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Albaniens Ministerpräsident Edi Rama (rechts) erhält von Bayerns Europaminister Eric Beißwenger (mitte) und Rosenheims Landrat Otto Lederer ein Gastgeschenk im Spiegelsaal des Neuen Schlosses Herrenchiemsee. Vor dem neuen Weltkulturerbe ließen es sich die geladenen Gäste aus der Politik und Kultur mit Sponsoren beim Festakt anlässlich der Eröffnung der Herrenchiemsee-Festspiele gut gehen.
Unter dem Motto „Zeit der Blüte“ stehen die Herrenchiemsee-Festspiele in diesem Jahr. Beim Festakt wurden diese feierlich eröffnet. Zu Gast war neben Bayerns Europaminister Eric Beißwenger auch Albaniens Ministerpräsident Edi Rama, der die Festrede hielt und an den verrückten König erinnerte.
Chiemsee – Zum Abschluss spielte das Orchester KlangVerwaltung das als Eurovision-Hymne bekannte Haupthema aus dem Präludium des Te Deum von Marc-Antione Charpentier. Europa war ein zentrales Thema des Festakts zur Eröffnung der Herrenchiemsee Festspiele. Neben Bayerns Europaminister Eric Beißwenger war auch der albanische Premierminister Edi Rama, der die Festrede hielt und von Beißwenger im Schloss zum Staatsempfang geladen wurde, auf der Herreninsel.
Schirmherr der diesjährigen Festspiele ist der bekannte US-Dirigent Kent Nagono, der insgesamt drei Konzerte leitet. „Zeit der Blüte“ ist das Motto heuer, auch deshalb war Ministerpräsident Rama ein passender Gast. In Albanien erlebt aktuell einen Wirtschaftsboom – größtenteils dank der riesigen Bauinvestitionen in den Tourismus. Daran gibt es aber auch viel Kritik, denn Rücksicht auf Naturschutz oder den historischen Stadtkern der Hauptstadt Tirrana wird bei den Investitionen kaum genommen. Zu den Investoren zählt unteranderem Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft: Herrenchiemsee Festspiele feierlich eröffnet
Beleidigungen, Todesdrohungen und Strafverfahren mit hohen Entschädigungsforderungen schaffen in Albanien ein Klima der Einschüchterung und Selbstzensur, insbesondere für investigative Journalist*innen. Ein Kernproblem ist die Konzentration der wichtigsten Nachrichtenmedien in den Händen weniger Unternehmerfamilien, die häufig politische Interessen verfolgen und sich teils stark in die redaktionelle Unabhängigkeit ihrer Medien einmischen. Berichterstattende werden häufig Opfer von Einschüchterungsversuchen durch Politiker*innen und das organisierte Verbrechen. Die Mehrheit der Berufsgruppe sind Frauen, die häufig unter geschlechterspezifischer Diskriminierung leiden. Mit grundsätzlichen Veränderungen der Medienlandschaft will Albanien seine Chancen erhöhen, als EU-Beitrittskandidat akzeptiert zu werden. Quelle: Reporter ohne Grenzen
Begrüßt hatte Rosenheims Landrat Otto Lederer, stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Festspiele Herrenchiemsee, die Gäste im bis auf wenige Ausnahmen voll besetzten Spiegelsaal. Minister Beißwenger sagte in seiner Grußrede, der Freistaat fördere die Festspiele mit 660.000 Euro – eine der größten Festspielförderungen in Bayern. Kunst und Kultur im Allgemeinen fördere Bayern mit jährlich knapp einer Milliarde Euro. „Bayern ist ein Kulturstaat, das steht nicht nur in unserer Verfassung“, so der Europaminister.
Bayerisches Mindest: Beißwenger wirbt für Fortschritt
Von Staatschef feierlich eröffnet: Die Fotos zum Auftakt der Herrenchiemsee Festspiele
Das Motto „Zeit der Blüte“ passe gut zu Bayern, „das inspiriert nicht nur musikalisch, sondern hat uns auch gesellschaftlich viel zu sagen. Denn Zeiten der Blüte entstehen nie aus Bequemlichkeit“, mahnte Beißwenger in seiner Rede. Neues zu schaffen erfordere meist Mut, Althergebrachtes zu hinterfragen und mit Ideen Neuland zu betreten, Beißwenger: „Das passt nicht nur bestens hierher zu Herrenchiemsee und Ludwig II., sondern auch zu unserem bayerischen Mindset.“
Albaniens Ministerpräsident Rama empfand es in seinem Festvortrag auf Englisch nicht nur als Ehre, sondern als echtes Privileg, beim Festakt eingeladen zu sein. Er erinnerte daran, dass König Ludwig II. als ‚mad king‘ bezeichnet wurde, also als verrückten König: „Verrückt, weil er sein Vermögen nicht für Armeen, sondern für Wagner ausgab. Nicht für Eroberungen, sondern für die Perfektionierung des Schönen. Verrückt auch deshalb, weil er den Geist dem Schwert vorzog.“ Ludwig II. sei der letzte große Romantiker der Macht gewesen, ein Mann, der nicht durch Dekrete, sondern durch Träume regierte.
Verrückt, aber nicht zu verrückt
Rama appellierte an die Gäste im Neuen Schloss Herrenchiemsee, die Seele Europas zu schützen: „Nicht nur in Verträgen und nicht nur mit Soldaten, sondern auf unseren Straßen, in den Klassenzimmern unserer Kinder und in den stillen Winkeln unserer Träume“. Albaniens Staatschef, selbst künstlerisch sehr aktiv, sagte abschließend: „Lasst uns so sein wie Ludwig, zumindest ein bisschen verrückt, vielleicht nicht so verrückt. Verrückt genug, um an die Schönheit zu glauben, verrückt genug, um sie zu verteidigen, verrückt genug, um die Schönheit wieder zum Herzstück Europas zu machen.“
Die Karten für die beiden Konzerte im Münster Frauenchiemsee kosten zwischen 30 und 89 Euro. Teurer sind die Tickets im Spiegelsaal des Neuen Schlosses Herrenchiemsee: 70 bis 149 Euro. Einige Konzerte sind bereits ausverkauft, für die anderen sind nur noch wenige Karten verfügbar.
Perfekt ins Timing der Festspiele passte die Ernennung der Märchenschlösser von König Ludwig II. in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Landrat Lederer sieht jetzt die einmalige Chance, „Schloss Herrenchiemsee als lebendigen Kulturort zu stärken – einen Ort, wo Weltkulturerbe nicht nur betrachtet, sondern auch erlebt wird.“ Die Festspiele seien dafür das beste Beispiel: „Hier wird das Schloss nicht zum Museum, sondern zur Bühne. Hier verbinden sich Ludwigs Traum von einem bayerischen Versailles mit zeitgenössischer Kultur. Genau das macht unsere Region so besonders – wir bewahren nicht nur das Erbe, wir lassen es lebendig werden.“
Im Rampenlicht der Festspiele stehen die Künstler und Musikerinnen. Das Orchester KlangVerwaltung rahmte die Reden beim Festakt mit Soloauftritt der Violinistin Rebekka Hartmann. Das Orchester wird insgesamt vier Mal bei den Festspielen zu hören sein – drei Mal unter der Leitung von Schirmherr Kent Nagano. Chiemsee Bürgermeister Armin Krämmer lässt seine Frau entscheiden, zu welchem Konzert er gehen wird, Andreas Friedrich, Priens Bürgermeister, möchte sich am Samstag „Geistesblitze“ anhören: „Es ist einfach ein einmaliges Ambiente, da im Spiegelsaal Konzerte der klassischen Musik zu besuchen“.
Korrekturhinweis
In einer früheren Version dieses Textes wurde die Eurovisons-Hymne fälschlicherweise mit Beethovens Europa-Hymne verwechselt. Außerdem bezuschusst der Freistaat Bayern die Herrenchiemsee Festspiele mit 660.000 und nicht mit 160.000 Euro.