech – ist die Sprache verändert, unverständlich oder verwaschen?

Time – trifft etwas davon zu, dann umgehend die 112 rufen! Schnelles Handeln kann Leben retten und bleibende Schäden verhindern.

Wie erkenne ich einen Schlaganfall? Die Grafik zeigt die häufigsten Symptome.

Wie sollte man reagieren, sowohl als Betroffener als auch als Ersthelfer?

Winkler: Der wichtigste Schritt: sofort den Notruf 112 wählen! Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer die Chance, Schäden zu vermeiden. Als Ersthelfer sollte man die betroffene Person beruhigen, sie nicht allein lassen und möglichst flach lagern. Keine Getränke oder Medikamente geben – bei Schluckstörungen besteht Erstickungsgefahr.

Wer selbst betroffen ist, sollte, wenn möglich, Angehörige informieren und Ruhe bewahren. Selbst wenn die Symptome nach Minuten wieder verschwinden: Auch ein „Mini-Schlaganfall“ kann der Vorbote eines schwereren Ereignisses sein.

Welche Unterschiede gibt es bei Männern und Frauen?

Winkler: Frauen sind beim ersten Schlaganfall meist älter als Männer, was auch mit der schützenden Wirkung der weiblichen Hormone in den Wechseljahren zusammenhängt. Gleichzeitig erleben Frauen häufiger schwerere Verläufe und zeigen manchmal untypische Symptome wie Übelkeit, Verwirrtheit oder plötzliche Erschöpfung – das erschwert die schnelle Diagnose.

Ganz wichtig ist aber auch anzuerkennen, dass Frauen häufiger die Pflege anderer übernehmen und dabei oft ihre eigene Gesundheit vernachlässigen. Ich plädiere deshalb sehr dafür, dass Frauen achtsamer mit sich selbst umgehen.

Beim Schlaganfall muss es schnell gehen. Je schneller er behandelt wird, desto größer die Chance, Schäden zu vermeiden.

Wie viele Patienten mit Schlaganfall behandelt das kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg jährlich?

Wir versorgen in unserer neurologischen Abteilung am kbo-Inn-Salzach-Klinikum jedes Jahr rund 450 Schlaganfallpatienten. Die meisten kommen über unsere zertifizierte „Stroke Unit“, wo rund um die Uhr Spezialisten im Einsatz sind – dank enger Kooperation mit der RoMed Klinik, mit direktem Zugang zu bildgebender Diagnostik, Labor und Intensivmedizin. Wir begleiten viele dieser Menschen aber nicht nur in der Akutversorgung, sondern auch in der Früh-Rehabilitation und bei der Wiedereingliederung in ihren Alltag.

Werden es tendenziell mehr oder weniger?

Winkler: Die Zahl der Schlaganfallbehandlungen steigt leicht – das liegt vor allem daran, dass wir alle älter werden und chronische Erkrankungen zunehmen. Gleichzeitig erkennen wir heute viele Schlaganfälle früher als noch vor zehn Jahren. Durch bessere Diagnostik und mehr Gesundheitsbewusstsein landen mehr Betroffene rechtzeitig in spezialisierten Kliniken. Das ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet: Die Aufklärung wirkt. Trotzdem bleibt viel zu tun – insbesondere in der Prävention, die oft schon im Kindes- und Jugendalter beginnt.

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