Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das sagen Ärzte- und Apothekervertreter

„Katastrophe“: Mehrere hundert Arzneimittel in der Region nicht lieferbar – was fehlt

Es mangelt weiterhin an Medikamenten: Das können Dr. Michael Iberer (oben) und Florian Nagele (unten) bestätigen.
+
Es mangelt weiterhin an Medikamenten: Das können Dr. Michael Iberer (oben) und Florian Nagele (unten) bestätigen.

Blutdruckmittel, Schmerzmittel, Antibiotika, Psychopharmaka: Die Bandbreite an Medikamenten, die derzeit in der Region nicht lieferbar sind, ist groß. Was Hoffnung macht und ob Sorgen vor dem Winter berechtigt sind.

Rosenheim Es schnieft, niest und hustet an allen Ecken. Die Erkältungssaison ist in vollem Gange – und die Probleme bei der Medikamenten-Verfügbarkeit scheinen nach wie vor nicht gelöst zu sein. „Es ist im Grunde keine spürbare Verbesserung vorhanden“, sagt Florian Nagele, Sprecher des bayerischen Apothekerverbands für Rosenheim, auf OVB-Anfrage. „Und es wird im Winter eher nochmal schlimmer werden, wenn die Infektionswellen kommen“, warnt er.

Laut Gesundheitsministerium keine Knappheit

Spezielle Medikamente, die fehlen, kann er nicht nennen. Der Mangel ziehe sich quer durch alle Arzneimittelgruppen. Von Blutdruckmitteln, über Schmerzmittel bis Antibiotika und Psychopharmaka. In allen Bereichen fehlt es. „Wenn man einen Blick in unser System wirft, sieht man, dass hier mehrere hundert Arzneimittel, die wir bräuchten, nicht lieferbar sind“, sagt Nagele.

Fragt man beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) nach, sieht es allerdings ganz anders aus. „Anders als vielfach suggeriert, gibt es in Deutschland keine ‚Versorgungsknappheit‘ von Arzneimitteln, sondern punktuelle Lieferengpässe in einem sehr komplexen Markt“, erklärt eine Sprecherin. Die Versorgungslage sei aktuell „deutlich stabiler als in den vergangenen beiden Jahren“. Aktuell sei nur noch ein Prozent der verschreibungspflichtigen Arzneimittel von Lieferengpässen betroffen.

Nagele kann darüber nur den Kopf schütteln. „Jeden, der sowas sagt, würde ich bitten, mit einem Rezept in eine Apotheke zu kommen. Das ist eine Katastrophe.“

Fiebersäfte für Kinder wieder vorhanden

Das Einzige, was sich im Vergleich zum Vorjahr wirklich verbessert habe, sei die Verfügbarkeit von Fiebersaft für Kinder. Schließlich sei die Knappheit im vergangenen Jahr sehr medienwirksam gewesen. Nun ist das Arzneimittel bestellbar. Anders sieht es beispielsweise bei Antibiotika-Säften für Kinder aus. Zwar konnte Nagele seine Kunden in der Vergangenheit gut damit versorgen, aber auch nur, weil die Apotheke vorsorgen konnte und „immer kleine Mengen gehortet“ habe. „Aber würde ich jetzt akut einen bestellen müssen, könnte ich das nicht.“

Hierzu heißt es vom Gesundheitsministerium: „Die Apotheken und die vollversorgenden Arzneimittelgroßhandlungen konnten sich mit Antibiotika- und Kinderfiebersäften nach den dem BMG vorliegenden Informationen gut bevorraten.“ Zudem zeige die Produktionsplanung pharmazeutischer Unternehmen, „dass mit einer den Bedarf übersteigende Verfügbarkeit über alle Antibiotika-Säfte hinweg zu rechnen ist.“

Arzt blickt ohne Sorgen den Wintermonaten entgegen

Laut Nagele liegt die gute Versorgung der Bürger allerdings hauptsächlich daran, dass die Apotheker alles daran setzen, die Medikamente zu beschaffen. „Wir lassen fast niemanden unversorgt“, sagt der Apotheker-Sprecher. „Aber nur, weil man organisiert, Alternativen findet und importiert.“ Engpässe und Nichtlieferbarkeit seien allerdings weiterhin da.

Für Dr. Michael Iberer, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, ist schwer zu sagen, welche Medikamente akut fehlen. In der Praxis erhalte er nur bedingt Rückmeldungen dazu. „Zuletzt gab es Schwierigkeiten bei bestimmten Antibiotika, Diabetesmitteln, Asthma-Notfallsprays, Mittel gegen Schwindel und einigen Blutdruckmedikamenten“, sagt er auf OVB-Anfrage. Impfstoffe, zum Beispiel gegen Tollwut oder Japanische Enzephalitis, waren knapp. Bedenken mit Blick auf die Wintermonate hat Iberer allerdings keine. „Die Politik hat reagiert und fordert von den Herstellern ein gewisses Maß an Vorratshaltung. Auch wurden die Rahmenbedingungen in der Arzneimittel-Wirtschaft verbessert“, sagt Iberer.

Mögliche Lösung: Ärzte dürfen Medikamente bevorraten

Nach wie vor problematisch sieht Iberer allerdings die Tatsache, dass die „Herstellung der Grundsubstanz meist in Asien geschieht und es bei Produktionsausfällen häufig keinen Ersatz der Lieferanten gibt“. Als möglichen Lösungsansatz sieht Iberer das Dispensierrecht.

Was ist das Dispensierrecht?

Das Dispensierrecht erlaubt es Ärzten, Medikamente direkt an ihre Patienten abzugeben, statt sie nur zu verschreiben. Dieses Recht ist vor allem in ländlichen Gebieten von Bedeutung, wo Apotheken oft weit entfernt sind. Durch das Dispensierrecht können Patienten ihre Medikamente schnell und unkompliziert erhalten, was die medizinische Versorgung verbessert.

Allerdings ist das Dispensierrecht in Deutschland umstritten. Befürworter argumentieren, dass es die Patientenversorgung optimiert, während Kritiker befürchten, dass es zu Interessenkonflikten führen könnte, da Ärzte sowohl diagnostizieren als auch Arzneimittel verkaufen. Jede Region kann unterschiedliche Regelungen haben, die den Umfang und die Bedingungen des Dispensierrechts definieren.

„Hilfreich wäre es, wenn Arztpraxen Medikamente bevorraten dürften, denn wir als Ärzte wissen, was für unsere Patienten unbedingt erforderlich ist und könnten so besser reagieren“, sagt der Arzt.

Kommentare